Almonty Aktie: Wolfram-Rally trifft auf institutionelles Vertrauen – wie tragfähig ist die Bewertung?

Jefferies startet Almonty mit Kaufempfehlung, während Ohio investiert. Die Bewertung hängt nun an Wolframknappheit und neuen Verträgen.

Die Kernpunkte:
  • Jefferies vergibt Kaufempfehlung
  • Ohio erwirbt 109.121 Almonty-Aktien
  • Wolframknappheit prägt die Bewertung
  • Hohe Volatilität bleibt bestehen

Ausgangslage

Almonty Industries steht an einem Punkt, an dem sich mehrere Entwicklungslinien überlagern. Vor rund einem Monat hatte der erweiterte Abnahmevertrag für die Sangdong-Mine die Aktie beflügelt, seither ist das Papier um 23,9 Prozent gestiegen. Das Aktienrückkaufprogramm vor rund zwei Wochen brachte weitere 3,1 Prozent.

Beide Themen sind als Kurstreiber inzwischen verarbeitet – die eigentliche Frage für Anleger lautet jetzt, ob die jüngste institutionelle und analytische Unterstützung eine neue, tragfähige Basis für die Bewertung liefert oder ob die Rally an Substanz vorbeiläuft.

Am 2. September nahm die Investmentbank Jefferies die Coverage von Almonty mit einem Kaufrating und einem Kursziel von 26,25 US-Dollar auf. Medienberichten zufolge wurde die Einstufung im Kontext der Rolle Almontys beim Aufbau westlicher Wolfram-Lieferketten gesehen.

Nur wenige Tage später, am 7. September, meldete das Pensionssystem der öffentlichen Angestellten von Ohio in einer Quartalsmeldung eine neue Position: 109.121 Aktien für umgerechnet rund 1,81 Millionen US-Dollar. Zwei voneinander unabhängige Signale – ein Analystenhaus und ein institutioneller Investor – deuten in dieselbe Richtung.

Die entscheidende Frage

Der zentrale Faktor, an dem sich die weitere Kursentwicklung entscheidet, ist die Frage, ob die aktuelle Wolfram-Knappheit ein struktureller, mehrjähriger Trend ist oder ein temporäres Sentiment-Phänomen.

Medienberichten zufolge trat Anfang September ein US-Exportstopp für Wolframschrott in Kraft, der als Rückenwind für westliche Produzenten wie Almonty diskutiert wird. Genau diese Erzählung – Almonty als Nutznießer einer sich neu ordnenden, von China unabhängigen Lieferkette – trägt aktuell einen erheblichen Teil der Bewertung.

Bestätigt sich dieser Strukturwandel in harten Zahlen, etwa in Abnahmeverträgen und Preisen, rechtfertigt das ein anhaltend hohes Bewertungsniveau. Erweist sich die Knappheit als kurzfristig, dürfte die Luft aus der Rally weitgehend entweichen.

Bullisches Szenario

Setzt sich die These der Lieferkettenverschiebung durch, hat Almonty mehrere Ankerpunkte auf seiner Seite. Das Kursziel von Jefferies liegt deutlich über dem aktuellen Kursniveau, und die Personalunion aus frischem Analystenurteil und einem neuen institutionellen Käufer signalisiert, dass professionelle Investoren die Story mittragen.

Auch der Rückzug von der ASX zum 1. September – Nasdaq- und Frankfurt-Notierung bleiben unberührt – dürfte operativ neutral bleiben, während sich die Handelsliquidität auf die verbleibenden Plätze konzentriert.

In diesem Szenario bliebe der jüngste Kursrücksetzer von rund 22 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch eher eine Verschnaufpause als eine Trendwende, und neue Nachfragesignale aus der Industrie könnten weitere institutionelle Käufer anziehen.

Bärisches Szenario und Risiken

Die Kehrseite ist eine Bewertung, die inzwischen weit von ihrer Ausgangsbasis entfernt ist. Die Aktie hat sich binnen zwölf Monaten mehr als verdreifacht, allein in den vergangenen 30 Tagen um 36 Prozent zugelegt.

Ein Teil der zuletzt genannten Kursziele – etwa der Konsensdurchschnitt von rund 27 US-Dollar aus fünf Analystenhäusern, der am 1. September kursierte – basiert auf einer Datenlage, die keine frische Einzelaktion war, sondern aggregierte Einschätzungen wiedergibt.

Sollte sich zeigen, dass der US-Exportstopp für Wolframschrott weniger tiefgreifend wirkt als angenommen, oder verlangsamt sich das Tempo neuer Abnahmeverträge, könnte die Story ins Wanken geraten. Zudem bleibt die Volatilität mit 76 Prozent auf 30-Tage-Basis hoch – ein Warnsignal dafür, dass Kursbewegungen in beide Richtungen heftig ausfallen können, sollte sich die Erzählung ändern.

Ausblick

Solange institutionelle Zuflüsse wie jener aus Ohio anhalten und sich die Erzählung einer strukturellen westlichen Wolfram-Lieferkette in weiteren Vertragsabschlüssen niederschlägt, dürfte die Bewertung von Almonty ihre Unterstützung finden – auch wenn der aktuelle Kurs von 16,16 Euro bereits 21 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt liegt und damit eine gewisse Überhitzung signalisiert.

Kippt dagegen die These vom Lieferketten-Rückenwind, etwa weil sich der Exportstopp als weniger wirksam erweist oder neue Analystenaktionen ausbleiben, dürfte der jüngste Rücksetzer von rund 22 Prozent unter dem Jahreshoch erst der Anfang einer tieferen Korrektur sein.

Der nächste konkrete Prüfstein für Anleger wird sein, ob weitere institutionelle Investoren dem Beispiel Ohios folgen und ob zusätzliche Analystenhäuser mit eigenen, aktuellen Einschätzungen nachziehen.

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