Allianz Aktie: Autobauer sparen falsch
Allianz Trade sieht Fehlallokationen als Belastung für Europas Autoindustrie; zugleich bieten Elektroautos und digitale Dienste Chancen.

- Investitionen der Autobauer 2026 um rund 20 Prozent gesunken
- Deutsche Hersteller mit niedrigeren Margen
- Europäische E-Autos im Einstiegssegment preislich konkurrenzfähig
- Jefferies hebt Allianz-Kursziel auf 440 Euro
Europas Autoindustrie hat ein Kapitalproblem, und die Allianz-Ökonomen benennen es ungewöhnlich deutlich. Die Branche habe über Jahre an der falschen Stelle investiert, heißt es in einer neuen Studie der Kreditversicherungstochter Allianz Trade. Anlass ist die kommende Woche beginnende Pariser Autoshow.
Hausgemachte Krise
Die Investitionen der europäischen Autohersteller sind 2026 um rund 20 Prozent gesunken. Andere europäische Großkonzerne erhöhten ihre Ausgaben um etwa zehn Prozent. Die Autobauer hätten Kapital zu lange in Verbrennerplattformen, kurzfristige Margenziele und Dividenden gesteckt, so die Studie. Elektrifizierung und Digitalisierung kamen zu spät.
„Die Kapitalallokation der vergangenen zwei Jahrzehnte ist ein Bumerang, der jetzt zurückkommt“, sagt Branchenexperte Guillaume Dejean. Als das Geld schließlich umgelenkt wurde, floss es „mit der Gießkanne“ in zu viele Vorhaben.
Die Folgen zeigen sich bei den deutschen Herstellern. Ihre Wertschöpfung je in Europa verkauftem Fahrzeug liegt 30 bis 45 Prozent unter dem Niveau von 2021/22. Die operativen Margen fielen von rund 13 auf etwa 4 Prozent.
Verlieren die Hersteller bis 2030 in Europa und China jeweils weitere drei Prozentpunkte Marktanteil, wären laut Allianz Trade rund drei Milliarden Euro Wertschöpfung gefährdet.
Lichtblicke für die Branche
Die Studie ist nicht nur düster. Im Segment unter 50.000 Euro bieten europäische Elektroautos ein um 3 bis 5 Prozent besseres Preis-Reichweiten-Verhältnis als chinesische Modelle. Zusätzliches Umsatzpotenzial sehen die Autoren bei Fahrzeugsoftware und digitalen Diensten sowie bei autonomen Lkw. Vor einer „Made in Europe“-Pflicht bei Batterien warnen sie: Sie könnte E-Autos um rund 2.000 Euro verteuern.
Was bei der Allianz selbst zählt
Für den Versicherer sind andere Nachrichten kursrelevanter. Jefferies hob das Kursziel von 420 auf 440 Euro an und beließ die Einstufung bei „Hold“. Analyst Philip Kett verweist darauf, dass die Allianz realisierte Gewinne aus ihrem indischen Gemeinschaftsunternehmen in festverzinsliche Papiere umschichtet. Wegen der Volatilität am Anleihemarkt hielte er Verluste in dieser Anlageklasse auch bei anderen Branchenvertretern für möglich.
Im Industriegeschäft zeigt eine Analyse von Allianz Commercial steigende Schäden bei Betriebsunterbrechungen. Im Schnitt liegen sie bei mehr als 850.000 Euro und damit rund 70 Prozent über dem durchschnittlichen Sachschaden. Das belastet zunächst die Profitabilität, erhöht aber auch den Bedarf an Versicherungsschutz und Prävention.
Der nächste feste Termin steht im November an: Dann legt die Allianz ihre Zahlen zum dritten Quartal vor.
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