Alphabet Aktie: Berkshire stockt um 83 Prozent auf

Berkshire Hathaway stockt Alphabet-Anteil um 83 Prozent auf. Trotz Kursverlusten und hoher Investitionen setzt Warren Buffett auf langfristiges Cloud- und KI-Wachstum.

Die Kernpunkte:
  • Berkshire erhöht Alphabet-Beteiligung um 83 Prozent
  • Alphabet meldet negativen freien Cashflow
  • 25-Milliarden-Anleihe zur KI-Finanzierung platziert
  • Führungswechsel bei Google DeepMind vollzogen

Berkshire Hathaway hat seinen Alphabet-Anteil im zweiten Quartal 2026 um 83 Prozent aufgestockt, wie aus einer 13F-Pflichtmitteilung hervorgeht. Fast 106 Millionen Aktien im Wert von rund 37,8 Milliarden Dollar hält der Konzern nun – Alphabet ist damit Berkshires drittgrößte Aktienposition.

Für mich ist das der bemerkenswerteste Vertrauensbeweis, den ein Großinvestor einem Big-Tech-Titel derzeit ausstellen kann, und er verdient mehr Beachtung, als ihm der schwache Kursverlauf der vergangenen Wochen zugesteht.

Denn während Warren Buffetts Firma zukauft, straft der Markt Alphabet gerade ab. Die Aktie hat in den vergangenen 30 Tagen 7,7 Prozent verloren, allein binnen einer Woche ging es um 2,6 Prozent zurück.

Am Freitag schloss das Papier bei 299,00 Euro, gut 15 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 350,75 Euro aus dem Mai. Der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt von minus 3,1 Prozent zeigt: Der kurzfristige Trend zeigt nach unten, während die Aktie auf Jahressicht mit einem Plus von 12 Prozent immer noch ordentlich dasteht.

Der Cashflow-Schock als Wendepunkt

Der Auslöser für die Verunsicherung liegt für mich klar auf der Hand. Am 22. Juli meldete Alphabet für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von 119,8 Milliarden Dollar, ein Plus von 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr, und bei Google Cloud sogar ein Wachstum von 82 Prozent auf 24,8 Milliarden Dollar.

Eigentlich Zahlen, die Anleger jubeln lassen sollten. Doch wegen Investitionen von 44,9 Milliarden Dollar rutschte der freie Cashflow erstmals seit dem Börsengang 2004 ins Minus – auf 5,9 Milliarden Dollar. Die Aktie brach daraufhin an einem einzigen Handelstag um 7 Prozent ein.

Dass CFO Anat Ashkenazi die Investitionsprognose für das Gesamtjahr auf 195 bis 205 Milliarden Dollar anhob und zugleich bestätigte, dass im zweiten Quartal keine Aktienrückkäufe stattfanden, verschärft die Nervosität zusätzlich. Wer auf Kapitalrückführung gesetzt hatte, geht derzeit leer aus.

Aus meiner Sicht ist das die eigentliche Bruchlinie zwischen Buffetts Kaufentscheidung und der Skepsis kurzfristig orientierter Anleger: Der eine setzt auf die langfristige Substanz eines Cloud- und KI-Geschäfts, das mit 82 Prozent wächst, die anderen fürchten die Belastung durch eine historisch beispiellose Investitionswelle.

Schuldenaufnahme und Führungsumbau als zusätzliche Belastung

Am 10. August platzierte Alphabet eine Anleihe über 25 Milliarden Dollar in zehn Tranchen mit Laufzeiten bis 2066, um die KI-Infrastruktur zu finanzieren. Die Nachfrage mit Orders von rund 115 Milliarden Dollar spricht dafür, dass der Kapitalmarkt dem Konzern die Bonität und die Wachstumsstory weiterhin abnimmt.

Für mich ist das ein wichtiges Gegengewicht zur Cashflow-Sorge: Wer sich so günstig und in diesem Umfang refinanzieren kann, hat offenbar keine Finanzierungsprobleme, sondern eine bewusste strategische Wette auf KI-Infrastruktur.

Parallel dazu vollzog Alphabet einen personellen Umbruch an der KI-Spitze. Google-DeepMind-Chef Demis Hassabis wechselte zum Chief Scientist und Chairman von Alphabet, während der langjährige Chief Scientist Jeff Dean das Unternehmen zusammen mit drei leitenden Forschern verließ, um das Startup Discovery Loop zu gründen.

Solche Abgänge an Schlüsselpositionen sind selten ein gutes Zeichen, auch wenn Alphabet mit dem neuen Modell Gemini 3.7 Flash zeitgleich technologisch nachlegte und dabei Konkurrenzmodelle in Coding-Benchmarks übertroffen haben soll.

Hinzu kommt Widerstand gegen ein geplantes Rechenzentrum in Indien, einem der Schlüsselstandorte für die globale KI-Expansion. Umweltbedenken vor Ort dürften das Ausbautempo an diesem Standort bremsen, auch wenn der Effekt auf den Gesamtkonzern begrenzt bleiben dürfte.

Fazit: Zwei Zeithorizonte, eine Aktie

Unterm Strich sehe ich bei Alphabet einen klassischen Konflikt zwischen kurzfristiger Marktreaktion und langfristiger Positionierung. Die Investitionslast drückt aktuell auf Kurs und Stimmung, das belegt der Rückgang der vergangenen Wochen deutlich.

Doch Buffetts massive Aufstockung, die enorme Nachfrage nach der Alphabet-Anleihe und das anhaltend starke Cloud-Wachstum sprechen dafür, dass die fundamentale Substanz intakt bleibt. Für mich überwiegen die Argumente, die Investitionsphase als Übergang statt als Warnsignal zu lesen – wer diese These teilt, dürfte die aktuelle Schwäche eher als Testphase begreifen denn als Trendwende.

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