Alibaba Aktie: 1,5 Milliarden Dollar für Pupu
Alibaba investiert massiv in den Instant-Retail-Markt, was zu einem Gewinneinbruch führt. Analysten sehen trotzdem hohes Kurspotenzial.

- Stärkster Wochenanstieg seit September
- Instant-Retail-Sparte verbrennt Milliarden
- Gewinn bricht um 99,7 Prozent ein
- Management erwartet Wende bis 2027
98,10 Euro am Freitag. 14,60 Prozent Plus binnen einer Woche — der stärkste Anstieg seit September. Und trotzdem liegt Alibaba noch 26,24 Prozent im Minus seit Jahresbeginn. Diese Diskrepanz ist kein Zufall. Sie zeigt, wie tief die Anleger gespalten sind, wenn es um die Zukunft des Konzerns geht.
Die Aktie notiert immer noch 39,29 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 161,60 Euro, erreicht im Oktober 2025. Zwischen Euphorie-Woche und Katastrophen-Jahr liegt eine einfache Wahrheit: Alibaba führt einen selbst begonnenen Krieg. Und niemand weiß genau, ob sich der Sieg am Ende lohnt.
Der teuerste Preiskampf Chinas
Seit über einem Jahr pumpt Alibaba Subventionen in den sogenannten Instant-Retail-Markt — Blitzlieferungen von Lebensmitteln und Alltagsprodukten. Das Ziel: Meituan und JD.com angreifen, die beiden etablierten Platzhirsche.
Der Preis dafür ist brutal. Zwischen dem zweiten Quartal 2025 und dem ersten Quartal 2026 verbrannte die Sparte rund 87 Milliarden Yuan, umgerechnet etwa 12,9 Milliarden Dollar. Das ist mehr, als Meituan und JD.com im selben Zeitraum zusammen verloren haben.
Die Folge für die Konzernbilanz: Der Umsatz im vierten Fiskalquartal 2026 stieg nur um 3 Prozent. Der bereinigte Nettogewinn brach um 99,7 Prozent ein. Alibaba baute gleichzeitig sein Cloud- und KI-Geschäft aus und finanzierte einen Subventionskrieg — zwei teure Baustellen zur gleichen Zeit.
Genau dieser Widerspruch erklärt die wilden Kursausschläge. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 45,29 Prozent, der RSI bei 58,1 — weder überkauft noch überverkauft, einfach nur nervös. Der Markt versucht, ein Unternehmen zu bewerten, das quasi keinen Gewinn ausweist und trotzdem 235,39 Milliarden Euro Marktkapitalisierung trägt. Das Kursziel der Analysten liegt im Konsens bei 167,34 Euro — ein Aufwärtspotenzial von 70,6 Prozent. Eine ungewöhnlich große Lücke, selbst für eine derart schwankungsanfällige Aktie.
Erste Anzeichen einer Wende
Es gibt Signale, dass das Management den Höhepunkt der Ausgaben für überstanden hält. Die täglichen aktiven Nutzer im Instant-Retail-Geschäft wuchsen von nahe null auf stabil über 100 Millionen. Zwar liegt das 30 bis 40 Prozent unter dem Höhepunkt vom letzten Sommer, aber das tägliche Bestellvolumen hat sich stabilisiert.
Fan Jiang, verantwortlich für das Instant-Retail-Geschäft, bestätigte kürzlich: Die Sparte soll noch vor Ende des Fiskaljahres 2027 profitabel werden. Das wäre der Wendepunkt von reinen Subventionsschlachten zu echten Effizienzgewinnen.
Intern scheint Alibaba den Lieferkrieg bereits als strategischen Erfolg zu verbuchen, nicht als teuren Umweg. Konzern-CTO Wu Zeming, früher Chef von Taobaos Instant-Commerce-Sparte, sitzt inzwischen im Partnerkomitee — dem höchsten Entscheidungsgremium des Konzerns. Ein Signal, wie das Management die Schlacht intern bewertet.
Dazu passt ein weiterer Schritt: Alibaba bietet Berichten zufolge 1,5 Milliarden Dollar für Pupu, Chinas letzte große unabhängige Plattform für frische Lebensmittel im E-Commerce. Der Konzern will seine Lieferketten- und Frischwaren-Assets konsolidieren, statt weiter parallel Geld zu verbrennen.
Eine Wette auf den Wandel der Erzählung
Die Kurserholung der vergangenen Woche fällt mit einer zweiten guten Nachricht zusammen. Alibaba und sein US-Zahlungsarm haben sich mit dem US-Justizministerium auf einen Vergleich über 600 Millionen Dollar geeinigt — ohne Anklage. Damit ist ein rechtliches Risiko vom Tisch, groß, aber immerhin klar begrenzt.
Die eigentliche Frage bleibt größer: Wird aus dem teuren Instant-Retail-Experiment ein echter Wachstumsmotor? Das Management argumentiert in den letzten Telefonkonferenzen genau in diese Richtung — die Synergie zwischen Blitzlieferungen und klassischem E-Commerce soll neue Kunden bringen, die Nutzeraktivität steigern und das Transaktionsvolumen erhöhen.
Die Charttechnik spiegelt diese Unsicherheit exakt. Die Aktie liegt noch 20,75 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 123,78 Euro und 4,62 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt. Ein Geschäft im Umbau, dem der breite Markt noch nicht traut — trotz der jüngsten Kursimpulse.
Immerhin: Seit dem 52-Wochen-Tief von 79,50 Euro, erreicht erst vor knapp drei Wochen, steht die Aktie 23,40 Prozent höher. Der aktuelle Rebound ist damit weniger ein Urteil als eine Wiedereröffnung der Debatte. War der Preiskrieg ein teurer Umweg oder die Anzahlung auf Alibabas nächstes Wachstumskapitel? Die Margendaten der kommenden Quartale werden diese Frage beantworten — nicht die Kursrally dieser einen Woche.
Alibaba-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Alibaba-Analyse vom 13. Juli liefert die Antwort:
Die neusten Alibaba-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Alibaba-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 13. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Alibaba: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...




