Alphabet Aktie: Anthropic zahlt Miete an Google
47 Prozent von Anthropics Erlösen liefen 2025 über Amazon und Google; zugleich investierten beide Konzerne Milliarden in den KI-Anbieter.

- 47 Prozent der Erlöse über Amazon und Google
- 351 Millionen Dollar an Distributionsgebühren
- Anthropics operative Verluste über acht Milliarden Dollar
- Google legt Berufung gegen EU-Vorgaben ein
Alphabet verdient doppelt an der KI-Konkurrenz: als Cloud-Vermieter und als Investor. Ein Blick in Anthropics vertrauliche Börsenunterlagen zeigt jetzt, wie eng die Verflechtung tatsächlich ist — und wie abhängig der Claude-Entwickler von Google und Amazon geworden ist.
Fast die Hälfte des Umsatzes läuft über Google und Amazon
Anthropic strebt eine Bewertung von rund zwei Billionen Dollar an und will in den kommenden Jahren hunderte Milliarden Dollar in seine Wachstumspläne stecken.
Die vertraulichen IPO-Unterlagen offenbaren dabei eine Schwachstelle: 47 Prozent der Erlöse liefen 2025 über die Cloud-Plattformen von Amazon und Google — ein Sprung von nur elf Prozent im Jahr 2023. Für diesen Vertriebskanal zahlte Anthropic rund 351 Millionen Dollar an Distributionsgebühren zurück an die Plattformen.
Die Beziehung ist mehrschichtig. Google und Amazon haben zweistellige Milliardenbeträge in Anthropic investiert, sind gleichzeitig Kunden, Rechenzentrums-Lieferanten und über Gemini beziehungsweise eigene KI-Produkte direkte Konkurrenten. Anthropic selbst räumt in der Prospekt-Formulierung ein, dass diese Konstellation „komplexe Dynamiken“ schaffe, die Interessenkonflikte begünstigen und den Zugang zu Rechenkapazität beeinträchtigen könnten.
Für Google ergibt sich daraus eine komfortable Position: Man profitiert vom Wachstum eines Konkurrenten, ohne dessen operative Risiken zu tragen. Anthropics operative Verluste haben sich 2025 auf über acht Milliarden Dollar mehr als verdoppelt, während der Umsatz zwölffach auf knapp 4,6 Milliarden Dollar stieg.
Regulatorischer Druck von zwei Seiten
Parallel zu dieser Cloud-Geschichte wehrt sich Google juristisch gegen die EU-Kommission. Brüssel hatte im Juli verbindliche Anweisungen erlassen, wonach Google sein Android-Betriebssystem für konkurrierende KI-Dienste öffnen und Suchdaten mit Drittanbieter-Suchmaschinen teilen soll. Google hat dagegen Berufung beim Gericht der Europäischen Union eingelegt und begründet dies mit Datenschutzbedenken beim Teilen von Suchverläufen.
In Washington traf sich Google-Chef Sundar Pichai am Dienstag mit Präsident Trump und weiteren Tech-Größen wie Nvidias Jensen Huang und Metas Mark Zuckerberg, um über eine mögliche KI-Regulierung zu sprechen. Trump lehnte eine gemeinsame KI-Governance mit China ab und begründete dies mit dem Wunsch, den technologischen Vorsprung der USA zu sichern.
Charttechnisch bewegt sich die Alphabet-Aktie derzeit in einer engen Spanne zwischen rund 334 und 342 Dollar, ohne klare Richtungsentscheidung. Die Gemini-Integration in Android schreitet derweil operativ voran: Der klassische Google Assistant verschwindet zunehmend von Mobilgeräten, nachdem die ursprünglich für 2025 geplante Umstellung auf 2026 verschoben wurde.
Für Anleger bleibt die Gemengelage vielschichtig — Google verdient an der KI-Konkurrenz mit, während man selbst regulatorisch unter Beobachtung steht. Wie das EU-Gericht über die Android-Berufung entscheidet, dürfte sich frühestens im Verlauf des kommenden Jahres klären.
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