Alibaba Aktie: 52-Wochen-Tief bei 79,50 Euro

Alibaba-Aktie erholt sich nach extremem Überverkauf, bleibt aber durch Pentagon-Klage und KI-Vorwürfe belastet.

Die Kernpunkte:
  • RSI von 17,4 signalisierte extremes Überverkauf
  • Klage gegen Pentagon-Einstufung eingereicht
  • KI-Distillation-Vorwürfe von Anthropic
  • Aktie liegt 37% unter Jahresanfang

Ein RSI von 17,4 signalisiert extremes Überverkauft-Territorium. Genau dort befand sich Alibaba noch in der Vorwoche — bevor die Aktie am Montag in Hongkong um bis zu 5,3 Prozent zulegte und damit eine breitere Erholung im chinesischen Tech-Sektor anführte.

Der Hang Seng TECH Index stieg um mehr als 3 Prozent. Neben Alibaba verzeichneten auch Meituan und Baidu deutliche Gewinne. Die Erholung kommt nach einem brutalen Abverkauf: Am 26. Juni markierte die Aktie bei 79,50 Euro ein neues 52-Wochen-Tief. Zum Vergleich: Das Jahreshoch lag im Oktober 2025 bei 161,60 Euro. Seitdem hat die Aktie fast die Hälfte ihres Wertes verloren.

Klage gegen das Pentagon

Hinter der Kursschwäche steckt mehr als Marktstimmung. Am 24. Juni reichte Alibaba in San Jose Klage gegen das US-Verteidigungsministerium ein. Das Unternehmen will die Einstufung als „chinesisches Militärunternehmen“ nach der sogenannten 1260H-Liste anfechten. Alibaba argumentiert, die Klassifizierung entbehre jeder faktischen und rechtlichen Grundlage.

Die Konsequenzen dieser Einstufung sind erheblich. Der National Defense Authorization Act 2025 verbietet US-Unternehmen künftig, mit Lobbyisten zusammenzuarbeiten, die gelistete Firmen vertreten. Scheitert die Klage, verliert Alibaba einen wichtigen Hebel für politische und rechtliche Interessenvertretung in den USA.

KI-Vorwürfe von Anthropic

Parallel läuft ein weiterer Konflikt. Das US-amerikanische KI-Startup Anthropic wirft Alibaba-nahen Betreibern vor, rund 25.000 gefälschte Accounts genutzt zu haben, um 28,8 Millionen Interaktionen mit dem Claude-Modell durchzuführen. Ziel soll gewesen sein, Fähigkeiten für Alibabas eigenes Qwen-Modell abzuschöpfen — ein sogenannter Distillation-Angriff.

Ob diese Vorwürfe rechtliche Konsequenzen haben, bleibt offen. Sie belasten jedoch das Bild des Unternehmens im US-Markt zusätzlich.

Technische Erholung auf schwachem Fundament

Die Kursdaten sprechen eine klare Sprache. Mit einem Schlusskurs von 83,50 Euro liegt die Aktie rund 23 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt und mehr als 34 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Seit Jahresanfang beträgt das Minus 37,22 Prozent.

Die Montags-Rally ist technisch erklärbar: Wer so tief fällt, löst irgendwann Gegenbewegungen aus. Kein Wunder. Ob daraus eine nachhaltige Trendwende wird, hängt vor allem vom Ausgang der Pentagon-Klage und der weiteren Entwicklung im US-China-Konflikt ab — zwei Faktoren, die sich kaum vorhersagen lassen. Chinas Regulierungsbehörden haben indes sieben neue nationale Standards für KI-Agenten verabschiedet, was den heimischen Wettbewerb für Alibaba strukturierter, aber auch komplexer macht.

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