Alibaba Aktie: Wachstum unter Druck

Alibabas hohe Ausgaben für Schnelllieferung und KI drücken die Margen im Kerngeschäft, während die schwache chinesische Konjunktur zusätzlichen Gegenwind bringt.

Die Kernpunkte:
  • E-Commerce-Marge bricht durch Subventionen ein
  • Freier Cashflow rutscht tief ins Minus
  • Chinesische Konsumlaune bleibt gedämpft
  • Cloud-Umsatz wächst, Investitionen sind hoch

Alibaba steckt in einem strategischen Spagat. Auf der einen Seite pumpt der Konzern Milliarden in neue Wachstumsfelder wie Quick Commerce, Cloud und KI. Auf der anderen Seite wachsen die Sorgen, dass die Rechnung kurzfristig vor allem bei der Profitabilität präsentiert wird. Wie belastbar ist dieses Wachstumsmodell in einem schwächelnden chinesischen Konsumumfeld?

Teures Wachstum im Kerngeschäft

Besonders sichtbar wird der Konflikt im China-E-Commerce-Geschäft. Alibaba treibt seine Schnellliefer-Sparte rund um Taobao Instant Commerce mit hoher Geschwindigkeit voran. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 legten die Umsätze in diesem Bereich im Jahresvergleich um satte 60 % zu. Die Nutzung der Taobao-App steigt, die Kundenbindung nimmt zu – genau das, was der Konzern strategisch erreichen will.

Doch der Preis für dieses Wachstum ist hoch. Subventionen, Logistik und Investitionen in die Nutzererfahrung treiben die Kosten nach oben und drücken die Erträge. Im China-E-Commerce-Segment brach das EBITA im Jahresvergleich um 76 % ein. Damit wird ausgerechnet die Quick-Commerce-Offensive zum größten Bremsklotz für die Konzernprofitabilität.

Hinzu kommt: Die Konkurrenz im Liefer- und lokalen Handelsgeschäft in China ist hart. Um Marktanteile zu sichern, muss Alibaba aggressiv im Markt bleiben. Die Verkaufs- und Marketingkosten sind deutlich gestiegen und machen inzwischen rund 27 % der Erlöse aus – ein klarer Hinweis darauf, wie intensiv der Wettbewerb geführt wird.

Schwache Konjunktur als Gegenwind

Die operative Herausforderung trifft auf ein schwieriges makroökonomisches Umfeld. Das chinesische Bruttoinlandsprodukt wuchs im vierten Quartal zuletzt nur noch um 4,5 % und damit langsamer als im Quartal davor. Auch die Einzelhandelsumsätze im Dezember signalisierten Zurückhaltung: Das Plus von 0,9 % im Jahresvergleich zeigt, dass die Konsumlaune gedämpft bleibt.

Für ein Unternehmen, dessen Kern auf Onlinehandel und Konsum basiert, ist das ein Problem. Die schwache Binnenkonjunktur wirkt direkt auf das Kerngeschäft durch: weniger Nachfrage, härterer Wettbewerb um jeden Yuan Umsatz, steigender Druck auf Margen und Marketingbudgets. Kein Wunder, dass Anleger vorsichtiger geworden sind und zuletzt auch globalere Themen wie neue Handelsrisiken zusätzlich auf die Stimmung drücken.

Kursseitig spiegelt sich diese Unsicherheit in einer erhöhten Schwankungsbreite wider: Die Aktie liegt mit rund 66 % Plus auf Zwölfmonatssicht zwar deutlich über ihrem 52‑Wochen-Tief, aber noch gut 13 % unter dem Jahreshoch – ein klares Bild zwischen Erholungshoffnung und anhaltenden Zweifeln.

Hohe Einsätze bei KI und Cloud

Parallel dazu setzt Alibaba auf eine tiefgreifende technologische Transformation. Im Mittelpunkt stehen Cloud-Infrastruktur und Künstliche Intelligenz. Der Konzern verfolgt mehrjährige Investitionspläne, die unter anderem die Weiterentwicklung der eigenen KI-Plattformen wie der Qwen-App finanzieren. Erste Nutzerzahlen hatten hier zeitweise für spürbare Fantasie im Markt gesorgt.

Die Kehrseite: Die notwendigen Investitionen sind kapitalintensiv. In den vergangenen vier Quartalen hat Alibaba erhebliche Mittel in Rechenzentren, KI-Hardware und Cloud-Software gesteckt. Das drückt inzwischen klar auf den freien Mittelzufluss. Im zweiten Quartal 2026 lag der Free Cashflow bei rund minus 21,8 Milliarden RMB, obwohl der operative Cashflow weiterhin positiv war. Liquidität wird also verstärkt in Wachstumsprojekte gebunden.

Inhaltlich entwickelt sich die Cloud-Sparte operativ solide: Die Umsätze beschleunigen, was zeigt, dass die Nachfrage nach den Diensten vorhanden ist. Die zentrale Bewährungsprobe für 2026 lautet jedoch, ob diese KI- und Cloud-Aktivitäten tatsächlich operative Hebel freisetzen und die Profitabilität verbessern können – und damit auch das Kern-E-Commerce-Geschäft entlasten.

Was Anleger jetzt im Blick haben

Für Investoren rückt damit ein Punkt in den Vordergrund: Die Frage, ob und wann die hohen Investitionen in Quick Commerce, KI und Cloud in nachhaltig bessere Erträge umschlagen. Aktuell belasten sie die Marge, während Konjunktur und Wettbewerb wenig Spielraum lassen, die Preisschraube anzuziehen.

Entscheidend für die nächsten Quartale wird sein, ob Alibaba drei Dinge gleichzeitig gelingt: die Verluste aus dem Schnellliefergeschäft schrittweise zu begrenzen, das Cloud-Geschäft mit wachsender Marge zu skalieren und im schwächeren chinesischen Konsumumfeld zumindest stabil zu wachsen. Erst wenn sich hier klarere Fortschritte zeigen, dürfte der Druck auf die Profitabilität spürbar nachlassen.

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