Alphabet Aktie: 12,53 Prozent Wochengewinn trotz Kartellklagen
Alphabet verzeichnet trotz mehrerer Ad-Tech-Klagen ein Rekordhoch dank boomender KI-Chip-Verkäufe und Cloud-Wachstum.

- Fünfte Kartellklage gegen Alphabet
- Cloud-Umsatz steigt um 82 Prozent
- Chip-Verkauf tritt gegen Nvidia an
- Aktie nähert sich Rekordhoch
Google verdient seit zwei Jahrzehnten sein Geld mit Werbung. Ausgerechnet dieses Geschäft steht gerade reihenweise vor Gericht. Trotzdem klettert die Alphabet-Aktie von Hoch zu Hoch. Der Grund: Anleger kaufen zunehmend nicht mehr die Suchmaschine, sondern den Chip-Konzern dahinter.
Die Werbefestung bekommt Risse
Am 3. August 2026 reichte die Werbeplattform Teads vor einem Bundesgericht in New York Klage gegen Alphabet ein. Der Vorwurf: wettbewerbswidrige Praktiken im Ad-Tech-Geschäft. Es ist bereits die fünfte Klage einer Supply-Side-Plattform gegen Alphabet innerhalb eines Jahres. Zuvor hatten schon Magnite, OpenX und PubMatic geklagt.
Teads wirft Alphabet vor, Google Ads fest an die eigene AdX-Börse zu koppeln. Dadurch habe der Konzern Konkurrenten zwischen 2017 und 2023 um rund 6,88 Billionen Werbeeinblendungen gebracht. Ein US-Gericht hatte Googles Ad-Tech-Verhalten bereits im April 2025 offiziell als monopolistisch eingestuft.
Hinzu kommt eine mögliche Strafe der EU-Kommission von 2,95 Milliarden Euro. Alphabet bestreitet die Vorwürfe weiterhin, doch die juristische Last wächst spürbar.
Der Sprung ins Silizium
Während die Werbesparte juristisch unter Beschuss steht, wächst an anderer Stelle ein neues Geschäft heran. Alphabet verkauft seine hauseigenen KI-Chips, die Tensor Processing Units, jetzt auch extern und tritt damit offen gegen Nvidia an. Analysten trauen dem Konzern zu, bis Ende 2026 rund 20 Prozent eines KI-Infrastrukturmarktes zu erobern, der dann auf 300 Milliarden Dollar geschätzt wird.
Die operativen Zahlen stützen diese These bereits. Der Umsatz von Google Cloud sprang im zweiten Quartal 2026 um 82 Prozent auf 24,8 Milliarden Dollar, erstmals mit positivem bereinigtem EBITDA. Ein Auftragsbestand von 514 Milliarden Dollar zeigt: Die Nachfrage nach Alphabets Chips und Infrastruktur ist alles andere als ausgereizt.
Der Preis der neuen Architektur
Dieser Wandel kostet enorm viel Kapital. Alphabet trägt schätzungsweise 408 Milliarden Dollar an außerbilanziellen Verpflichtungen, größtenteils langfristige Verträge für Rechenzentren und Energie. Für 2026 plant der Konzern Investitionen zwischen 195 und 205 Milliarden Dollar – deutlich mehr, als die aktuellen Rechtsrisiken kosten.
Ein Gericht in Los Angeles verurteilte Alphabet im März 2026 zu 6 Millionen Dollar Schadenersatz wegen „süchtig machendem“ Design bei YouTube. Verglichen mit den Milliardensummen im Chip-Geschäft wirkt das wie Kleingeld. Der Markt scheint diese Rechnung längst aufgemacht zu haben.
An der Börse zeigt sich das Ergebnis deutlich. Die Aktie legte allein in der vergangenen Woche um 12,53 Prozent zu, die Marktkapitalisierung liegt inzwischen bei 3.778,57 Milliarden Euro. Nur 5,89 Prozent trennen den Kurs noch vom bisherigen Rekordhoch.
Wer gewinnt am Ende dieses Tauziehen – die Kartellklagen oder die Chip-Fantasie? Fünf laufende Ad-Tech-Klagen und eine drohende EU-Milliardenstrafe sprechen für anhaltenden Gegenwind. Die Wachstumsraten bei Cloud-Umsatz und Chip-Verkäufen sprechen bislang für das Gegenteil. An der Börse hat die zweite Seite eindeutig die Oberhand.
Die Analystengemeinde hat sich bereits positioniert. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 370,40 Euro und damit oberhalb des bisherigen Rekordhochs. Der nächste Cloud-Quartalsbericht dürfte zeigen, ob sich das Wachstumstempo von 82 Prozent halten lässt – bis dahin dürften weitere Ad-Tech-Klagen und die ausstehende EU-Entscheidung die Nachrichtenlage rund um Alphabet prägen.
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