Alibabas Rechnung: 76 Prozent weniger Gewinn für 45 Prozent mehr Cloud
Alibaba verzeichnet 76 Prozent weniger Nettogewinn, investiert aber massiv in KI-Infrastruktur. Das Cloud-Geschäft wächst um 45 Prozent.

- Nettogewinn bricht um 76 Prozent ein
- Cloud-Umsatz steigt um 45 Prozent
- Capex klettert auf 67,68 Milliarden Yuan
- Aktie fällt um über sechs Prozent
Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
76 Prozent weniger Gewinn, 45 Prozent mehr Cloud-Umsatz: Alibaba hat am Freitag die vielleicht deutlichste Zahlenrechnung des Jahres vorgelegt, wenn es um den Preis einer KI-Investitionsoffensive geht. Während in Peking eine Gewinnwarnung auf einen Wachstumsschub trifft, bekräftigt eine Bank in Frankfurt ihr Vertrauen in einen ganz anderen Turnaround-Kandidaten, und in den USA erinnert ein Short-Squeeze bei Bitcoin daran, wie schnell sich Kryptorallyes als Strohfeuer entpuppen können. Der gemeinsame Nenner: Wer belastbare Geschäftszahlen liefert, wird belohnt – auch wenn er dafür kurzfristig teuer bezahlt.
Alibaba: Der Preis der KI-Wette
Alibaba wies für das im Juni beendete erste Fiskalquartal 2027 einen Nettogewinn von 10,54 Milliarden Yuan aus (rund 1,34 Milliarden Euro) – ein Einbruch von 76 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz stieg zwar um 9 Prozent auf 268,95 Milliarden Yuan (etwa 34,3 Milliarden Euro), verfehlte damit aber die Erwartungen; der bereinigte Gewinn je ADS von 1,26 US-Dollar blieb deutlich unter Konsens. Der Grund ist eine Investitionsoffensive historischen Ausmaßes: Das Capex kletterte um 75 Prozent auf 67,68 Milliarden Yuan (rund 8,62 Milliarden Euro), eingebettet in ein auf 380 Milliarden Yuan (etwa 48,4 Milliarden Euro) angelegtes KI-Infrastrukturprogramm. Konzernchef Eddie Wu rechnet nach eigener Aussage erst in zwei bis drei Jahren mit dessen Gewinnschwelle.
Der Trost für Investoren sitzt im Cloud-Geschäft. Es wuchs um 45 Prozent auf 48,4 Milliarden Yuan (rund 6,17 Milliarden Euro) – das schnellste Tempo seit 22 Quartalen –, während sich die operative Marge im KI-Cloud-Segment auf 12 Prozent verdoppelte. Das margenschwache klassische E-Commerce-Geschäft in China schrumpfte dagegen um 8 Prozent auf 110,9 Milliarden Yuan (rund 14,1 Milliarden Euro), während das Schnelllieferungsgeschäft um 45 Prozent auf 53,3 Milliarden Yuan (rund 6,79 Milliarden Euro) zulegte. An der Heimatbörse rutschte die Aktie um mehr als sechs Prozent auf rund 122 US-Dollar ab, in Frankfurt notiert sie aktuell bei 104,40 Euro. Wer die Cash-Reserven von umgerechnet rund 60,5 Milliarden Euro und das Tempo der KI-Monetarisierung ernst nimmt, kann in dem Rücksetzer eine Einstiegschance in eine strukturelle Cloud-Wette sehen – auf Jahressicht steht die Aktie trotz des Rücksetzers noch leicht im Plus.
Während Alibaba Milliarden in die eigene KI-Infrastruktur pumpt, steht in den USA schon der nächste Termin an, der die gesamte Branche bewegen dürfte: Am 26. August legt NVIDIA seine Quartalszahlen vor – und rund um den Chip-Riesen hat sich längst eine ganze Zulieferkette aus Netzwerk-, Fertigungs- und Chip-Design-Spezialisten gebildet, die vom Erfolg des Konzerns mitprofitiert. Genau darum geht es im Live-Webinar „NVIDIA vor den Zahlen: DIE ARCHITEKTEN HINTER DEM KI-BOOM!“, zu dem Chefanalyst Carsten Müller am 23.08.2026 um 18:00 Uhr einlädt. Er ordnet ein, warum der bevorstehende Bericht für aufmerksame Anleger eine besondere Gelegenheit schafft, und zeigt, wie sich die Kräfteverhältnisse in der globalen Chip-Industrie gerade neu sortieren. Wer verstehen will, welche Unternehmen abseits von Alibaba und Co. von der weltweiten KI-Infrastrukturwelle profitieren, findet hier konkrete Anhaltspunkte. Jetzt zum Webinar „NVIDIA vor den Zahlen: DIE ARCHITEKTEN HINTER DEM KI-BOOM!“ anmelden
Siemens Energy: Bernstein sieht noch Luft nach oben
Ganz anders liest sich die Geschichte bei Siemens Energy. Die Bank Bernstein bekräftigte am Freitag ihre „Outperform“-Einstufung – ein Signal, dass der Erholungskurs des Windkraft- und Netztechnikkonzerns aus Analystensicht noch nicht ausgereizt ist. Die Aktie notiert derzeit bei rund 153 Euro, binnen zwölf Monaten ein Plus von 65 Prozent, seit Jahresbeginn 27 Prozent. Bis zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von 195,38 Euro, aufgestellt im April, fehlt allerdings noch ein gutes Stück – genau der Spielraum, den Bernstein für eine weitere Neubewertung sieht. Für Anleger, die auf die europäische Energiewende und den Netzausbau setzen wollen, bleibt Siemens Energy damit einer der meistgehandelten Industrietitel im DAX.
