Almonty Aktie: TSX-Delisting zum 31. Juli

Almonty startet Wolframproduktion in Südkorea, während der Aktienkurs nach dem TSX-Delisting stark fällt. Langfristige Abnahmeverträge stärken die Perspektive.

Die Kernpunkte:
  • Sangdong-Mine startet Produktion
  • Abnahmevertrag auf 21 Jahre verlängert
  • Kurssturz nach TSX-Delisting
  • Aufnahme in Russell-Indizes

Selten klafft die Lücke zwischen operativem Erfolg und Kursverlauf so weit auseinander wie bei Almonty Industries gerade. Der Wolfram-Produzent hat den wichtigsten Meilenstein seiner Firmengeschichte erreicht. Der Aktienkurs quittiert das mit einem Absturz von über 50 Prozent seit dem Rekordhoch im April. Für mich ist das ein Lehrbeispiel dafür, wie technische Marktmechanik fundamentale Nachrichten überlagern kann.

Almonty schließt bei 16,25 kanadischen Dollar. Vom Hoch bei 33,35 CAD im April trennen die Aktie damit 51,27 Prozent. Wer nur auf den Chart schaut, sieht eine Aktie im freien Fall. Wer auf das operative Geschäft schaut, sieht das Gegenteil.

Der Sprung vom Explorer zum Produzenten

Im Juli 2026 hat die Verarbeitungsanlage an der Sangdong-Mine in Südkorea den Betrieb aufgenommen. Das klingt technisch, ist aber der entscheidende Schritt: Almonty verkauft jetzt Wolframkonzentrat aus eigener Produktion. Das sogenannte Ausführungsrisiko, das kleine Minenbetreiber jahrelang begleitet und oft zu Fall bringt, ist damit weitgehend vom Tisch.

Hinzu kommt ein handfester Vertragserfolg. Almonty hat die Abnahmevereinbarung mit Global Tungsten & Powders verlängert — auf 21 Jahre, bei gleichzeitig höheren Volumina. Das verschafft dem Unternehmen einen langfristig gesicherten Umsatzstrom und stützt die Marktkapitalisierung von aktuell 2,70 Milliarden Euro. Aus meiner Sicht ist das genau die Art von Vertragslaufzeit, die Investoren sonst bei viel größeren, etablierteren Rohstoffkonzernen suchen.

Warum der Kurs trotzdem einbricht

Die eigentliche Erklärung für die Kursschwäche liegt woanders: im freiwilligen Delisting von der Toronto Stock Exchange, das zum 31. Juli 2026 wirksam wird. Institutionelle Fonds und Indextracker, die per Mandat nur TSX-gelistete Werte halten dürfen, müssen ihre Positionen zwangsweise abbauen. Das erzeugt Verkaufsdruck, der mit dem eigentlichen Geschäft von Almonty nichts zu tun hat.

Die Folge: Die Aktie notiert 15,61 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 19,26 CAD. Der 14-Tage-RSI liegt bei 34,3 — die Aktie nähert sich damit überverkauftem Terrain. Der Kurssprung von 5,73 Prozent am Donnerstag deutet für mich darauf hin, dass sich langsam ein Boden bildet, während die Liquidation aus dem kanadischen Register ausläuft.

Die geopolitische Position bleibt intakt

Strategisch steht Almonty heute eigentlich besser da als im April. Sangdong zählt zu den wenigen bedeutenden Wolframquellen außerhalb chinesischer Kontrolle — ein kritischer Baustein für westliche Verteidigungs- und Hightech-Lieferketten. Die Aufnahme in die Russell-1000- und Russell-3000-Indizes in diesem Sommer bestätigt diesen Status zusätzlich und dürfte an der Nasdaq langfristig für eine stabilere Aktionärsbasis sorgen.

Der Blick über zwölf Monate zeigt, wohin die Reise grundsätzlich geht: Die Aktie liegt trotz aller Turbulenzen 220,51 Prozent im Plus. Der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt von minus 30 Prozent zeigt aber auch, wie viel spekulative Übertreibung aus dem Frühjahr inzwischen ausgepreist ist.

Mein Fazit: Die fundamentale These ist intakt, teilweise sogar gestärkt. Der Weg zurück zu alten Höchstständen führt aber nicht über Indexmechanik, sondern über harte Zahlen aus Südkorea. Almonty muss in den kommenden Quartalen zeigen, dass sich die Produktion von verkaufsfähigem Konzentrat effizient auf die volle Phase-I-Kapazität hochfahren lässt. Bis dahin bleibt die Aktie bei einer annualisierten Volatilität von 88,82 Prozent ein Papier für Anleger mit starken Nerven.

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