Alphabet Aktie: 25 Milliarden Dollar am Anleihemarkt

Alphabet strukturiert die KI-Führung neu und nimmt 25 Mrd. Dollar am Anleihemarkt auf, um die ambitionierten Investitionsziele für 2026 zu finanzieren.

Die Kernpunkte:
  • KI-Chef Jeff Dean verlässt Konzern
  • Rekord-Anleihe über 25 Milliarden Dollar
  • Cloud-Umsatz steigt um 82 Prozent
  • Capex-Prognose für 2026 deutlich erhöht

Der Technologiekonzern Alphabet durchläuft eine Phase personeller und finanzieller Weichenstellungen. Während die Führungsebene der künstlichen Intelligenz (KI) neu geordnet wird, sichert sich das Unternehmen am Kapitalmarkt frische Mittel in zweistelliger Milliardenhöhe. Hintergrund sind die massiven Investitionen in die Infrastruktur, die für die technologische Vorherrschaft im KI-Sektor als notwendig erachtet werden.

Strategische Neuausrichtung in der KI-Spitze

In der vergangenen Woche wurde ein weitreichender Umbau in der KI-Führung von Alphabet bekannt. Wie CNBC am Mittwoch berichtete, verlässt Chief Scientist Jeff Dean das Unternehmen nach 27 Jahren. Dean gilt als einer der wichtigsten technischen Architekten hinter den Durchbrüchen bei der Suchmaschine und der KI-Entwicklung. Er plant die Gründung eines eigenen Start-ups namens Discovery Loop, das sich auf KI-Anwendungen in Wissenschaft und Technik konzentrieren soll. Berichten des Wall Street Journal zufolge erfolgt die Trennung im Einvernehmen; Google plant, in Deans neues Vorhaben zu investieren.

Parallel dazu übernimmt Demis Hassabis, bisheriger CEO von Google DeepMind, zusätzliche Verantwortung. Er wird zum Chief Scientist der Konzernmutter Alphabet ernannt und übernimmt zudem die Rolle des Chairman bei DeepMind. Die operative Leitung innerhalb von DeepMind wird gestärkt, indem Koray Kavukcuoglu zum Senior Vice President befördert wurde und künftig direkt an Konzernchef Sundar Pichai berichtet. Er ist für die Entwicklung der Gemini-Modelle und die Spitzenforschung verantwortlich. Die Börse reagierte am Mittwoch zunächst nervös auf den Weggang von Dean, was zu einem vorübergehenden Kursrückgang führte.

Rekordverdächtige Kapitalaufnahme am Anleihemarkt

Um den hohen Kapitalbedarf für die KI-Infrastruktur zu decken, trat Alphabet am Donnerstag als Emittent am Anleihemarkt auf. Bloomberg zufolge platzierte das Unternehmen Investment-Grade-Bonds im Volumen von 25 Milliarden US-Dollar. Die Nachfrage seitens der Investoren war außerordentlich hoch: In der Spitze erreichte das Orderbuch ein Volumen von rund 115 Milliarden US-Dollar. Dies markiert eine der größten Emissionen des laufenden Jahres und unterstreicht das Vertrauen der Gläubiger in die Kreditwürdigkeit des Konzerns.

Die Aufnahme des Fremdkapitals erfolgt vor dem Hintergrund deutlich angehobener Prognosen für die Investitionsausgaben (Capex). Für das Gesamtjahr 2026 plant das Management nun mit Ausgaben zwischen 195 und 205 Milliarden US-Dollar, nachdem zuvor eine Spanne von 180 bis 190 Milliarden US-Dollar kommuniziert worden war. Rund 60 Prozent dieser Mittel sollen in Serverkapazitäten fließen, während der Rest für Rechenzentren und Netzwerktechnik vorgesehen ist. Da der freie Cashflow im zweiten Quartal aufgrund dieser Investitionsoffensive erstmals negativ ausfiel, ist der Zugriff auf den Anleihemarkt ein wesentlicher Pfeiler der Finanzierungsstrategie.

Cloud-Wachstum und regulatorische Herausforderungen

Die operativen Zahlen zum zweiten Quartal verdeutlichten zuletzt die Dynamik im KI-Geschäft. Google Cloud verzeichnete ein Umsatzwachstum von 82 % auf 24,8 Milliarden US-Dollar. Zum 30. Juni meldete das Unternehmen einen Auftragsbestand von 514 Milliarden US-Dollar, was einer Steigerung von 50 Milliarden US-Dollar gegenüber dem ersten Quartal entspricht. Serena Lim Yi Qi, Analystin bei Phillip Securities, stufte die Aktie am 27. Juli von „Accumulate“ auf „Buy“ hoch. Sie begründet dies mit dem vertikal integrierten KI-Ökosystem, das von eigenem Silizium (TPUs) bis hin zu den Gemini-Modellen reicht.

Trotz der geschäftlichen Expansion sieht sich der Konzern rechtlichen Risiken gegenüber. Medienberichten zufolge befand eine Jury in Los Angeles am Mittwoch Alphabet und Meta für fahrlässig bei der Gestaltung von Plattformen, die für junge Menschen schädlich sein könnten. Das Urteil sieht Schadensersatzzahlungen vor, wobei auf Google 1,8 Millionen US-Dollar entfallen. Zudem verabschiedete die Europäische Kommission am 16. Juli Maßnahmen, die Google zur effektiven Teilung von Suchdaten im Rahmen des Digital Markets Act verpflichten.

Seit Jahresanfang verzeichnet das Papier eine Wertsteigerung von 15,26 %. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 350,75 € beträgt aktuell -12,47 %. Trotz der jüngsten Kursbewegungen notiert die Aktie mit 7,77 % weiterhin über ihrem 200-Tage-Durchschnitt. Für Anleger bleibt zudem der Dividendentermin im Blick: Alphabet hat eine Bar-Dividende von 0,22 US-Dollar angekündigt, deren Ex-Tag auf den 4. September fällt.

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