Almonty Industries Aktie: Russell-Aufnahme trifft auf Kursrückgang
Almonty Industries steht vor der Russell-1000-Aufnahme, während die Aktie fällt. Analysten bewerten bullische und bärische Szenarien für die Wolfram-Aktie.

- Russell-Aufnahme am 29. Juni
- Aktie fällt trotz Index-Katalysator
- Wandelanleihe über 800 Mio. Dollar
- Geopolitische Wolfram-Chance in Montana
Vier Handelstage bis zur Aufnahme in den Russell 1000® — und die Aktie fällt. Almonty Industries notiert bei 23,36 CAD, hat in den vergangenen 30 Tagen knapp 15 Prozent verloren und liegt fast 30 Prozent unter dem April-Hoch von 33,35 CAD. Der RSI von 42 zeigt technische Schwäche, aber noch kein klares Umkehrsignal. Anleger stehen vor einer ungewöhnlichen Konstellation: Ein strukturell bedeutsamer Katalysator trifft auf anhaltenden Verkaufsdruck.
Die entscheidende Frage: Reicht der passive Kaufdruck?
Ab dem 29. Juni müssen Index-Fonds und ETFs, die am Russell 1000® und Russell 3000® ausgerichtet sind, Almonty-Positionen halten. Das erzeugt nicht-diskretionären Kaufbedarf — unabhängig davon, was einzelne Fondsmanager von der Aktie halten.
Reicht diese mechanische Nachfrage aus, um den aktuellen Verkaufsdruck zu absorbieren? Das ist die Kernfrage der nächsten Wochen. Frühe Investoren und Insider sitzen auf erheblichen Gewinnen — die Aktie hat in zwölf Monaten rund 328 Prozent zugelegt. Die Versuchung, die erhöhte Liquidität rund um die Indexaufnahme als Ausstieg zu nutzen, ist real.
Das bullische Szenario: Drei sich verstärkende Kräfte
Der Bull-Case baut auf drei Faktoren, die sich gegenseitig verstärken könnten.
Erstens die Indexaufnahme selbst. Der unmittelbare Effekt ist die Pflichtallokation. Der langfristige Effekt ist subtiler: breitere Analystencoverage, wachsende institutionelle Eigentümerschaft, bessere Liquidität. Das Management betont, der Schritt — verbunden mit der Verlegung des Hauptsitzes in die USA — erhöhe die Sichtbarkeit bei institutionellen Investoren erheblich.
Zweitens die Finanzierungsbasis. Am 9. Juni schloss Almonty eine deutlich überzeichnete Wandelanleihe über 800 Millionen US-Dollar ab, mit einem Kupon von 2,25 Prozent und Laufzeit bis 2031. Der Nettoerlös beläuft sich auf rund 772,7 Millionen US-Dollar. Etwa 83 Millionen US-Dollar fließen in sogenannte Capped-Call-Transaktionen, die eine Verwässerung bei Wandlung begrenzen sollen. Das Geld ist für die Sangdong-Phase-2-Erweiterung vorgesehen, die 2027 starten und jährlich rund 4.600 Tonnen Konzentrat produzieren soll.
Drittens ein geopolitischer Zeitdruck. Ab Januar 2027 darf das US-Militär kein chinesisches Wolfram mehr kaufen — für eine breite Palette von Anwendungen. Almonty positioniert sein Gentung-Projekt in Montana als heimische Alternative. Binding-Offtake-Vereinbarungen für Wolframoxid für US-Verteidigungsanwendungen sind bereits unterzeichnet. Hinzu kommt: Im ersten Quartal 2026 wuchs der Umsatz um 221 Prozent gegenüber dem Vorjahr — getragen von der Sangdong-Mine und der Panasqueira-Mine in Portugal sowie Rekordpreisen für Wolfram.
Das bärische Szenario: Verluste trotz Wachstum
Der Bear-Case ist keine Panikmache. Er gründet auf konkreten Zahlen.
Almonty schreibt Verluste. Der Nettoverlust für das Gesamtjahr 2025 lag bei 161,9 Millionen CAD — eine Ausweitung um 145,6 Millionen CAD gegenüber 2024. Umsatzwachstum und Profitabilität klaffen weit auseinander.
Das Insiderverhalten gibt zusätzlich zu denken. Ein Insider verkaufte rund 20.000 Aktien zu etwa 21,73 CAD — das entsprach 37 Prozent seiner direkten Beteiligung. In den vergangenen drei Monaten gab es einen noch größeren Insiderverkauf im Wert von 1,7 Millionen CAD.
Die Bewertung lässt wenig Spielraum. Der 50-Tage-Durchschnitt bei 26,94 CAD und der 100-Tage-Durchschnitt bei 25,00 CAD wirken nun als Widerstand, nicht als Unterstützung. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis liegt deutlich über dem Branchendurchschnitt. Die Wandelanleihe begrenzt zwar die Verwässerung durch die Capped Calls — schließt sie aber nicht aus. Bei einer Wandlung oberhalb des Cap-Preises entstehen neue Aktien.
Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 91,86 Prozent unterstreicht das Risiko eines klassischen „Buy-the-Rumour, Sell-the-Fact“-Musters. Die Aktie ist bereits vor dem Ereignis gefallen — das ist ungewöhnlich, aber kein Einzelfall bei Indexaufnahmen.
Ausblick: Der 29. Juni ist der Test, Montana der nächste Katalysator
Für den mittelfristigen Horizont spricht mehr für das bullische Szenario — sofern die Wolframpreise hoch bleiben und der Sangdong-Hochlauf ohne größere Störungen verläuft. Der 29. Juni ist der unmittelbare Prüfstein.
Hält die Aktie nach der Indexaufnahme über dem 200-Tage-Durchschnitt bei 17,96 CAD und kämpft sich zurück über den 100-Tage-Durchschnitt bei 25,00 CAD, wäre das ein Signal für eine erneute Annäherung an das April-Hoch. Bricht der Kurs hingegen nachhaltig unter 23 CAD, ohne dass der Indexkaufbedarf gegensteuert, gerät das nächste strukturelle Unterstützungsniveau in den Blick.
Der längerfristige Katalysator liegt in Montana. Almonty strebt an, das Gentung-Browns-Lake-Projekt noch in der zweiten Jahreshälfte 2026 produktionsbereit zu machen — mit einem Potenzial von 140.000 MTUs. Eine offizielle Produktionsankündigung dort, kombiniert mit dem US-Beschaffungsverbot für chinesisches Wolfram ab Januar 2027, könnte die nächste Neubewertung auslösen. Bis dahin liegt die Beweislast bei den Bullen: Der Sangdong-Hochlauf muss sich in positivem freiem Cashflow niederschlagen — nicht nur in Umsatzwachstum.
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