Alnylam Aktie: 1,17 Milliarden Dollar Umsatz

Trotz Rekordumsatz mit Amvuttra bricht der Aktienkurs ein. Analysten sehen den Markt überreagieren und halten an positiven Bewertungen fest.

Die Kernpunkte:
  • Erstes Milliarden-Quartal für Amvuttra
  • Umsatzprognose für TTR-Franchise gesenkt
  • Analysten sehen Kurspotenzial nach Kursrutsch
  • RSI zeigt überverkaufte Marktlage

Selten klaffen Kurs und Geschäftszahlen so weit auseinander wie bei Alnylam gerade. Der Spezialist für RNAi-Therapien meldete gerade sein erstes Milliarden-Dollar-Quartal für die Herztherapie Amvuttra. Die Aktie stürzte trotzdem binnen einer Woche um mehr als ein Viertel ab.

Am Freitag schloss das Papier bei 177,30 Euro, nur noch knapp drei Prozent über dem 52-Wochen-Tief. Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs fast halbiert. Auslöser war die Quartalsvorlage am 30. Juli.

Der Schock kam mit der Prognose

Alnylam meldete für das zweite Quartal einen Umsatz von 1,17 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Plus von 74 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Eigentlich eine starke Zahl.

Der Markt reagierte trotzdem panisch. Der Grund: Das Management senkte den Umsatzausblick für die TTR-Franchise für das Gesamtjahr 2026. Amvuttra, das Flaggschiffprodukt gegen Transthyretin-Amyloidose, wachse künftig langsamer als bislang erwartet.

Alnylam erklärte das mit einem Basiseffekt. Die frühe Wachstumsdynamik sei durch aufgestauten Bedarf bei Zweitlinien-Patienten aufgebläht gewesen. Dieser Patientenpool habe sich nun weitgehend abgebaut. Aus meiner Sicht wirkt die Reaktion des Marktes trotzdem überzogen: Eine Normalisierung nach einer Sondersituation ist etwas anderes als ein struktureller Einbruch der Nachfrage. Der Markt behandelt beides derzeit gleich.

Die Lücke zum Kursziel

Genau hier liegt der eigentliche Spannungsbogen dieser Geschichte. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei 374,50 Euro. Das wäre mehr als eine Verdopplung vom aktuellen Niveau.

Selbst Banken wie JPMorgan und Oppenheimer, die ihre Kursziele nach der Prognosesenkung nach unten korrigierten, behielten ihre positiven Einstufungen bei. Sie begründen das mit dem langfristigen Potenzial des Marktes für ATTR-Kardiomyopathie. Die aktuelle Marktkapitalisierung von knapp 23,8 Milliarden Euro bildet meines Erachtens kaum ab, welche Position Alnylam als Pionier der RNAi-Wirkstoffklasse tatsächlich einnimmt.

Die These für eine Erholung ist simpel: Der Markt hat eine temporäre Wachstumsnormalisierung überinterpretiert und dabei eine der am weitesten entwickelten Pipelines der gesamten Biotech-Branche ignoriert.

Überverkauft, aber nicht risikofrei

Technisch spricht einiges für eine Verschnaufpause. Der 14-Tage-RSI ist auf 23 gefallen – tief im überverkauften Bereich. Solche Extremwerte gehen häufig einer zumindest kurzfristigen Stabilisierung voraus, auch wenn daraus nicht zwangsläufig eine echte Trendwende wird.

Bei einer annualisierten Volatilität von über 91 Prozent kann sich diese Stabilisierung allerdings sehr schnell wieder umkehren. Kurz gesagt: ein Risiko, das man nicht wegdiskutieren sollte, nur weil die Bewertung günstig aussieht.

Die Woche der Wahrheit

In der kommenden Handelswoche richtet sich der Blick auf das 52-Wochen-Tief bei 172,15 Euro. Hält diese Marke, entsteht Raum für eine echte Konsolidierung. Bricht sie, dürfte die Kapitulation weitergehen, die seit der Quartalsvorlage begonnen hat.

Mittelfristig rückt der Kongress der European Society of Cardiology später im August in den Fokus. Neue Daten von Wettbewerbern könnten dort für zusätzliche Bewegung sorgen. Für mich bleibt Alnylam damit ein Fall, bei dem die fundamentale Story intakt wirkt, der Kurs aber erst zeigen muss, ob er den Vertrauensverlust der vergangenen Woche wirklich verdaut hat.

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