Alibaba Aktie: Nettogewinn bricht um 75,6 Prozent ein
Alibaba-Führung investiert nach Kapitalerhöhung in eigene Aktien. Trotz Cloud-Wachstum bricht der Gewinn ein, neue Klagen belasten zusätzlich.

- Management kauft Aktien für 120 Mio. HKD
- Kapitalerhöhung erzielt 80 Mrd. HKD
- Cloud-Umsatz wächst um 45 Prozent
- Sammelklage wegen Wertpapierbetrugs eingereicht
Nach einer massiven Kapitalmaßnahme am Wochenende sendet das Management von Alibaba ein deutliches Signal an den Kapitalmarkt. Wie gestern bekannt wurde, haben Chairman Joseph Tsai und CEO Eddie Wu für insgesamt rund 120 Millionen Hongkong-Dollar eigene Aktien des Konzerns erworben.
Dieser Schritt erfolgte unmittelbar nach der Ankündigung einer milliardenschweren Kapitalerhöhung, die der Konzern zur Finanzierung seiner technologischen Neuausrichtung nutzt.
Strategische Kapitalerhöhung für KI-Infrastruktur
Alibaba hat eine Primärplatzierung von 710.000.000 neuen Stammaktien zu einem Preis von 112,70 Hongkong-Dollar pro Aktie abgeschlossen. Mit dieser Maßnahme sicherte sich das Unternehmen einen Bruttoerlös von 80,0 Milliarden Hongkong-Dollar, was etwa 10,2 Milliarden US-Dollar entspricht. Die Mittel sind laut Unternehmensangaben zweckgebunden für den Ausbau einer umfassenden „Full-Stack“-Infrastruktur im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI).
Die Insiderkäufe der Führungsriege dienen offensichtlich dazu, das Vertrauen der Anleger zu stärken, nachdem die Ausgabe neuer Aktien zu einer Verwässerung bestehender Anteile geführt hatte. Joseph Tsai erwarb 720.000 Anteile, während Eddie Wu sein Portfolio um 350.000 Aktien aufstockte.
Im heutigen Handel an der deutschen Börse verliert das Papier dennoch an Boden und notiert bei 100,00 Euro, was einem Rückgang von 1,8 Prozent entspricht. Die Marktkapitalisierung des E-Commerce-Riesen beläuft sich damit auf 244,96 Milliarden Euro.
Cloud-Wachstum trifft auf Gewinneinbruch
Hintergrund des enormen Kapitalbedarfs sind die massiven Investitionen in die Cloud- und KI-Sparte, deren Relevanz für den Konzern stetig zunimmt. In den am vergangenen Donnerstag veröffentlichten Ergebnissen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 wies Alibaba ein deutliches Wachstum bei Alibaba Cloud aus.
Die externen Umsätze in diesem Segment stiegen im Jahresvergleich um 45 Prozent – das stärkste Wachstum seit 22 Quartalen. Besonders dynamisch entwickelten sich KI-bezogene Produkte, die bereits das zwölfte Quartal in Folge ein dreistelliges Plus verzeichneten.
Allerdings hinterlassen diese Expansionsbestrebungen tiefe Spuren in der Bilanz. Während der Konzernumsatz um 8,6 Prozent auf 268,95 Milliarden RMB kletterte, brach der um Sondereffekte bereinigte Nettogewinn im selben Zeitraum um 75,6 Prozent auf 10,54 Milliarden RMB ein. Die hohen Kosten für die KI-Infrastruktur belasten die kurzfristige Profitabilität erheblich.
Analysten reagierten am Freitag uneinheitlich auf diese Dynamik: Während JPMorgan das Kursziel leicht von 205 auf 210 US-Dollar anhob, reduzierte die Citi ihre Erwartung geringfügig auf 190 US-Dollar. Barclays bekräftigte am selben Tag die Einstufung „Overweight“ mit einem Ziel von 200 US-Dollar.
Neue rechtliche Risiken belasten den Kurs
Zusätzlich zur finanziellen Belastung durch den Umbau sieht sich Alibaba mit neuen juristischen Auseinandersetzungen konfrontiert. Medienberichten zufolge wurde gestern eine Sammelklage wegen Wertpapierbetrugs eingereicht.
Die Kläger werfen dem Unternehmen vor, enge Verbindungen zum chinesischen Ministerium für Industrie und Informationstechnik (MIIT) nicht ausreichend offengelegt zu haben. Zudem geht es um Vorwürfe, Risiken im Zusammenhang mit sogenannten „Distillation Attacks“ auf KI-Modelle verschwiegen zu haben.
Bereits am 11. August war eine weitere Klage bekannt geworden, die Alibaba den unrechtmäßigen Zugriff auf KI-Modelle des US-Unternehmens Anthropic vorwirft. Diese rechtlichen Unsicherheiten treffen den Konzern in einer Phase des Umbruchs.
Bereits vor rund zwei Wochen hatte die Vorstellung des neuen KI-Modells Qwen3.8-Max für Aufmerksamkeit gesorgt, konnte den Abwärtstrend der Aktie jedoch nicht nachhaltig stoppen. Anleger blicken nun gespannt auf den 5. Oktober, wenn die Frist für den Hauptkläger in dem neuen Verfahren abläuft.
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