Almonty Aktie: Produktionsstart trifft Delisting-Sturm
Almonty Industries startet Sangdong-Produktion, doch Aktie fällt wegen geplantem Börsenrückzug von TSX und ASX.

- Sangdong-Mine startet Produktion
- Freiwilliger Rückzug von TSX und ASX
- Aktie fällt um über 13 Prozent
- Fokus auf Nasdaq-Notierung als Rettung
Ausgerechnet am Tag ihres bislang größten operativen Erfolgs bricht die Aktie von Almonty Industries ein. Am 1. Juli 2026 startete die Sangdong-Mine in Südkorea die Produktion. Trotzdem verliert das Papier heute 13,03 Prozent und fällt auf 16,35 CAD. Der Grund liegt nicht im Bergbau, sondern im Börsenplan des Unternehmens.
Almonty zieht sich zum 31. Juli 2026 freiwillig von der Toronto Stock Exchange zurück. Am 1. September 2026 folgt der Rückzug von der australischen Börse ASX. Fonds, die an eine TSX- oder ASX-Notierung gebunden sind, müssen ihre Bestände abstoßen — unabhängig vom fundamentalen Bild. Der Kurs hat seinen 200-Tage-Durchschnitt von 19,21 CAD bereits um 14,87 Prozent unterschritten, ein Bruch, der oft weiteren algorithmischen Verkaufsdruck auslöst.
Die entscheidende Frage
Kann die Nasdaq den kompletten Verkaufsdruck aus Kanada und Australien auffangen, bevor die Barmittel aus Sangdong tatsächlich fließen? Oder verschärft sich der charttechnische Bruch unter dem 200-Tage-Durchschnitt zu einer tieferen Neubewertung? Genau diese Frage entscheidet, ob die aktuelle Schwäche eine vorübergehende Liquiditätsverwerfung bleibt oder in eine längere Talfahrt mündet.
Bullenszenario: Vom Entwickler zum Produzenten
Fundamental steht Almonty so gut da wie nie zuvor. Die Sangdong-Mine verarbeitet aktuell ein Lager von rund 139.700 Tonnen Erz und markiert damit den Start der ersten Ausbaustufe. Das Projekt gilt als eine der wenigen relevanten Wolfram-Quellen außerhalb Chinas — strategisch wichtig für Rüstungsindustrie und Halbleiterfertigung.
Unterstützung kommt auch von der Indexseite. Seit dem 29. Juni 2026 gehört Almonty zu Russell 1000 und Russell 3000, was passive Zuflüsse über die neue Nasdaq-Notierung anziehen könnte. Hinzu kommt eine solide Bilanz: Ende des ersten Quartals 2026 verfügte das Unternehmen über eine Kassenposition von 259,9 Millionen US-Dollar. Die verlängerte Abnahmevereinbarung mit Global Tungsten & Powders sichert zusätzlich langfristige Umsatzsichtbarkeit.
Der RSI liegt derzeit bei 32,4 und signalisiert eine überverkaufte Aktie. Der Kurs notiert 50,97 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 33,35 CAD. Bullische Beobachter lesen daraus: Der aktuelle Einbruch dürfte eher eine technische Überreaktion auf den Börsenwechsel sein als ein fundamentales Problem.
Bärenszenario: Erzwungene Verkäufe und Liquiditätslücke
Das Kernrisiko ist die Liquiditätslücke, die durch den doppelten Rückzug entsteht. Zwar versichert das Management, kanadische und australische Broker könnten den Nasdaq-Handel problemlos abwickeln. In der Praxis führen börsenspezifische Mandate jedoch häufig zu Zwangsverkäufen institutioneller Halter.
Die Zahlen untermauern die Nervosität. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 87,13 Prozent, der Kurs verlor in den vergangenen 30 Tagen 28,63 Prozent. Diese Abwärtsdynamik ist erheblich und spricht gegen eine schnelle Stabilisierung.
Unklar bleibt zudem, ob das Handelsvolumen an der Nasdaq schnell genug wächst, um den Wegfall der TSX- und ASX-Liquidität auszugleichen. Sollte das nicht gelingen, drohen breitere Spreads und weiterer Preisverfall auf kurze Sicht. Zusätzliche Unsicherheit käme aus dem operativen Bereich: Verzögerungen beim Erreichen der vollen Kapazität der ersten Ausbaustufe in Sangdong würden die Stimmung in einem ohnehin fragilen Chartbild zusätzlich belasten.
Ausblick: Die Aufräumphase am Aktienregister
Der kurzfristige Kursverlauf dürfte bis zum 31. Juli 2026 vor allem von der Bereinigung des kanadischen Aktienregisters bestimmt werden. Solange die Verkäufe überwiegend delisting-getrieben bleiben, könnte sich kein stabiler Boden bilden. Stabilisiert sich der Kurs danach über der psychologischen Marke von etwa 15,00 CAD, dürfte der Fokus wieder auf den Produktionshochlauf in Südkorea wandern.
Der nächste konkrete Termin ist der erste Produktionsbericht aus Sangdong nach dem Durchsatzstart im Juli. Parallel lohnt sich ab dem 1. August 2026 ein Blick auf das Handelsvolumen an der Nasdaq unter dem Ticker ALM. Gelingt es dem US-Markt, den ehemaligen kanadischen Streubesitz aufzunehmen, wäre eine Erholung in Richtung des 200-Tage-Durchschnitts von 19,21 CAD denkbar. Setzt sich der Abwärtstrend dagegen fort, bleibt der Abstand zum 52-Wochen-Tief von 4,36 CAD — aktuell noch 275 Prozent — die entscheidende langfristige Unterstützungsmarke.
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