Alphabet Aktie: 25 Milliarden Dollar neue Anleihen

Alphabet erhöht Investitionsprognose auf bis zu 205 Mrd. Dollar und begibt Anleihen. Trotz operativer Stärke bleibt die Aktie unter Druck.

Die Kernpunkte:
  • 25 Mrd. Dollar neue Anleihen
  • Investitionsprognose auf 205 Mrd. erhöht
  • Berkshire stockt Alphabet-Anteil auf
  • Pershing Square verkauft komplette Beteiligung

Ein Konzern, der auf der Bank Dutzende Milliarden liegen hat, muss sich eigentlich keine Sorgen um frisches Geld machen. Und doch hat Alphabet vor gut zwei Wochen 25 Milliarden Dollar an neuen Anleihen aufgenommen, gestaffelt über Laufzeiten von 2028 bis 2066. Das ist keine Notmaßnahme, sondern ein Statement: Die KI-Aufrüstung ist teuer genug, dass selbst ein Cash-Riese zum Kapitalmarkt greift.

Genau darin liegt der größere Trend, der diese Aktie gerade prägt. Konzernchef Sundar Pichai hat die Investitionsprognose für das laufende Geschäftsjahr auf 195 bis 205 Milliarden Dollar angehoben – mehr als doppelt so viel wie die 91 Milliarden Dollar, die 2025 noch ausgereicht hatten.

Rechenzentren, Gemini-Infrastruktur, eigene TPU-Chips: All das kostet, und Alphabet finanziert es nun bewusst über einen Mix aus Eigenmitteln und Fremdkapital. Die im August platzierten Anleihen reichen von kurzlaufenden variabel verzinsten Papieren bis zu einer Tranche über 2,5 Milliarden Dollar mit 6,5 Prozent Zins und Fälligkeit 2066 – eine Wette auf vier Jahrzehnte KI-Zukunft.

Ein Schuldenberg mit Kalkül

Man kann das als Risiko lesen oder als Selbstbewusstsein. Für Risiko spricht, dass die Kapitalkosten steigen, während die Aktie seit ihrem 52-Wochen-Hoch von 350,75 Euro bereits 16 Prozent verloren hat und mit 295,60 Euro auch unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 306,78 Euro notiert. Der RSI von 44,5 signalisiert eine eher neutrale bis leicht angeschlagene Stimmung, keine Euphorie.

Für Selbstbewusstsein spricht, dass Alphabet die Mittel gezielt in ein Geschäft steckt, das laut eigenen Quartalszahlen bereits liefert: Im zweiten Quartal 2026 wuchs der Konzernumsatz um 24,2 Prozent auf 119,80 Milliarden Dollar, der Gewinn je Aktie von 9,11 Dollar übertraf die Erwartungen der Analysten deutlich.

Diese Diskrepanz zwischen operativer Stärke und Kursschwäche ist die eigentliche Geschichte des Sommers. Während das Unternehmen liefert, bleibt der Markt skeptisch gegenüber den Kosten der Lieferung. Das ist kein Alphabet-spezifisches Phänomen, sondern das Grundmuster der aktuellen KI-Investitionswelle: Wer heute die Infrastruktur für morgen baut, muss heute schon die Rechnung bezahlen.

Kluge Köpfe uneins

Interessant ist, wie unterschiedlich große Investoren diese Wette bewerten. Berkshire Hathaway hat seine Alphabet-Position im zweiten Quartal um 45,25 Prozent aufgestockt und hält nun rund 36,6 Milliarden Dollar in dem Titel – die drittgrößte Position im Portfolio.

Bill Ackmans Pershing Square dagegen hat im selben Zeitraum seine gesamte verbliebene Alphabet-Beteiligung verkauft, um stattdessen bei Microsoft und Netflix einzusteigen. Bemerkenswert: Ackman selbst betonte, langfristig weiterhin „sehr bullish“ für Alphabet zu sein. Der Verkauf war offenbar eine Portfolio-Entscheidung, keine Abkehr vom Geschäftsmodell.

Auch strategisch fächert sich Alphabet weiter auf. Über die Tochter Google LLC hält der Konzern inzwischen eine Beteiligung von 7,2 Prozent an SpaceX, mehr als 551 Millionen Class-A-Aktien.

Parallel vertieft Google die Chip-Partnerschaft mit Marvell Technology für das TPU-Ökosystem und beginnt, eigene Tensor Processing Units über die Cloud-Sparte direkt zu vermonetarisieren – ein Baustein, der die hohen Investitionsausgaben mittelfristig refinanzieren soll.

Auf der Produktseite hat Alphabet mit der Pixel-11-Serie, der Pixel Watch 5 und einem um „Gemini Intelligence“ erweiterten Gboard nachgelegt. Amazon und AT&T bieten inzwischen Trade-in-Aktionen mit Kredits von bis zu 1.350 Dollar für die neuen Geräte an – ein Zeichen, dass auch der Handel auf die neue Gerätegeneration setzt.

Bleibt die Frage, die sich durch den ganzen Sommer zieht: Kann ein Konzern, der Milliarden an neue Schulden aufnimmt, um noch mehr Rechenleistung zu bauen, das Vertrauen der Anleger schneller zurückgewinnen als die Kapitalkosten steigen? Die kommenden Quartale, in denen sich zeigen muss, ob die TPU-Monetarisierung und das Cloud-Wachstum die Investitionswelle tragen, werden diese Frage beantworten.

Am 4. September steht zunächst der Ex-Dividendentag für die Quartalsdividende von 0,22 Dollar an, Zahltag ist der 14. September – ein kleiner, aber verlässlicher Fixpunkt in einer ansonsten von großen Zahlen geprägten Geschichte.

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