Alibaba Aktie: Cloud plant neue Regionen in drei Ländern

Neue Rechenzentren und KI-Werkzeuge stärken Alibabas Cloud-Angebot, während höhere Investitionen die Ausgaben im zweiten Quartal steigen ließen.

Die Kernpunkte:
  • Neue Cloud-Regionen in drei Ländern angekündigt
  • Niederländischer Standort soll im Oktober starten
  • KI-Cloud-Umsatz im zweiten Quartal um 45 Prozent gestiegen
  • Investitionsausgaben kletterten um 75 Prozent

Alibaba treibt die internationale Expansion seiner Cloud-Sparte mit neuen Rechenzentren und Softwarewerkzeugen für künstliche Intelligenz voran. Auf der hauseigenen Apsara-Konferenz kündigte die Cloud-Tochter des chinesischen Konzerns gestern an, innerhalb der kommenden zwölf Monate neue Rechenzentrumsregionen in der Türkei, in Finnland und in den Niederlanden in Betrieb zu nehmen. Der niederländische Standort soll bereits im Oktober 2026 an den Start gehen.

Neue Standorte und Software für Unternehmenskunden

Der Schritt markiert einen gezielten Vorstoß in europäische und vorderasiatische Märkte. Neben den neuen Regionen baut Alibaba Cloud auch bestehende Kapazitäten aus, unter anderem an Standorten in Deutschland, Malaysia und Frankreich. Die globale Basis des Anbieters umfasst damit 107 Verfügbarkeitszonen in 31 Regionen weltweit.

Flankiert wird der Ausbau von neuen Software-Diensten, die auf agentenbasierte Anwendungen zielen. CTO Feifei Li stellte unter anderem die Plattform Smart Studio vor, die einen deutlich gesteigerten Durchsatz im Vergleich zu Standard-Open-Source-Lösungen bieten soll.

Für Anwendungsentwickler stellte der Konzern zudem die Programmierschnittstelle Smart Fusion bereit, die laut Unternehmensangaben die Token-Kosten bei der Nutzung mehrerer Modelle um rund die Hälfte senkt.

Die technologische Aufrüstung zielt darauf ab, mehr internationale Großkunden an das eigene Ökosystem zu binden. In Asien nutzen bereits Partner aus der Industrie die Modelle für die automatisierte Dokumentation sowie für Analysen im elektronischen Handel.

Hohe Investitionen belasten kurzfristig die Bilanz

Hinter dem Ausbau steht ein massives Investitionsprogramm: Alibaba plant über einen Zeitraum von drei Jahren mindestens 380 Milliarden Renminbi für Cloud- und KI-Infrastruktur bereitzustellen. Bis 2032 peilt der Konzern eine weltweite Rechenzentrumskapazität von mehr als 20 Gigawatt an.

Dieser aggressive Kapazitätsaufbau hinterlässt jedoch deutliche Spuren in den Geschäftszahlen. Zwar legten die Erlöse im Segment für KI-Cloud- und Rechenleistungsdienste im zweiten Quartal 2026 um 45 Prozent auf 48,4 Milliarden Renminbi zu. Gleichzeitig stiegen die Investitionsausgaben um 75 Prozent auf 67,7 Milliarden Renminbi.

An der Börse sorgt der Spagat zwischen notwendigen Zukunftsinvestitionen und kurzfristigem Margendruck für Zurückhaltung. Am Freitag ging die Alibaba-Aktie bei 96,20 Euro aus dem Handel. Seit Jahresanfang summiert sich das Kursminus damit auf 24 Prozent.

Analysten sehen langfristige Ertragschancen

Trotz der Ergebnisbelastung durch den Infrastrukturausbau bewerten viele Marktbeobachter die strategische Ausrichtung positiv. Analystin Alicia Yap von der US-Bank Citi bekräftigt ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 190 US-Dollar und rechnet mit steigenden Investitionsausgaben in den kommenden Geschäftsjahren. Auch Andy Yu vom Analysehaus DBS bleibt optimistisch und stuft das Papier mit einem Kursziel von 207 US-Dollar weiterhin mit Buy ein.

Ob sich die hohen Ausgaben für Rechenzentren und neue Prozessoren nachhaltig auszahlen, hängt nun von der Geschwindigkeit ab, mit der Alibaba die neuen Kapazitäten im Ausland monetarisieren kann. Das Management setzt darauf, dass die Nachfrage nach Rechenleistung das Angebot auch über das laufende Jahr hinaus übersteigen wird.

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