Allianz Aktie: AA-Übernahme wird um knapp eine Milliarde teurer

Allianz erwägt ein höheres AA-Angebot und ordnet die Führung neu. Ein starkes Halbjahr schafft Spielraum für internationale Zukäufe.

Die Kernpunkte:
  • AA-Angebot auf 6,77 Milliarden Dollar gestiegen
  • HSBC-Life-Übernahme für 2027 vorgesehen
  • Mehrere Wechsel im Allianz-Vorstand
  • Operatives Halbjahresergebnis bei 9,4 Milliarden Euro

Die Allianz sortiert sich derzeit gleich an mehreren Fronten neu. Beim Übernahmepoker um den britischen Pannendienst AA ist der Kaufpreis Berichten zufolge auf umgerechnet rund 6,77 Milliarden US-Dollar gestiegen – deutlich mehr als die ursprünglich veranschlagten 5,8 Milliarden Euro, über die vor gut einer Woche berichtet worden war. Parallel dazu bereitet der Münchener Versicherer einen tiefgreifenden Wechsel in der Führungsriege vor.

Höherer Preis für AA

Die Gespräche über den britischen Pannendienst AA laufen bereits seit einiger Zeit, nun hat sich der Preisrahmen offenbar verschoben. Aus einer ursprünglich geplanten Summe von 5,8 Milliarden Euro ist Medienberichten zufolge ein Angebot von etwa 6,77 Milliarden US-Dollar geworden.

Für Allianz wäre dies ein weiterer Baustein im Ausbau des Privatkundengeschäfts außerhalb des klassischen Versicherungskerns – nach der bereits fixierten Übernahme von HSBC Life Singapore für 2,0 Milliarden Euro, deren Abschluss für die erste Jahreshälfte 2027 vorgesehen ist, sowie dem kleineren Zukauf des portugiesischen Anbieters Caravela für rund 150 Millionen Euro, der noch die Freigabe der Wettbewerbsbehörde und der Aufsicht ASF benötigt.

Die Aktie hat auf die jüngsten Entwicklungen verhalten reagiert: Seit dem Bekanntwerden der Gespräche vor gut einer Woche gab das Papier um 2,1 Prozent nach, notiert aber am Freitag mit 441,60 Euro weiterhin nur rund 2,8 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch. Anleger scheinen die Zukäufe grundsätzlich zu akzeptieren, honorieren aber nicht jede Preiserhöhung mit Kursgewinnen.

Vorstand vor größerem Umbruch

Neben den Übernahmeaktivitäten steht bei der Allianz ein personeller Umbruch an der Spitze bevor. Klaus-Peter Röhler, seit 30 Jahren im Unternehmen und zuletzt Deutschlandchef, verlässt den Vorstand zum Jahresende wegen Erreichens der Altersgrenze.

Seine Nachfolge tritt Renate Wagner an, die künftig zusätzlich für Deutschland, die Schweiz und Zentraleuropa verantwortlich zeichnet. Ebenfalls neu im Vorstand: Tomas Kunzmann, seit 2022 Chef von Allianz Partners, der sein Amt zum 1. Januar 2027 antritt.

Auch Günther Thallinger, seit 2017 im Vorstand, scheidet zum Jahresende einvernehmlich aus. Damit verändert sich die Führungsspitze des Konzerns binnen weniger Monate an gleich mehreren Positionen – ein Prozess, der parallel zur laufenden internationalen Expansion abläuft.

Operatives Geschäft liefert Rückhalt

Der Umbau findet vor dem Hintergrund eines Rekord-Halbjahres statt: Das operative Ergebnis war im ersten Halbjahr auf 9,4 Milliarden Euro geklettert, ein Plus von 8,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Damit hat der Konzern bereits 54 Prozent seines Jahresziels von 17,4 Milliarden Euro erreicht, das im August bestätigt wurde. Diese solide operative Basis dürfte dem Management den finanziellen Spielraum geben, um die teurer gewordene AA-Übernahme sowie die weiteren internationalen Zukäufe zu stemmen, ohne die Kapitalausstattung zu gefährden.

Der nächste wichtige Termin für Anleger ist die Quartalsmitteilung zum dritten Quartal am 12. November. Dann dürfte sich zeigen, ob sich der starke operative Trend fortsetzt – und ob die Übernahmegespräche zu AA bis dahin zu einem Abschluss gefunden haben.

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