Alphabet Aktie: Cloud wächst um 82 Prozent

Alphabet verzeichnet starkes Cloud-Wachstum, erhöht Investitionen und begibt 25 Mrd. USD Anleihen. Analysten zeigen sich gespalten.

Die Kernpunkte:
  • Cloud-Umsatz steigt um 82 Prozent
  • Kapitalausgaben-Prognose erneut angehoben
  • 25-Milliarden-Anleihe erfolgreich platziert
  • Führungswechsel in der KI-Sparte

Alphabet hat binnen wenigen Tagen zwei gegensätzliche Botschaften gesendet: explosives Wachstum bei Cloud und KI-Nachfrage – und einen der größten Anleihe-Deals des Jahres, um genau dieses Wachstum zu finanzieren. Für mich ist das die eigentliche Geschichte hinter dem Kurs, der aktuell bei 300,45 Euro notiert und sich damit 14,34 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch bewegt.

Die Zahlen sprechen für sich – und gegen die Skeptiker

Wer an der operativen Substanz zweifelt, sollte sich die jüngsten Quartalszahlen ansehen. Der Konzernumsatz stieg im zweiten Quartal um 24 Prozent auf 119,8 Milliarden Dollar – das zwölfte Quartal in Folge mit zweistelligem Wachstum.

Google Cloud legte sogar um 82 Prozent auf 24,8 Milliarden Dollar zu, der Nettogewinn pro Aktie kletterte um 294 Prozent auf 9,11 Dollar. Das sind keine Trippelschritte, das ist eine Beschleunigung, die man in dieser Größenordnung selten sieht.

Gleichzeitig hat Alphabet die Kapitalausgaben-Guidance für das Gesamtjahr von ursprünglich 180 bis 190 Milliarden Dollar auf 195 bis 205 Milliarden Dollar angehoben. Unterm Strich heißt das: Der Konzern schaufelt noch mehr Geld in Rechenzentren und KI-Infrastruktur, als bisher angenommen. Und genau hier beginnt für mich die Ambivalenz dieser Geschichte.

Schulden als Preis für Wachstum – trägt das die Bewertung?

Um diese gewaltigen Investitionen zu stemmen, hat Alphabet am 10. August ein öffentliches Angebot über 25 Milliarden Dollar an auf US-Dollar lautenden Senior Notes abgeschlossen, mit Laufzeiten bis 2066. Bereits am Donnerstag zuvor hatte die Nachfrage nach diesem Bond-Paket laut Berichten einen Spitzenwert von rund 115 Milliarden Dollar erreicht – ein Vielfaches des platzierten Volumens. Das zeigt: Der Kapitalmarkt vertraut Alphabets Bonität uneingeschränkt.

Trotzdem bleibt eine Frage im Raum: Wie lange kann ein Unternehmen derart aggressiv fremdfinanziert in Infrastruktur investieren, ohne dass die Renditen aus diesen Investitionen sichtbar werden?

Morgan Stanley versuchte am 3. August, genau diese Sorge zu zerstreuen und beruhigte Anleger angesichts der Rekordinvestitionen in KI-Infrastruktur. Das ist ein Vertrauenssignal aus dem Analystenhaus – ich sehe es allerdings eher als Momentaufnahme denn als Beweis, dass sich die Wette schon ausgezahlt hat.

Parallel dazu bewegt sich der Kurs seit einer Woche im Minus von 4,27 Prozent, während er auf Jahressicht mit 12,80 Prozent im Plus liegt. Diese kurzfristige Schwäche lässt sich für mich zwanglos als Verdauung der massiven Investitionsankündigungen und der Fremdkapitalaufnahme lesen – der Markt fragt sich, was diese Milliarden tatsächlich bringen, bevor er weiter jubelt.

Personalunruhe im KI-Labor – ein Warnsignal, das man nicht ignorieren sollte

Neben den Finanzzahlen gibt es einen Aspekt, der mir Sorge macht: den Umbau an der Spitze von Alphabets KI-Sparte. Jeff Dean verließ das Unternehmen nach 27 Jahren, Demis Hassabis zog sich aus dem operativen Tagesgeschäft zurück, und es wächst der Druck auf die Talentbasis von Google insgesamt.

Für ein Unternehmen, dessen gesamte Investitionsstrategie auf technologischer Führerschaft in der KI beruht, ist Personalkontinuität kein Nebenschauplatz. Wenn Schlüsselfiguren gehen, während gleichzeitig Rekordsummen in Infrastruktur fließen, entsteht eine Asymmetrie zwischen Kapital und Köpfen, die ich nicht kleinreden würde.

Auf der institutionellen Seite zeigt sich ein gemischtes Bild: Mehrere Investoren wie SCS Capital Management, First Eagle Investment Management und Diamond Hill Investment Group haben ihre Alphabet-Positionen im August leicht reduziert. Das allein ist noch kein Alarmsignal, aber es passt zum Muster einer Aktie, die nach starken Zahlen erstmal konsolidiert.

Mein Fazit

Für mich überwiegen unterm Strich die Wachstumsargumente – die Cloud-Dynamik und die Umsatzbeschleunigung sind beeindruckend und dürften mittelfristig tragen.

Doch die Kombination aus massiv steigender Verschuldung, einer nach oben korrigierten Investitionswelle und personeller Unruhe im wichtigsten Zukunftsbereich spricht dafür, die aktuelle Kursschwäche nicht vorschnell als reine Kaufgelegenheit zu deuten. Alphabet beweist operative Stärke – die Rechnung für die aktuellen Milliardenwetten wird aber erst in den kommenden Quartalen präsentiert.

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