Almonty Aktie: 772,7 Millionen Dollar lösen 21-Prozent-Crash aus
Almonty Industries erlebt nach einer historischen Wandelanleihe-Emission einen deutlichen Kursverlust, während die Produktion in der Schlüsselmine anläuft.

- 772,7 Mio. Dollar durch Wandelanleihe
- Kurs minus 21 Prozent in sieben Tagen
- Sangdong-Mine startet Phase-1-Produktion
- Aufnahme in Russell-Indizes Ende Juni
Nach einem Kursanstieg von über 350 Prozent in zwölf Monaten trifft Almonty Industries gerade eine klassische Wachstumsfalle. Das Unternehmen hat sich frisches Kapital in einer Größenordnung gesichert, die für einen Wolfram-Produzenten historisch ist — und der Markt quittiert das mit einem Ausverkauf.
Am 9. Juni schloss Almonty eine überzeichnete Wandelanleihe-Emission ab. Nach vollständiger Ausübung der Mehrzuteilungsoption flossen 772,7 Millionen US-Dollar in die Kasse. Die Bilanz ist damit so solide wie nie. Der Kurs? Minus 21 Prozent in sieben Tagen.
Die Logik hinter dem Ausverkauf
Das ist kein Widerspruch, sondern Marktmechanik. Wandelanleihen in dieser Größenordnung signalisieren zwei Dinge gleichzeitig: strategische Ambitionen und potenzielle Verwässerung. Institutionelle Investoren rechnen sofort durch, wie viele neue Aktien entstehen könnten. Retail-Anleger folgen dem Kursdruck. Das Ergebnis ist ein kurzfristiger Abgabedruck, der nichts mit der operativen Substanz zu tun hat.
Und die Substanz ist beachtlich. Almonty betreibt die Sangdong-Mine in Südkorea — eine der wenigen bedeutenden Wolfram-Quellen außerhalb Chinas. Im Juli startet die Phase-1-Produktion in vollem Umfang. Die Datenererfassungsphase schloss im Juni erfolgreich ab. Das Timing der Finanzierung ist kein Zufall: Das Geld kommt genau dann, wenn die Mine hochfährt.
Wolfram ist längst kein Nischenrohstoff mehr. Westliche Regierungen stufen das Metall als kritischen Verteidigungsrohstoff ein. Wer eine nicht-chinesische Quelle kontrolliert, sitzt strategisch am Hebel. Almonty hat diese Position systematisch aufgebaut. Die Marktkapitalisierung liegt inzwischen bei rund 5,1 Milliarden Euro — ein anderes Unternehmen als noch vor einem Jahr.
Technisch am Scheideweg
Bei 21,86 CAD notiert die Aktie aktuell 18 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 26,72 CAD. Der RSI liegt bei 37,9. Das ist nah an überverkauftem Terrain, aber noch kein klassisches Kapitulationssignal — das läge bei einem Wert unter 30.
Wer den langfristigen Trend betrachtet, sieht ein anderes Bild. Der 200-Tage-Durchschnitt liegt bei 16,83 CAD. Vom 52-Wochen-Tief bei 4,67 CAD aus gerechnet, steht die Aktie trotz des jüngsten Einbruchs noch immer rund 370 Prozent im Plus. Die Korrektur vom Allzeithoch bei 33,35 CAD beträgt gut 34 Prozent — schmerzhaft, aber im Kontext der annualisierten Volatilität von über 100 Prozent keine Überraschung.
Reicht das als Boden? Das hängt maßgeblich davon ab, was Ende Juni passiert.
Der Katalysator im Kalender
Am 29. Juni nimmt Almonty in den Russell 1000 und Russell 3000 auf. Index-Aufnahmen erzwingen mechanisches Kaufen durch passive Fonds. Dieser Effekt ist kein Geheimnis — er ist eingepreist, sobald er bekannt wird. Aber er schafft eine Liquiditätsbasis, die dem Kurs in einem volatilen Umfeld fehlt.
Parallel dazu beginnt im Juli die Produktionsrampe in Sangdong. Wenn die Mine liefert, was die Finanzierung verspricht, verschiebt sich die Diskussion von Verwässerungsangst zu operativer Realität. Das wäre der Moment, in dem die Kapitalerhöhung rückblickend als strategisch klug gilt — und nicht als Druckmittel gegen Altaktionäre.
Die nächsten drei Wochen werden zeigen, ob 21 CAD ein Boden war oder nur eine Etappe nach unten. Die Zutaten für eine Neubewertung liegen auf dem Tisch: Index-Zuflüsse, Produktionsstart, solide Bilanz. Was noch fehlt, ist der erste Beweis, dass Sangdong im Betrieb hält, was es im Prospekt verspricht.
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