Almonty Industries Aktie: Ausverkauf trotz Milliarden-Deal

Almonty Industries verliert an der Börse, obwohl ein 21-Jahres-Liefervertrag für die Wolfram-Mine Sangdong ein jährliches Umsatzpotenzial von 490 Millionen Dollar sichert.

Die Kernpunkte:
  • Aktie fällt trotz Rekord-Liefervertrag
  • Wolfram-Mine Sangdong im Fokus
  • Langfristiger Deal bis in die 2040er
  • Börsenwert unter 50-Tage-Durchschnitt

Ein Liefervertrag über 21 Jahre. Ein Umsatzpotenzial von rund 490 Millionen US-Dollar pro Jahr. Und trotzdem rutscht die Aktie weiter ab. Bei Almonty Industries klafft die Lücke zwischen operativem Fortschritt und Kursverlauf derzeit so weit auseinander wie selten zuvor.

Die Aktie schloss am Donnerstag bei 18,51 kanadischen Dollar. Das liegt 44,50 Prozent unter dem Jahreshoch vom April und markiert einen Rückgang von 28,31 Prozent binnen 30 Tagen. Auf Zwölfmonatssicht steht dennoch ein Plus von 197,59 Prozent zu Buche.

Vertrag wächst, Kurs schrumpft

Der Auslöser für die jüngste Aufmerksamkeit liegt nicht im Kursverlauf, sondern in der Wolfram-Mine Sangdong in Südkorea. Am 14. Juli erweiterte Almonty seinen langfristigen Abnahmevertrag mit Global Tungsten & Powders. Die Laufzeit steigt von 15 auf 21 Jahre, das kontrahierte Volumen wächst um 40 Prozent auf 4,41 Millionen MTU.

Der Vertrag deckt nun rund 90 Prozent der geplanten Konzentrat-Produktion aus Phase I der Mine ab. Firmenchef Lewis Black nennt die Konditionen ein Zeichen dafür, „was Sangdongs konfliktfreies Wolfram im heutigen Markt wert ist“. Die Erweiterung reicht dem Unternehmen zufolge bis in die späten 2040er-Jahre.

Vorausgegangen war im Juni der Übergang von der Bauphase in den kommerziellen Betrieb. Almonty begann, gelagertes Rohmaterial durch die neu in Betrieb genommene Aufbereitungsanlage zu verarbeiten. Genau dieser operative Meilenstein trifft nun auf eine Aktie, die 25,37 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt notiert.

Die entscheidende Frage

Im Kern geht es um eine Frage: Schafft Sangdong den Sprung von der Ankündigung zur tatsächlichen Lieferung? Der neue Vertrag steht auf dem Papier. Ob die Mine die vereinbarten Mengen auch in der Praxis liefert, muss sich erst noch zeigen.

Ein zweiter Faktor betrifft die Bilanz. Almonty hat kürzlich eine Wandelanleihe platziert, um die Skalierung der Mine zu finanzieren. Wie sich diese Fremdkapitalstruktur auf den Wert je Aktie auswirkt, hängt davon ab, wie das Unternehmen Verwässerungsrisiken managt.

Bull-Szenario

Für Optimisten liefert der neue Vertrag eine Visibilität, die bei einem Junior-Produzenten ungewöhnlich ist. Die Lieferungen sind für Jahrzehnte fixiert, die Preisbasis wurde in einer Phase historisch hoher Wolframpreise verhandelt. China hatte zuvor mehrere Exportbeschränkungen verhängt, was die Preise zusätzlich stützte.

Bleibt der Erzgehalt stabil und hält sich der APT-Preis auf aktuellem Niveau, liefert das kontrahierte Umsatzgerüst laut Bullen eine Untergrenze für die Bewertung. Der Abstand von 324,54 Prozent zum Jahrestief von 4,36 Dollar zeigt, wie stark die Aktie in den vergangenen zwölf Monaten bereits neu bewertet wurde. Ein RSI von 35,0 deutet zudem an, dass der kurzfristige Verkaufsdruck an Kraft verlieren könnte.

Bär-Szenario und Risiken

Der Vertrag selbst enthält Vorbehalte. Almonty benennt künftige APT-Preise, die tatsächliche Lieferung der vereinbarten Mengen und die geplante Phase-II-Erweiterung als offene Variablen. Das ist keine Formalität, sondern zeigt: Der Ramp-up steckt noch in der Anfangsphase.

Konkret verarbeitet die Anlage aktuell noch Material mit niedrigerem Erzgehalt. Höhere Gehalte werden erst für spätere Produktionsstufen erwartet. Ob Sangdong die im Vertrag hinterlegten Volumen und Qualitäten liefern kann, bleibt damit vorerst offen.

Hinzu kommt die Kapitalstruktur. Marktbeobachter verweisen darauf, dass Almonty zum 31. März zwar über solide Liquidität verfügte, die neue Wandelanleihe aber untypische Hebelwirkungen mit sich bringt. Wer die Aktie bewertet, sollte Nettoverschuldung und Zinsdeckung nach der Transaktion im Blick behalten. Eine Analyse verweist zudem auf anhaltend schwache Profitabilität und Cash-Verbrauch trotz verbessertem Umsatzwachstum. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von über 100 Prozent zeigt: Der Markt hat noch keine klare Meinung, wie er Ausführungsrisiko gegen vertragliche Visibilität gewichten soll.

Ausblick

Läuft der Ramp-up bei Sangdong ohne größere Störungen weiter und bleibt der APT-Preis erhöht, spricht das neue 490-Millionen-Dollar-Vertragsgerüst eher für eine Bewertungskorrektur als für einen Bruch der Investmentthese. Der aktuelle RSI-Wert nahe 35 stützt dieses Bild.

Sollten sich Verzögerungen beim Ramp-up zeigen, die Erzgehalte enttäuschen oder Verwässerungssorgen rund um die Wandelanleihe zunehmen, könnte der Kurs seinen Bruch unter den 50-Tage-Durchschnitt weiter ausbauen — in Richtung des 200-Tage-Durchschnitts von 18,92 kanadischen Dollar, der nur knapp unter dem Donnerstagsschluss liegt. Als nächste konkrete Katalysatoren gelten operative Updates zu Durchsatz und Erzgehalt bei Sangdong sowie Angaben zur Mittelverwendung und den Bilanzeffekten der Wandelanleihe. Auch die kommenden Produktions- und Versandzahlen werden zeigen, ob aus vertraglich fixierten Mengen tatsächlich verkaufbarer Output wird.

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