Almonty Aktie: 9. Juni 2026 besiegelt Wandelanleihe

Almonty sammelt 800 Mio. USD für Wolframmine ein. Das Unternehmen wird gezielt als geopolitisches Werkzeug gegen Chinas Exportdominanz aufgebaut.

Die Kernpunkte:
  • Überzeichnete Wandelanleihe über 800 Mio. USD
  • Sangdong-Mine als zentrale Wolframquelle außerhalb Chinas
  • Umsatzsprung um 221 Prozent im ersten Quartal
  • Firmensitz nach Montana verlegt

Wenn ein Bergbauunternehmen fast 800 Millionen US-Dollar in einer einzigen Anleiheemission einsammelt — überzeichnet — und gleichzeitig seinen Firmensitz näher an das Pentagon rückt, passiert etwas Strukturelles. Almonty reitet nicht einfach auf einem Rohstoffzyklus. Das Unternehmen wird gezielt und teuer zu einem geopolitischen Werkzeug gebaut.

Das Metall, das Peking als Waffe einsetzt

Der Hintergrund ist eindeutig. China kontrolliert rund 80 Prozent der weltweiten Wolframproduktion und drosselte im Februar 2025 die Exporte — mit Verweis auf nationale Sicherheitsinteressen. Die Folgen sind gravierend: Die Exportmengen von Ammoniumparawolframat brachen von 782 Tonnen im Jahr 2024 auf 243 Tonnen in den ersten elf Monaten 2025 ein. Das entspricht einem Rückgang von etwa 70 Prozent. Im Dezember 2025 kündigte Peking an, ab 2026 nur noch 15 Unternehmen Wolframexporte zu erlauben.

Das ist kein vorübergehender Engpass. Seltene Metalle werden von Rohstoffen zu Druckmitteln umklassifiziert. Rüstungskonzerne können bei panzerbrechender Munition nicht einfach auf andere Materialien ausweichen. Luft- und Raumfahrtunternehmen brauchen Wolfram für Turbinenschaufeln. Die Nachfrage ist unelastisch. Das Angebot ist politisiert. Und der Westen hat kaum eine heimische Alternative — die USA produzieren praktisch kein Wolfram im eigenen Land.

Eine Mine für genau diesen Moment

In dieses Vakuum tritt Almonty. Am 17. März 2026 hielt das Unternehmen eine formelle Einweihungsfeier für seine Sangdong-Wolframmine in der südkoreanischen Provinz Gangwon ab. Die Mine lag mehr als drei Jahrzehnte still. Ihre Wiederinbetriebnahme fällt exakt in den Moment, in dem Peking seinen Würgegriff festigt. Das ist keine Koinzidenz — das ist Timing.

Sangdong soll nach voller Inbetriebnahme über 80 Prozent der weltweiten Wolframproduktion außerhalb Chinas liefern. Das ist kein marginaler Beitrag. Es ist eine strukturelle Neuordnung des gesamten nicht-chinesischen Wolframmarkts.

Die Finanzzahlen nach der Einweihung sprechen für sich. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 221 Prozent auf 25,4 Millionen US-Dollar. Der operative Cashflow sprang von minus 4,4 Millionen auf plus 9,7 Millionen US-Dollar. Noch vor einem Jahr war Sangdong ein Vorproduktionsprojekt.

Institutionelles Kapital in Milliardenhöhe

Die Kapitalmärkte haben reagiert. Am 9. Juni 2026 schloss Almonty eine überzeichnete Wandelanleihe über 800 Millionen US-Dollar ab — netto rund 772,7 Millionen US-Dollar. Die Anleihen wurden zu einem Kupon von 2,25 Prozent platziert. Das vollständige Mehrzuteilungsrecht von 100 Millionen US-Dollar wurde ebenfalls ausgeübt.

Die Erlöse fließen in Capped-Call-Transaktionen zur Begrenzung der Verwässerung, in die Refinanzierung bestehender Verbindlichkeiten von rund 50 Millionen US-Dollar sowie in Betriebskapital und mögliche Akquisitionen. Kein Kleingeld — und kein Vertrauensvotum, das man übersehen sollte.

Umbau an der Spitze

Das Management wird auf die neue Unternehmensgröße zugeschnitten. Zum 1. Juni 2026 übernahm Jorge Beristain das Amt des Finanzvorstands. Beristain war zuletzt Vizepräsident für Finanzen bei Ryerson Holding, einem an der NYSE notierten Metalldienstleister mit rund 5 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz. Davor leitete er die Metall- und Bergbau-Aktienanalyse für Amerika bei Deutsche Bank Securities.

Das ist kein gewöhnlicher CFO-Wechsel. Ein Unternehmen, das vom Entwickler zum Produzenten wird, braucht jemanden, der institutionelle Schulden, Kapitalallokation und Investor Relations gleichzeitig managen kann. Beristain bringt genau dieses Profil mit.

Generäle im Aufsichtsrat, Montana als Heimatbasis

Der Schwenk in Richtung Verteidigung geht über Symbolik hinaus. Almonty verlegte seinen Firmensitz von Toronto nach Dillon, Montana. Das Unternehmen schloss eine strategische Partnerschaft mit American Defense International, nahm am vom US-Verteidigungsministerium gesponserten Critical Minerals Forum teil und berief frühere hochrangige US-Armegeneräle in den Vorstand.

Der politische Rahmen passt dazu. Der National Defense Authorization Act verpflichtet die USA, bis Januar 2027 sämtliche Materialbeschaffung aus China, Iran, Nordkorea und Russland zu beenden. Diese Frist ist Almontys Rückenwind — und sein Taktgeber.

Die lange Wette

Was Almonty darstellt, ist selten in der Bergbaubranche: ein Unternehmen, dessen kommerzielle Interessen und geopolitischer Zweck tatsächlich deckungsgleich sind. China produziert derzeit rund 88 Prozent des weltweiten Wolframs. Der Aufbau von Abbau- und Verarbeitungskapazitäten außerhalb Chinas erfordert erhebliche Kapitalinvestitionen und jahrelange Entwicklungszeiten. Selbst bei beschleunigten Investitionsprogrammen können alternative Quellen kurzfristig keine Entlastung von chinesischen Exportbeschränkungen bieten.

Almonty ist keine schnelle Lösung. Es ist eine langfristige Wette auf eine strukturelle Neuausrichtung — eine Wette, die gerade knapp 773 Millionen US-Dollar institutionelle Bestätigung erhalten hat.

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