Almonty Industries Aktie: Gentung entscheidet alles
Almonty Industries profitiert von hohen Wolframpreisen, doch der Aktienkurs bleibt verhalten. Die entscheidende Frage ist die rechtzeitige Genehmigung der Mine Gentung in Montana.

- Umsatzsprung um 221 Prozent im ersten Quartal
- Gentung-Projekt in Montana entscheidend für Kurspotenzial
- China-Exportstopp treibt Wolframpreis auf Rekordniveau
- Gerichtstermin am 30. Juni gibt regulatorischen Ausblick
Tungsten kostet heute rund das Zehnfache seines Tiefstands von 2025. China hat die Exporte faktisch gestoppt. Und das Weiße Haus ruft Rüstungskonzerne zusammen, um leere Raketenmagazine aufzufüllen. Für Almonty Industries treffen gerade alle Faktoren auf einmal zusammen — und trotzdem schloss die Aktie am Mittwoch im Minus.
Ausgangslage: Weißes Haus, Panasqueira und die Montana-Wette
Präsident Trump bestellte Lockheed Martin, RTX und weitere Rüstungskonzerne ins Weiße Haus. Das Ziel: eine massive Hochfahrung der Produktion von Patriot- und Tomahawk-Raketen nach dem Iran-Konflikt. Beide Systeme brauchen Wolfram — für panzerbrechende Munition und Gefechtsköpfe. Einen westlichen Alternativlieferanten gibt es kaum.
Almonty liefert bereits. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 221 Prozent auf 25,4 Millionen Dollar. Treiber war die Panasqueira-Mine in Portugal. Das Sangdong-Projekt in Südkorea wurde am 17. März 2026 offiziell in Betrieb genommen, trug aber noch nicht nennenswert zu den Quartalszahlen bei.
Der nächste Schritt ist Gentung in Montana. Almonty kaufte das Projekt im Oktober 2025 für 9,75 Millionen Dollar. Das Ziel: Produktion in der zweiten Jahreshälfte 2026. Das Problem: Gentung steckt noch in der Planungs- und Genehmigungsphase.
Die entscheidende Frage: Schafft Gentung die Genehmigung rechtzeitig?
Gentung hätte eine strategische Sonderstellung. Mit einer bestätigten Ressource von 7,53 Millionen Tonnen wäre Almonty der einzige aktive Wolfram-Minenbetreiber auf US-amerikanischem Boden. Das Jahresziel liegt bei 140.000 MTU. Ob dieses Ziel erreichbar ist, hängt vollständig davon ab, ob die Behörden in Montana schnell genug mitspielen.
Bullisches Szenario: Preisdruck und politischer Rückenwind
China kontrolliert rund 80 Prozent des globalen Wolfram-Angebots. Seit Februar 2025 gelten strengere Exportkontrollen. Die Folge: Chinas Lieferungen von Wolframpulver und Wolframkarbid nach Japan fielen zwischen Februar und April 2026 auf null.
Der Preis für Ammoniumparawolframat (APT) liegt aktuell bei 3.000 bis 3.200 Dollar je MTU. Das entspricht einem Anstieg von rund 900 Prozent gegenüber den Tiefstständen von 2025. Bei diesen Preisen und einem strukturellen Angebotsdefizit sind Almonty-Minen außerhalb Chinas nicht nur profitabel — sie sind geopolitisch unverzichtbar.
Genau das könnte Gentung helfen. Der politische Druck aus Washington, die heimische Rüstungsproduktion abzusichern, könnte den Genehmigungsprozess in Montana beschleunigen. Ein aktiver Wolframabbau auf US-Boden existiert derzeit nicht. Almonty könnte diese Lücke schließen — wenn die Behörden mitziehen.
Bärisches Szenario: Genehmigungsrisiko und offene Finanzierung
US-amerikanische Bergbauprojekte haben eine lange Geschichte regulatorischer Verzögerungen. Das Risiko ist konkret und aktuell: Im Juni 2026 erließ ein Gericht eine einstweilige Verfügung gegen die benachbarte Calvert Tungsten Mine in Montana. Grund waren angebliche Mängel bei der öffentlichen Bekanntmachung. Sollte Gentung auf ähnliche rechtliche Hürden stoßen, verschiebt sich der Zeitplan um Jahre.
Hinzu kommt ein zweites Risiko. Das Weiße Haus treibt die Rüstungsrüstung voran, aber die Finanzierung steht noch nicht fest. Im Kongress laufen Debatten über die Staatsverschuldung. Verzögern sich die Beschaffungsmittel oder fallen sie geringer aus als erwartet, könnte die erhoffte Nachfragewelle ausbleiben. Der APT-Preis ist volatil — ein Rücksetzer würde die Bewertung der gesamten Wolfram-Story unter Druck setzen.
Ausblick: Zwei Szenarien für das zweite Halbjahr 2026
Solange der APT-Preis nahe 3.000 Dollar je MTU bleibt und China seine Exportbeschränkungen aufrechthält, sind die Fundamentaldaten für Panasqueira und das anlaufende Sangdong-Geschäft stark. Eine deutliche Neubewertung der Aktie hängt jedoch an Gentung.
Erhält Almonty in den kommenden Monaten die finalen Genehmigungen, wird der Weg zur Produktion in H2 2026 realistisch — und das Unternehmen zum direkten Profiteur des US-Rüstungshochlaufs. Scheitert der Zeitplan an rechtlichen oder regulatorischen Hindernissen, wird Gentung zum Langfristprojekt. Dann bleibt Almonty ein starker Wolfram-Produzent mit Wachstumspotenzial — aber ohne den Katalysator, der eine echte Kursfantasie auslöst.
Der nächste konkrete Anhaltspunkt kommt bereits am 30. Juni 2026: An diesem Tag findet die Anhörung zur einstweiligen Verfügung gegen die Calvert Mine statt. Das Urteil wird zeigen, wie das regulatorische Klima in Montana für Wolfram-Projekte aktuell wirklich ist.
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