Bitcoin: Ein Short-Squeeze ist keine Nachfrage
Bitcoin kletterte am Freitag zeitweise auf über 79.000 Dollar, aktuell liegt die Kryptowährung bei rund 77.200 Dollar – ein Tagesplus von etwa 11 Prozent. Doch die Analyseplattform CryptoQuant warnt: Der Binance-Short-Squeeze-Indikator steht bei 6,94, dem höchsten Stand seit November 2024. Das heißt konkret: Die Rallye wird vor allem durch erzwungene Eindeckungen von Short-Positionen getrieben, nicht durch echte Spot-Nachfrage. Ohne steigendes Spot-Handelsvolumen, so die Warnung, drohe ein Rückschlag. Profiteur der Bewegung ist die Krypto-Beteiligungsgesellschaft Strategy, vormals MicroStrategy: Ihre Aktie kletterte um 7,5 Prozent auf über 120 Dollar, während sich die zur Finanzierung der Bitcoin-Käufe genutzte Vorzugsaktie STRC erstmals seit Juni wieder über 96 Dollar erholte und sich damit ihrem 100-Dollar-Zielwert nähert. Bei einem Bestand von 840.447 Bitcoin zu einem Durchschnittspreis von 75.385 Dollar bedeutet jeder weitere Kursanstieg unmittelbar Buchgewinne für Strategy – aber das Kontrahentenrisiko bleibt, sollte sich der Squeeze als kurzlebig erweisen. Wer hier investiert, sollte wissen: Er wettet auf Marktmechanik, nicht auf fundamentale Nachfrage.
DAX-Einzelwerte: Wo die eigentliche Geschichte steckt
Der DAX hielt sich am Freitag über der Marke von 26.000 Punkten, doch die spannendere Geschichte spielte sich auf Einzeltitelebene ab. Fielmann senkte seine Jahresziele – 61 Prozent des Konzernumsatzes entfallen auf das schwächelnde deutsche Geschäft –, die Aktie fiel im Handelsverlauf zeitweise auf ein neues 52-Wochen-Tief von 38,40 Euro, bevor sie sich auf rund 39,30 Euro erholte. Thyssenkrupp lieferte das Gegenbild: Die Aktie sprang um gut sechs Prozent und nähert sich damit wieder ihrem erst vor wenigen Tagen erreichten 52-Wochen-Hoch von 14,05 Euro – nach zwölf Monaten mit 54 Prozent Kursplus einer der stärksten MDAX-Werte des Jahres. Auch CTS Eventim überzeugte: Umsatz und EBITDA im zweiten Quartal lagen rund vier beziehungsweise zwei Prozent über dem Marktkonsens, die Aktie legte im Verlauf um 5,5 Prozent zu. Bei Fresenius sorgte der Verkauf von 7,8 Millionen FMC-Aktien – 2,9 Prozent des Grundkapitals – für rund 300 Millionen Euro für leichten Druck auf die FMC-Aktie.
Der globale Kompass
Drei Geschichten, ein Muster: Alibaba bezahlt für seine KI-Wette mit einem Gewinneinbruch, wird aber für das Cloud-Wachstum belohnt. Siemens Energy bekommt von Bernstein bestätigt, dass der Turnaround noch Substanz hat. Bitcoin dagegen steigt auf einem Fundament aus erzwungenen Eindeckungen, nicht aus echter Nachfrage – ein Unterschied, der sich schnell rächen kann, sollte das Spot-Volumen nicht nachziehen. Im Hintergrund bleibt die Gemengelage unruhig: Walmart hatte tags zuvor trotz besserer Zahlen mit seinem Ausblick enttäuscht, die langfristigen US-Zinsen bleiben erhöht, und die Spannungen zwischen den USA und dem Iran treiben den Ölpreis. Genau in diesem Umfeld gewinnen Titel mit belastbarer Substanz an Reiz – sei es die europäische Energiewende-Story von Siemens Energy oder Alibabas Cloud-Wachstum. Wer in den kommenden Handelstagen Stabilität sucht, findet sie eher in Quartalszahlen als im fragilen Fundament der jüngsten Bitcoin-Rallye.
Das Wochenende naht, und mit ihm die Gelegenheit, die Zahlen dieser Woche in Ruhe sacken zu lassen, statt jedem Tick hinterherzuschauen.
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