Almonty startet Produktion, Antimony Resources im Höhenflug
Almonty beginnt Wolframproduktion in Südkorea, während Arafura-Aktionäre milliardenschwerem Finanzierungspaket zustimmen.

- Almonty nimmt Wolframverarbeitung in Südkorea auf
- Arafura erhält grünes Licht für Finanzierung
- Antimony Resources profitiert von Versorgungslücke
- Graphite One und European Lithium in früher Phase
Zwei Ereignisse innerhalb weniger Stunden haben diese Woche gezeigt, wie unterschiedlich weit die Akteure im Rennen um kritische Rohstoffe inzwischen sind. In Südkorea liefen erstmals Tonnen von Wolframkonzentrat durch eine fertiggestellte Verarbeitungsanlage. Zeitgleich stimmten in Australien Aktionäre über ein milliardenschweres Finanzierungspaket ab, das monatelang wie ein Damoklesschwert über einem Seltene-Erden-Projekt hing. Fünf Werte aus dem Sektor zeigen gerade exemplarisch, wie unterschiedlich der Weg von der Exploration zur Produktion verlaufen kann.
Sektorüberblick: Der Preis der Unabhängigkeit von China
Die Bemühungen westlicher Regierungen, sich aus der Abhängigkeit von chinesischen Lieferketten zu lösen, prägen weiterhin das Geschehen im Rohstoffsektor. Pekings im April eingeführtes Exportlizenz-System für Seltene Erden hat dazu geführt, dass europäische Importanträge nur noch in weniger als jedem vierten Fall genehmigt werden. Außerhalb Chinas kostet Neodym-Praseodym-Oxid inzwischen zwischen 103 und 106 US-Dollar je Kilogramm – das Vier- bis Sechsfache des chinesischen Inlandspreises.
Bei Wolfram und Antimon zeigt sich ein ähnliches Muster. Pekings Kontrolle über beide Metalle treibt westliche Abnehmer und Regierungen dazu, alternative Quellen fast um jeden Preis zu finanzieren – von koreanischen Wolframminen bis zu kanadischen Antimon-Projekten.
Diese Gemengelage hat zwei sehr unterschiedliche Aktien-Geschichten hervorgebracht. Almonty und Arafura wandeln sich gerade von Entwicklern zu Produzenten, gestützt durch verbindliche Abnahmeverträge und staatliche Finanzierung. Graphite One und European Lithium bleiben früher im Zyklus und hängen stärker von Genehmigungsverfahren und Kapitalmärkten ab. Antimony Resources liegt dazwischen – eine Explorationsstory, die von einer echten Versorgungslücke getragen wird, aber noch Jahre von der Produktion entfernt ist.
Almonty Industries: Sangdong liefert erste Umsätze
Almonty hat eine Schwelle überschritten, die nur wenige Wolfram-Entwickler erreichen. Seit Anfang dieser Woche läuft an der Sangdong-Mine in der südkoreanischen Provinz Gangwon der reguläre Durchsatzbetrieb der Verarbeitungsanlage, nachdem im Juni bereits gelagertes Erz durch die neu in Betrieb genommene Anlage geschickt wurde. Der Meilenstein markiert den Übergang von der Bauphase zur aktiven, umsatzgenerierenden Mine.
Das Unternehmen startet mit einem beachtlichen Erzpuffer. Zum Ende des ersten Quartals lagerten rund 120.000 Tonnen Erz mit einem Wolframtrioxid-Gehalt von durchschnittlich 0,24 Prozent, im zweiten Quartal kamen weitere knapp 19.700 Tonnen mit 0,35 Prozent WO₃ hinzu. Das Management setzt in der Anlaufphase bewusst auf geringere Erzgehalte und erwartet höhere Konzentrationen, sobald der Prozess weiter fortschreitet.
Der operative Fortschritt trifft auf ein historisch starkes Wolframpreisumfeld und verstärkte westliche Anstrengungen, Lieferketten außerhalb Chinas aufzubauen, das noch immer mehr als 80 Prozent der globalen Wolframversorgung kontrolliert. Almonty hat seine Position zusätzlich über eine Partnerschaft mit American Defense International sowie die Teilnahme am Critical Minerals Forum des US-Verteidigungsministeriums gestärkt, flankiert von Board-Berufungen ehemaliger US-Generäle. Der Kurs notiert aktuell bei 22,33 CAD, nach einem Rückgang von 4,82 Prozent allein am Donnerstag und einem Minus von 21,81 Prozent auf Monatssicht. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 85,62 Prozent zu Buche – nach wochenlangen indexgetriebenen Zuflüssen und einer scharfen Wolfram-Rallye ist ein Teil der jüngsten Schwäche schlicht Gewinnmitnahmen geschuldet.
