Almonty Aktie: Wolfram-Notstand trifft Russell-Aufnahme

Almonty Industries wird in Russell-Indizes aufgenommen, während eine globale Wolfram-Versorgungskrise die Nachfrage antreibt.

Die Kernpunkte:
  • Indexaufnahme ab 29. Juni
  • Wolfram-Notstand treibt Nachfrage
  • Sangdong-Mine steigert Produktion
  • Wandelanleihe bringt 800 Millionen Dollar

Sieben Tage trennen Almonty Industries von einem strukturellen Wendepunkt. Ab dem 29. Juni 2026 wird das Unternehmen in den Russell 1000 und Russell 3000 aufgenommen — und landet damit mitten in einer globalen Wolfram-Versorgungskrise.

Pflichtankäufe ab dem 29. Juni

Die Mechanik der Indexaufnahme ist klar. Ab dem 29. Juni müssen alle Fonds und ETFs, die den Russell 1000 oder Russell 3000 abbilden, Almonty-Aktien halten. FTSE Russell hatte das Unternehmen bereits am 22. Mai auf der vorläufigen Aufnahmeliste veröffentlicht — Grundlage war die Marktkapitalisierung per 30. April 2026.

Historisch steigt das Handelsvolumen bei neu aufgenommenen Titeln in den Wochen vor dem Stichtag deutlich an. Fondsmanager positionieren sich früh. Der nachhaltigere Effekt folgt danach: breitere Analystenabdeckung, mehr institutionelle Eigentümer, bessere Liquidität.

Das Management sieht die Indexaufnahme als Folge operativer und finanzieller Fortschritte. Hinzu kommt die Verlegung des Firmensitzes in die USA — beides stärkt die Sichtbarkeit bei institutionellen Investoren.

Wolfram-Notstand als Rückenwind

Das Timing ist bemerkenswert. Zwei führende japanische Chemieunternehmen — Showa Denko Kanto und Central Glass — haben Samsung, SK Hynix und DB HiTek gewarnt: Die Bestände an Wolframhexafluorid, einem unverzichtbaren Gas für die Produktion von 3- bis 7-Nanometer-Chips, könnten bis Juli 2026 kritisch niedrig werden. Ohne Nachschub droht der Produktionsstopp.

Peking hatte Ende 2025 die Wolfram-Exporte als Reaktion auf US-Zölle gedrosselt. Seit Januar 2026 dürfen nur noch 15 autorisierte Unternehmen das Metall ins Ausland liefern. Der chinesische Staat kontrolliert damit Menge, Zeitpunkt und Empfänger vollständig.

Ab Januar 2027 darf das US-Verteidigungsministerium kein chinesisches Wolfram mehr kaufen. Die USA selbst haben das Metall seit 2015 nicht mehr kommerziell abgebaut.

Sangdong und Montana: zwei Produktionsstandorte

Almontys Flaggschiff ist die Sangdong-Mine in Südkorea. Nach mehr als drei Jahrzehnten Stillstand nahm sie im Dezember 2025 den Betrieb wieder auf. Im März 2026 wurde die Aufbereitungsanlage offiziell in Betrieb genommen.

Sangdong zählt zu den reichsten bekannten Wolfram-Lagerstätten weltweit. Der durchschnittliche Erzgehalt liegt bei rund 0,51 Prozent Wolframtrioxid — etwa dreimal so hoch wie der globale Durchschnitt. Phase 1 verarbeitet 640.000 Tonnen Erz pro Jahr. Phase 2, geplant für 2027, verdoppelt die Kapazität auf 1,2 Millionen Tonnen und bringt die Konzentratproduktion auf rund 4.600 Tonnen jährlich. Bei Vollauslastung könnte Sangdong rund 40 Prozent des weltweiten Wolframbedarfs außerhalb Chinas decken.

In Montana besitzt Almonty das Gentung-Projekt. Dort könnte die Produktion noch in der zweiten Hälfte 2026 beginnen.

800-Millionen-Dollar-Anleihe als Fundament

Anfang Juni platzierte Almonty Wandelanleihen im Volumen von 800 Millionen US-Dollar. Die Bonds tragen einen Kupon von 2,25 Prozent und laufen bis 2031. Zeichner nutzten ihre Mehrzuteilungsoption vollständig aus und stockten die ursprüngliche Tranche von 700 Millionen Dollar um 100 Millionen auf. Nach Kosten verblieben netto rund 772,7 Millionen Dollar.

Rund 543 Millionen Dollar fließen in Betriebskapital und allgemeine Unternehmenszwecke — einschließlich möglicher Akquisitionen. Der Rest stützt den Ausbau von Sangdong.

Die Quartalszahlen für Q1 2026 zeigen, dass die operative Wende bereits läuft. Der Umsatz verdreifachte sich auf 25,4 Millionen kanadische Dollar. Der operative Cashflow drehte von minus 4,4 Millionen auf plus 9,7 Millionen. Das bereinigte EBITDA wechselte von einem Verlust von 2,4 Millionen zu einem Gewinn von 6,1 Millionen. Der Nettoverlust schrumpfte von 34,6 Millionen auf 5,3 Millionen kanadische Dollar.

Molybdän als zweite Option

Parallel läuft eine Bohrkampagne auf dem Molybdän-Vorkommen direkt neben der Sangdong-Mine. Von 26 geplanten Bohrlöchern mit insgesamt rund 12.000 Metern sind bereits etwa 37 Prozent abgeschlossen. Die bisherigen Analysedaten bestätigen Molybdän-Gehalte, die mit historischen Bohrungen übereinstimmen.

Mit SeAH, einem der größten südkoreanischen Industriekonzerne, besteht bereits ein Abnahmevertrag. Das reduziert das kommerzielle Risiko in der Entwicklungsphase erheblich.

Aktie 120 Prozent im Plus — noch 20 Prozent vom Hoch entfernt

Die Almonty-Aktie schloss am vergangenen Freitag bei 26,54 kanadischen Dollar. Das entspricht einem Kursanstieg von mehr als 120 Prozent seit Jahresbeginn und einem Zwölf-Monats-Plus von rund 458 Prozent. Vom Allzeithoch bei 33,35 kanadischen Dollar, erreicht Mitte April, fehlen noch rund 20 Prozent.

Ob die Pflichtankäufe der Indexfonds ab dem 29. Juni diese Lücke schließen können, hängt auch davon ab, wie viel institutionelles Kapital sich in den verbleibenden Handelstagen vor dem Stichtag noch positioniert.

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