Almonty Industries: Wolfram-Wette zwischen Produktionsstart und Delisting

Trotz Produktionsbeginn im Sangdong-Werk verliert Almonty an Wert. Die Aktie kämpft um die 200-Tage-Linie, während Delistings für zusätzlichen Druck sorgen.

Die Kernpunkte:
  • Kursverlust seit Produktionsstart
  • Rückzug von zwei Börsenplätzen
  • 200-Tage-Linie als wichtige Marke
  • Langfristiger Abnahmevertrag gesichert

Ausgerechnet in dem Moment, in dem die erste Wolframsäure aus dem Sangdong-Werk fließt, bricht der Kurs von Almonty Industries ein. Seit dem offiziellen Produktionsstart am 1. Juli 2026 hat die Aktie fast ein Fünftel ihres Werts verloren. Für ein Unternehmen, das gerade den Sprung von der Bauphase in den operativen Betrieb schafft, ist das eine bemerkenswerte Diskrepanz zwischen industrieller Realität und Börsenreaktion.

Ausgangslage: Produktionsstart trifft auf Börsenumbau

Almonty fährt die Anlage in Südkorea derzeit mit einem Vorrat von rund 139.700 Tonnen Rohgestein an. Der Wolframoxid-Gehalt dieses Materials liegt bei niedrigen 0,25 Prozent. Das Unternehmen nutzt diese Übergangsphase bewusst, um den Prozess zu stabilisieren, bevor höherwertige Untertage-Reserven folgen.

Parallel zur industriellen Anlaufphase vollzieht Almonty einen Rückzug von zwei Börsenplätzen. Zum 31. Juli 2026 endet das Listing an der Toronto Stock Exchange, Anfang September folgt der Rückzug von der australischen ASX. Die Liquidität soll sich künftig auf Nasdaq und Frankfurt konzentrieren – kurzfristig sorgt der Umbau aber für Verkaufsdruck und technische Konsolidierung.

Die entscheidende Frage: Hält die Marke von 19,19 CAD?

Der Kurs schloss am Montag bei 18,80 kanadischen Dollar und damit knapp zwei Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 19,19 CAD. Diese Linie markiert derzeit die Trennlinie zwischen fortgesetzter Schwäche und möglicher Stabilisierung.

Die zentrale Frage für Anleger: Reicht der reale Produktionsstart als Signal, um die Marke zurückzuerobern? Oder hält der „Sell-the-News“-Effekt an, bis tatsächlich hochgradiges Erz verarbeitet wird? Die Antwort dürfte sich erst zeigen, wenn das Werk von der Inbetriebnahme in einen stabilen kommerziellen Durchsatz übergeht.

Bull-Szenario: Geopolitik als Rückenwind

Der Optimismus für Almonty speist sich aus einer strukturellen Verknappung bei Wolfram und der Rolle des Unternehmens als einer der wenigen westlichen Anbieter. China kontrolliert rund 80 Prozent der globalen Produktion. Ab 2027 verbieten die USA den Import von chinesischem Wolfram für Verteidigungszwecke – und genau hier soll Sangdong einspringen.

Bei voller Kapazität könnte die Mine rund 40 Prozent der Nachfrage außerhalb Chinas decken. Das macht sie zu einem strategischen Aktivposten für westliche Lieferketten.

Hinzu kommt Planungssicherheit auf der Vertriebsseite: Almonty hat die Abnahmevereinbarung mit der Plansee Group beziehungsweise Global Tungsten & Powders kürzlich auf 21 Jahre verlängert. Der Vertrag deckt 90 Prozent der Phase-I-Produktion ab. Für 2027 plant das Unternehmen zudem eine zweite Ausbaustufe, die die jährliche Verarbeitungskapazität auf 1,2 Millionen Tonnen Erz verdoppeln würde. Erreicht Almonty die Produktionsziele für 2026, ließe sich die aktuelle Marktkapitalisierung von 3,32 Milliarden Euro als Basis für eine langfristige Lieferplattform lesen – nicht als spekulativer Höhepunkt.

Bär-Szenario: Ramp-up-Risiken und Liquiditätsfriktion

Das Risiko liegt in den ganz praktischen Hürden des Hochlaufs. Der RSI von 38,8 signalisiert eine Aktie, die sich der überverkauften Zone nähert, aber noch keine Trendwende zeigt. Ein Rutsch unter die 200-Tage-Linie wäre ein zusätzliches bärisches Signal, das kurzfristig weitere Verkäufe anziehen könnte.

Der Wechsel von niedriggradigem Lagerbestand zu hochwertigem Untertage-Erz verläuft bei Minenprojekten selten reibungslos. Verzögerungen an dieser Stelle würden den für die zweite Jahreshälfte erwarteten Cashflow-Schub verzögern.

Dazu kommt die Liquiditätsfrage durch die Delistings. Anleger, die Aktien nicht an ausländischen Börsen halten wollen oder können, verkaufen in solchen Phasen häufig zwangsweise – ein Effekt, der die ohnehin hohe annualisierte Volatilität von gut 81 Prozent noch verstärkt.

Ausblick: TSX-Delisting als nächster Prüfstein

In den kommenden Wochen dürfte sich entscheiden, ob Almonty den Bereich um die 200-Tage-Linie verteidigen kann. Solange der Kurs unter 19,19 CAD bleibt, spricht die Charttechnik für Zurückhaltung – der Markt sucht in dieser Phase erkennbar noch nach einem tragfähigen Boden.

Eine nachhaltige Erholung würde voraussetzen, dass Sangdong den Sprung von der Inbetriebnahme zum stabilen Durchsatz mit den erwarteten Gradverbesserungen schafft. Gelingt die Rückeroberung der 19,19-CAD-Marke bei gleichzeitig sinkender Volatilität, könnte der Blick wieder auf das Jahresplus von 55,76 Prozent und die langfristige Industriegeschichte fallen. Der nächste konkrete Termin: der Abschluss des TSX-Delistings am 31. Juli 2026, der den Weg für die neue Handelsstruktur an Nasdaq und Frankfurter Börse freimacht.

Anzeige

Almonty-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Almonty-Analyse vom 28. Juli liefert die Antwort:

Die neusten Almonty-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Almonty-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 28. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Almonty: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu Almonty