Graphite One: Die Genehmigungsuhr tickt Richtung 2027
Graphite One hat 2026 einen deutlichen Rücksetzer erlebt. Die Aktie notiert bei 0,61 Euro, nach einem Minus von 4,84 Prozent am Donnerstag und einem Rückgang von 48,09 Prozent seit Jahresbeginn. Vom 52-Wochen-Hoch bei 1,59 Euro liegt der Titel damit weit entfernt, während der RSI von 38,2 auf eine bereits fortgeschrittene Verkaufsphase hindeutet.
Im Zentrum der Strategie steht weiterhin das Graphite-Creek-Projekt auf der Seward-Halbinsel in Alaska, mit dem eine vertikal integrierte nordamerikanische Lieferkette für Batterie-Anodenmaterial entstehen soll. Das Unternehmen ist als erstes Bergbauprojekt Alaskas ins federale FAST-41-Genehmigungsdashboard aufgenommen worden und bekräftigt weiterhin das Ziel einer föderalen Genehmigungsentscheidung bis September 2026. Ergänzend hat Graphite One bereits Lieferabkommen für natürliches und synthetisches Anodenmaterial gesichert und treibt den Aufbau seines Verarbeitungsstandorts in Ohio voran – finanziert unter anderem durch eine kanadische Kapitalerhöhung im laufenden Jahr.
European Lithium: Wolfsberg wartet auf die Investitionsentscheidung
European Lithium gehört zu den schwankungsfreudigsten Werten im Sektor. Der Kurs steht bei 0,24 Euro nach einem Tagesverlust von 4,76 Prozent, hat sich auf Wochensicht mit einem leichten Plus von 0,63 Prozent aber stabilisiert. Seit Jahresbeginn bleibt mit 157,51 Prozent ein außergewöhnlicher Zugewinn stehen, getrieben von der engen Verknüpfung mit Critical Metals Corp, dem an der Nasdaq gelisteten Vehikel, das das österreichische Wolfsberg-Lithiumprojekt hält.
Die wichtigste jüngste Entwicklung betrifft die Bergbaulizenz für Wolfsberg. Statt eines befürchteten Auslaufens hat die österreichische Regierung die Lizenz um weitere zwei Jahre verlängert und damit regulatorische Klarheit für das fortgeschrittene Hartgestein-Lithiumprojekt in Kärnten geschaffen. Chairman Tony Sage hat signalisiert, dass eine finale Investitionsentscheidung von Marktbedingungen und Finanzierung abhängt – ein Rahmenwerk sieht eine „Decision to Mine“ bis Ende 2026 vor, sofern die Preise robust bleiben. Battery-Grade-Lithiumcarbonat in China ist zuletzt auf rund 168.000 bis 170.000 Yuan je Tonne gestiegen, während sich Spodumenkonzentrat auf etwa 2.000 US-Dollar je Tonne erholt hat. Zur Absicherung hat European Lithium zudem einen Teil seines Anteils an Critical Metals monetarisiert und dabei Nettoerlöse von rund 124 Millionen australischen Dollar erzielt, was die Kassenreserven auf etwa 322 Millionen australische Dollar erhöht hat.
Arafura Rare Earths: Aktionäre räumen den letzten Stolperstein aus
Arafura lieferte die eindeutigste Nachricht der Woche. Nach monatelangem Kursdruck durch Unsicherheit über die Finanzierungsstruktur wurden am Donnerstag sämtliche zur Abstimmung stehenden Beschlüsse der Hauptversammlung angenommen – darunter die zentralen Kapitalmaßnahmen. Genehmigt wurden Aktienemissionen an Export Finance Australia und die deutsche KfW, die Ausgabe von Wandelanleihen an die National Reconstruction Fund Corporation sowie eine mehrstufige Privatplatzierung.
Die Zustimmung fiel überwältigend aus: Der Beschluss zu Export Finance Australia erhielt 99,87 Prozent Zustimmung, jener zur KfW 99,52 Prozent, und die Wandelanleihe für die National Reconstruction Fund Corporation kam auf 99,85 Prozent. Damit ist das binäre Risiko rund um das 1,34 Milliarden australische Dollar schwere Finanzierungspaket für das Nolans-Projekt im Northern Territory vom Tisch.
