Alphabet Aktie: 298 Prozent Gewinn, 7 Prozent Kursverlust
Alphabet überzeugt mit Rekordumsatz und Gewinnsprung, doch hohe KI-Investitionen belasten den Aktienkurs und den freien Cashflow.

- Umsatz steigt auf 119,8 Milliarden Dollar
- Cloud-Sparte wächst um 82 Prozent
- Freier Cashflow erstmals negativ
- Berkshire Hathaway erhöht Anteil deutlich
Alphabet hat im zweiten Quartal 2026 fast alles richtig gemacht – und der Aktienkurs brach trotzdem ein. Der Mutterkonzern von Google steigerte den Umsatz um 24 Prozent auf 119,8 Milliarden Dollar, der Gewinn schoss um rund 298 Prozent auf 112,1 Milliarden Dollar nach oben. Dennoch verlor die Aktie nach Bekanntgabe der Zahlen etwa sieben Prozent. Der Grund liegt nicht in der Gegenwart, sondern in der Zukunft: Alphabet erhöhte seine Investitionsprognose für 2026 von zuvor 180 bis 190 Milliarden Dollar auf nun 195 bis 205 Milliarden Dollar – Geld, das fast vollständig in den Ausbau der KI-Infrastruktur fließt.
Am Freitag schloss die Alphabet-Aktie bei 281,30 Euro, ein Plus von 0,77 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht bleibt dennoch ein Minus von rund sieben Prozent stehen, ein Abbild des Nachbebens der Quartalszahlen. Der Relative-Stärke-Index von 32,5 signalisiert eine überverkaufte Aktie, während das Papier mit einem Abstand von nur 0,25 Prozent knapp über dem 200-Tage-Durchschnitt notiert – eine Marke, die in den vergangenen Handelstagen als Prüfstein diente.
Cloud wächst um 82 Prozent, doch der Cashflow kippt ins Minus
Der eigentliche Wachstumstreiber bleibt Google Cloud: Die Sparte legte um 82 Prozent auf 24,8 Milliarden Dollar zu, der operative Gewinn verbesserte sich von 2,8 auf 8,8 Milliarden Dollar bei einer Marge von 35,6 Prozent. Der Auftragsbestand kletterte auf 514 Milliarden Dollar. Auch die klassische Suchsparte lieferte mit 63,3 Milliarden Dollar Umsatz und einem Plus von 17 Prozent einen Rekordwert, YouTube-Werbung wuchs um 13 Prozent auf mehr als 11 Milliarden Dollar.
Die Kehrseite: Der freie Cashflow rutschte um 5,8 Milliarden Dollar ins Minus, wenn man die 98 Milliarden Dollar an Bewertungsgewinnen aus Beteiligungen wie SpaceX oder Anthropic herausrechnet – laut The Motley Fool der erste negative Wert seit dem Börsengang. Hinzu kommt eine EU-Kartellstrafe von 890 Millionen Euro, die zusätzlich auf der Stimmung lastete. Nach Berechnungen von El Español fiel die Aktie am Handelstag nach den Zahlen um 7,13 Prozent – ein Dämpfer trotz nahezu vervierfachtem Quartalsgewinn.
Die Ratingagentur Moody’s warnte in einer aktuellen Einschätzung, dass die KI-Investitionswelle die Finanzen der großen Technologiekonzerne zunehmend belastet. Amazon, Alphabet, Microsoft, Meta, Oracle und CoreWeave dürften 2026 zusammen 785 Milliarden Dollar investieren, 2027 könnte die Summe auf rund eine Billion Dollar steigen. Moody’s verweist zudem auf ein „zirkuläres KI-Ökosystem“, in dem Cloud-Anbieter in KI-Labore investieren, die wiederum deren Rechenkapazität kaufen – ein Risiko, das Anleger nach Einschätzung der Agentur künftig genauer auf den tatsächlichen Kapitalrückfluss prüfen dürften. Allein Alphabets Kaufverpflichtungen und vertragliche Verbindlichkeiten stiegen bis Ende Juni auf 811 Milliarden Dollar.
Berkshire verdreifacht Position, Kritiker bleiben skeptisch
Nicht jeder große Investor liest die Zahlen als Warnsignal. Greg Abel, als Nachfolger von Warren Buffett an der Spitze von Berkshire Hathaway, verdreifachte im zweiten Quartal den Alphabet-Anteil im US-Aktienportfolio des Konzerns auf sechs Prozent. Auch das Illinois Municipal Retirement Fund stockte seine Position im ersten Quartal um 1,8 Prozent auf, mittlerweile die viertgrößte Beteiligung des Pensionsfonds.
Der Unternehmer Mark Cuban verteidigte die hohen Investitionsausgaben öffentlich und zog Parallelen zum Internet-Ausbau der späten 1990er-Jahre. Andere Marktbeobachter äußerten sich kritischer und warnten vor einem Wettrüsten bei den Investitionsbudgets der Branche, dessen Ende offen bleibt. Die Debatte spiegelt sich auch im breiteren Markt: Nach übereinstimmenden Berechnungen verloren die fünf größten KI-Investoren – Alphabet, Microsoft, Amazon, Meta und Tesla – binnen einer Woche zusammen mehr als 500 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung, während Infrastrukturzulieferer wie Digital Realty oder Super Micro Computer zulegten.
Parallel dazu sorgt die verzögerte Einführung des Sprachmodells Gemini 3.5 Pro für Unmut bei einigen Investoren. Die Nutzerzahlen sprechen jedoch eine andere Sprache: Gemini erreichte im Mai rund 900 Millionen monatliche Nutzer, eine Verdopplung binnen eines Jahres, und erwirtschaftete 2025 bereits 1,2 Milliarden Dollar Umsatz. Apple zahlt Berichten zufolge eine Milliarde Dollar jährlich für die Nutzung von Gemini in Siri. Mit dem für 2028 geplanten Chip Frozen v2 verspricht Alphabet zudem eine sechs- bis zehnfach höhere Energieeffizienz bei KI-Berechnungen – ein möglicher Hebel, um die aktuell hohen Investitionskosten langfristig zu rechtfertigen.
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