Almonty Aktie: 216 Prozent Jahresgewinn, 41 Prozent unter Hoch

Almonty beginnt mit der Wolfram-Produktion in Südkorea, während Chinas Exportbeschränkungen den Markt prägen. Die Aktie zeigt extreme Kursschwankungen.

Die Kernpunkte:
  • Produktionsstart in der Sangdong-Mine
  • China drosselt Wolfram-Exporte drastisch
  • Aktie mit extremer Volatilität belastet
  • Langfristiger Abnahmevertrag deutlich erweitert

Ein Wochenplus von 6,16 Prozent klingt nach guten Nachrichten. Bei Almonty steht diese Zahl aber neben einem Minus von 15,91 Prozent über sieben Tage und fast 24 Prozent über den vergangenen Monat. Diese Achterbahn erzählt mehr als die Geschichte eines einzelnen Wolfram-Förderers: Sie zeigt, wie schwer sich der Markt tut, eine echte geopolitische Verknappung realistisch zu bepreisen, ohne dabei eine Blase aufzupumpen.

Aus einer Lieferketten-Geschichte wird ein Börsenspektakel

An den Fundamentaldaten gibt es wenig zu deuteln. Am 14. Juli 2026 hat Almonty seinen langfristigen Abnahmevertrag mit Global Tungsten & Powders erweitert. Die Laufzeit wächst auf 21 Jahre, das kontrahierte Wolfram-Volumen steigt um 40 Prozent auf 4,41 Millionen MTU. Zu aktuellen Wolframpreisen bedeutet das verbesserte Konditionen einen erwarteten Jahresumsatz von rund 490 Millionen US-Dollar.

Kurz zuvor kam die eigentliche operative Zäsur: Seit dem 1. Juli 2026 verarbeitet Almonty in der Sangdong-Mine in Südkorea tatsächlich Erz. Der Wechsel von der Entwicklungsphase in die echte Produktion von verkaufsfähigem Wolframkonzentrat ist vollzogen. Nach mehr als drei Jahrzehnten Stillstand fördert eine Mine wieder, die einst Südkoreas Exportwirtschaft mitprägte — ausgerechnet in dem Moment, in dem die geopolitische Lage dieses Produkt unersetzlich macht.

Der Auslöser dahinter lässt sich exakt datieren. Am 4. Februar 2025 kündigte China Exportbeschränkungen für fünf kritische Mineralien an: Wolfram, Tellur, Bismut, Indium und Molybdän. Die Ankündigung folgte auf einen zehnprozentigen US-Zoll auf chinesische Importe — eine Reaktion in einem ohnehin angespannten Handelsklima. Die USA sind bei Wolfram besonders verwundbar: Seit 2015 fördern sie den Rohstoff selbst nicht mehr, während China rund 80 Prozent des weltweiten Angebots kontrolliert. Almontys Firmenchef beschrieb die Reaktion der Kunden auf Pekings Entscheidung damals als blanken Schock.

Warum der Chart keine gerade Linie kennt

Diese Politik-Kulisse erklärt allein nicht, warum eine Aktie, die binnen zwölf Monaten um 216 Prozent zugelegt hat, gleichzeitig gut 41 Prozent unter ihrem eigenen 52-Wochen-Hoch von 33,35 CAD notiert — erreicht erst am 17. April 2026. Der Kurs liegt zudem gut 20 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 24,61 CAD, hält sich aber mit einem Aufschlag von 3,68 Prozent noch über dem 200-Tage-Durchschnitt von 18,96 CAD. Das ist kein Chart einer ruhigen Neubewertung. Das sieht eher aus wie ein Markt, der in beide Richtungen systematisch übertreibt.

Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von gut 86 Prozent verrät die eigentliche Geschichte. Diese Aktie handelt nicht auf Basis diskontierter Cashflows. Sie handelt auf Basis von Nachrichtengeschwindigkeit. Jede Vertragsänderung, jeder Produktionsmeilenstein, jede China-Schlagzeile löst überproportionale Ausschläge aus — der RSI von 39,7 deutet darauf hin, dass die jüngste Abwärtsbewegung die Aktie trotz des Freitagssprungs bereits in leicht überverkauftes Terrain gedrückt hat. Vom 52-Wochen-Tief bei 4,36 CAD im Juli 2025 bis zu über 33 CAD und zurück auf unter 20 CAD — dieser Rundlauf innerhalb eines einzigen Jahres ist keine Bewertungskurve. Das ist ein Stimmungsbarometer.

Die Kehrseite des Knappheitshandels

Pekings Griff auf den Wolframmarkt hat sich seit der ersten Beschränkung im Februar 2025 nur verschärft. Aus einfacher Exportlizenzierung ist ein umfassendes Verwaltungsregime geworden: Behörden lassen nur noch eine begrenzte Zahl zugelassener Exportfirmen zu und drosseln parallel die inländischen Förderquoten. Genau diese Verschärfung nährt die westliche Knappheitserzählung, auf der Almonty reitet — und genau deshalb schneidet die Volatilität in beide Richtungen. Dieselbe Knappheitsprämie, die den Kurs seit dem Tief 2025 mehr als verdreifacht hat, kann ebenso schnell verdampfen, sobald Momentum-Trader aussteigen.

Mit einer Marktkapitalisierung von rund 3,48 Milliarden Euro trägt ein Unternehmen, dessen Sangdong-Vertrag bisher nur die Phase-I-Produktion abdeckt, bereits die gesamte Spannung der Rally um kritische Mineralien in sich: echte, staatlich gestützte strukturelle Nachfrage trifft auf eine Bewertung, die schon Jahre fehlerfreier Umsetzung einpreist. Ob der Rückgang vom April-Hoch nur eine gesunde Korrektur ist oder der erste Riss in dieser These, dürfte weniger vom Wolframpreis abhängen als davon, wie geduldig der Markt mit der Hochlaufkurve einer einzelnen Mine bleibt.

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