Die Projektökonomie bleibt dabei der Kern der Investmentstory: Nolans kommt auf Gesamtinvestitionskosten von 1,23 Milliarden US-Dollar, einen Nettobarwert nach Steuern von 1,73 Milliarden australischen Dollar und eine interne Verzinsung von 17,2 Prozent. Über eine geplante Laufzeit von 38 Jahren sollen jährlich 4.440 Tonnen Neodym-Praseodym-Oxid produziert werden, abgesichert durch Abnahmeverträge mit Hyundai, Kia, Siemens Gamesa und Traxys North America. Hancock Prospecting von Gina Rinehart hat sich im Vorfeld der Abstimmung mit rund 17,5 Prozent als strategischer Ankeraktionär positioniert. Eine ungelöste Umweltbeschwerde zu Grundwasser- und Biodiversitätsauflagen bleibt ein Beobachtungspunkt, doch mit der Finanzierung im Rücken peilt Arafura einen Baustart im September an. Der Kurs notiert aktuell bei 0,15 Euro, mit einem Plus von 1,51 Prozent am Donnerstag und 5,45 Prozent auf Wochensicht.
Antimony Resources: Der Versorgungsengpass als Kurstreiber
Kaum ein Wert im Sektor hat 2026 für so viel Bewegung gesorgt wie Antimony Resources. Der Kurs steht bei 0,44 Euro, nach einem Plus von 2,58 Prozent am Donnerstag. Auf Wochensicht summiert sich der Anstieg auf 27,03 Prozent, über zwölf Monate sogar auf 453,16 Prozent – Ausdruck einer Explorationsstory, die auf einer echten geopolitischen Welle reitet.
Das Bald-Hill-Projekt in New Brunswick liefert einen stetigen Strom hochgradiger Bohrergebnisse, darunter Abschnitte mit bis zu 44,2 Prozent Antimon aus Schürfproben. Von einem 10.000 Meter umfassenden Definitionsbohrprogramm auf der Main Zone sind bereits 6.500 Meter abgeschlossen, ergänzt durch Explorationserfolge in der neu entdeckten Marcus-West-Zone. CEO Jim Atkinson betont die strukturelle Versorgungslücke: In Nordamerika gebe es keinen einzigen Primärproduzenten von Antimon, und seit China seine Exporte gekappt habe, komme praktisch kein Antimon mehr in die Region. Das Unternehmen hat SRK Consulting mit einer ersten Ressourcenschätzung beauftragt – ein Katalysator, auf den Anleger genau schauen, da die Aktie bislang fast ausschließlich auf Explorationsnachrichten reagiert hat.
Sektordynamik im Vergleich
Die fünf Werte stehen an klar unterschiedlichen Punkten der Entwicklungskurve:
- Almonty & Arafura: Übergang vom Entwickler zum Produzenten, gestützt durch verbindliche Abnahmeverträge und staatliche Finanzierung
- Graphite One & European Lithium: Frühere Phase, Bewertung hängt an Genehmigungsentscheidungen und externer Finanzierung
- Antimony Resources: Reine Explorationsstory, deren Kursausschläge fast ausschließlich von Bohrergebnissen und geopolitischen Schlagzeilen zum Antimon-Markt getrieben werden
Wer den Sektor als einheitlichen Trade behandelt, übersieht leicht, wie unterschiedlich Bilanzen, Genehmigungszeitpläne und Abnahmestrukturen dieser fünf Unternehmen tatsächlich positioniert sind.
Kritische Rohstoffe: Die nächsten Prüfsteine
Die kommenden Monate bringen mehrere binäre Weichenstellungen für den Sektor. Arafuras Baustart im September wird zeigen, ob sich die frisch genehmigte Finanzierung tatsächlich in Baufortschritt übersetzt, während die ungelöste Umweltbeschwerde ein Risiko bleibt. Bei Almonty entscheidet sich, wie schnell Erzgehalte und Durchsatz in Richtung Vollproduktion skalieren. Graphite Ones föderale Genehmigungsentscheidung um September 2026 dürfte der größte Kurstreiber des Jahres für die Aktie werden. European Lithium und Critical Metals steuern auf eine selbst gesetzte Frist für die finale Investitionsentscheidung zu Wolfsberg bis Ende 2026 zu, abhängig von Lithiumpreisen und Finanzierung. Bei Antimony Resources wartet die Branche auf die erste Ressourcenschätzung von SRK Consulting als nächsten möglichen Neubewertungs-Katalysator. Gemeinsam ist allen fünf Werten die Frage, wie schnell westliche Regierungen aus politischer Dringlichkeit tatsächlich Finanzierung und Abnahmeverträge machen, die nötig sind, um Minen zu bauen.
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