Almonty vor strategischer Weichenstellung in Afrika

Almonty erhält Zugriff auf die Shyorongi-Konzession und ruandische Vorkonzentrate. Der Kurs fiel zuletzt um 21 Prozent.

Die Kernpunkte:
  • Aktie verliert binnen sieben Tagen 21 Prozent
  • Ruanda erhält 25 Prozent an Almonty Rwanda
  • Shyorongi-Konzession und Verarbeitungslizenz gesichert
  • Jefferies startet Beobachtung mit Kaufempfehlung

AUSGANGSLAGE

Die Almonty-Aktie verzeichnete über die vergangenen sieben Tage einen deutlichen Rückgang von 21 Prozent. Genau in diese Phase verschärfter Kursschwäche hinein meldete das Unternehmen gestern einen strategischen Schritt zur Rohstoffsicherung: Almonty vereinbarte ein Joint Venture mit Ruanda.

Im Rahmen der Vereinbarung erhält das Land einen Anteil von 25 Prozent an Almonty Rwanda. Im Gegenzug sichert sich das Bergbauunternehmen die Wolfram-Konzession Shyorongi sowie eine offizielle Verarbeitungslizenz.

Dieser Schritt zählt für Marktteilnehmer genau jetzt, weil er kurzfristig wirksam werden soll. Über das Abkommen erhält das Unternehmen direkten Zugriff auf Erz, Vorkonzentrat sowie Abraumhalden von bereits aktiven Kleinbergbaubetrieben in der Region.

Während Großprojekte im Bergbau oft jahrelange Vorlaufzeiten erfordern, soll dieser Schritt die Versorgungskette zeitnah ergänzen. Am heutigen Dienstag notiert der Titel bei 12,94 Euro mit einem leichten Plus von 1,1 Prozent, nachdem der Kurs zuvor mehrere Handelstage unter spürbarem Verkaufsdruck gestanden hatte.

DIE ENTSCHEIDENDE FRAGE

Für Investoren spitzt sich die Lage auf einen einzigen Kernfaktor zu: Gelingt es Almonty, die angekündigten kurzfristigen Erz- und Vorkonzentratmengen aus Ruanda zügig in zählbare Cashflows umzumünzen, bevor die ambitionierte Bewertung den Kurs weiter belastet?

Medienberichten zufolge wies die Aktie zuletzt ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von annähernd 86 sowie ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von über 13 auf. Solche Kennzahlen spiegeln enorme Erwartungen an das künftige operative Wachstum wider. Das vor rund einem Monat gestartete Aktienrückkaufprogramm über ein Gesamtvolumen von bis zu 300 Millionen US-Dollar signalisierte zwar Zuversicht der Unternehmensführung, vermochte den jüngsten Abverkauf im September jedoch nicht vollständig abzufedern.

Die fundamentale Tragfähigkeit der Bewertungsprämie hängt daher nun maßgeblich an der tatsächlichen Liefergeschwindigkeit aus den neu erschlossenen afrikanischen Vorkommen.

BULLISCHES SZENARIO

Im optimistischen Szenario erweist sich der Vorstoß nach Ruanda als wirksamer Hebel zur Margen- und Mengensteigerung. Kann Almonty das dortige Rohmaterial und die Vorkonzentrate ohne operative Reibungsverluste verarbeiten, erschließt sich der Konzern zusätzliche Liefervolumina abseits der bestehenden Förderstätten.

Unterstützung erhält dieses Szenario von institutioneller Seite: Am 2. September nahm Jefferies Financial Group die Beobachtung der Aktie mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 26,25 Dollar auf. Die Analysten begründeten ihre positive Einschätzung mit der strategischen Positionierung des Unternehmens beim Aufbau einer westlichen Wolfram-Lieferkette.

Gelingt es Almonty, Ruanda als verlässlichen Zubringer für Vorkonzentrate zu etablieren, würde dies die Abhängigkeit von einzelnen Großanlagen reduzieren und die weltweite Marktposition festigen. In Kombination mit dem bestehenden Rückkaufmandat für bis zu 14,4 Millionen Stammaktien könnte eine operative Bestätigung der Fördermengen die Basis für eine nachhaltige Neubewertung schaffen.

BÄRISCHES SZENARIO

Dem gegenüber steht ein greifbares operatives und länderspezifisches Risiko. Das Abkommen sichert Almonty zwar Zugriffsrechte auf Förderungen lokaler Kleinbergbaubetriebe, doch ist die tatsächliche Erzkontinuität und -qualität in solchen Konstellationen schwerer zu steuern als in vollständig eigenbetriebenen Minenkomplexen. Verzögerungen bei der Erfassung, Aufbereitung oder dem Transport des Vorkonzentrats könnten die erhofften kurzfristigen Erträge dämpfen.

Gleichzeitig verzeiht das Bewertungsniveau kaum operative Enttäuschungen. Sollten sich die Lieferungen verzögern, droht die Diskrepanz zwischen der hohen Marktkapitalisierung und den realisierten Umsätzen erneut in den Vordergrund zu rücken.

In einem solchen Umfeld könnten Gewinnmitnahmen oder Umschichtungen institutioneller Anleger den Kurs weiter unter Druck setzen. Der jüngste Kursrutsch zeigte bereits, wie sensibel der Markt reagiert, wenn Zweifel an der Geschwindigkeit des operativen Hochlaufs aufkommen.

AUSBLICK

Die kurzfristige Weichenstellung für die Aktie folgt klaren Leitplanken: Solange die jüngste Stabilisierung oberhalb der Marke von 12,50 Euro verteidigt werden kann und das Management verlässliche Zwischenschritte zur Integration der ruandischen Schürfrechte vorlegt, bleibt der Pfad für eine technische Gegenbewegung intakt.

Kippt die Marktstimmung jedoch erneut und fällt der Kurs nachhaltig unter das bisherige Septembertief, droht eine Ausweitung der Korrektur in Richtung früherer Jahrestiefs.

Als nächster maßgeblicher Katalysator gilt nun der administrative Vollzug des Joint Ventures sowie erste detaillierte Angaben zu den tatsächlich erzielbaren Fördermengen aus der Shyorongi-Konzession. Für Anleger entscheidet sich in den kommenden Wochen, ob Ruanda der erhoffte Ergebnistreiber wird oder zusätzliche Integrationsrisiken mit sich bringt.

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