Alphabet Aktie: Freier Cashflow erstmals negativ seit 2004
Erstmals seit 2004 rutscht der freie Cashflow von Alphabet ins Minus. Grund sind Rekordausgaben für KI-Infrastruktur, während das Cloud-Geschäft stark wächst.

- Erstmaliger negativer Cashflow seit Börsengang
- Rekordinvestitionen von 44,9 Milliarden Dollar
- Cloud-Umsatz steigt um 82 Prozent
- Gewinn durch Buchgewinne verzerrt
Alphabet schreibt Finanzgeschichte – allerdings nicht auf die Art, die Anleger sich wünschen. Im zweiten Quartal 2026 rutschte der freie Cashflow erstmals seit dem Börsengang 2004 ins Minus. Grund ist eine radikale Aufstockung der Investitionen ins KI-Geschäft.
Die Aktie schloss am Mittwoch bei 293,45 Euro, ein Plus von 0,10 Prozent. Der Kurs bewegt sich damit weiter in einer Konsolidierungsphase, 16,34 Prozent unter dem Rekordhoch von 350,75 Euro aus dem Mai. Die Zahlen dahinter zeigen ein Unternehmen im teuersten Umbau seiner Geschichte.
Milliarden-Investitionen drücken den Cashflow
Alphabet hat seine Ausgabenprognose für das laufende Jahr deutlich angehoben. Statt der bisher angepeilten 180 bis 190 Milliarden Dollar plant der Konzern nun mit Investitionen zwischen 195 und 205 Milliarden Dollar. Der Grund: Rechenzentren und Chips für die KI-Infrastruktur wachsen schneller als erwartet.
Die Folge zeigte sich sofort in der Bilanz. Im zweiten Quartal gab Alphabet rekordhohe 44,9 Milliarden Dollar für Investitionen aus. Das operative Geschäft lieferte zwar solide 39,1 Milliarden Dollar an Cashflow, reichte aber nicht aus, um die Investitionswelle zu decken. Unter dem Strich stand ein freier Cashflow von minus 5,85 Milliarden Dollar – ein historisches Novum für den Konzern.
Cloud-Sparte wächst, Gewinnqualität wird hinterfragt
Während die Kasse schrumpft, läuft das operative Geschäft überraschend gut. Google Cloud steigerte den Umsatz auf 24,8 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Wachstum von 82 Prozent gegenüber dem Vorjahr, getrieben von der Nachfrage nach KI-Lösungen für Unternehmen.
Der ausgewiesene Gewinn pro Aktie von 9,11 Dollar sorgt allerdings für Diskussionen unter Analysten. Rund 98 Milliarden Dollar davon stammen aus nicht realisierten Bewertungsgewinnen bei Beteiligungen, etwa an SpaceX und Anthropic. Rechnet man diese Buchgewinne heraus, kommen manche Marktschätzungen nur noch auf einen bereinigten Gewinn von rund 2,84 Dollar je Aktie. Der Unterschied macht deutlich, wie stark Bewertungseffekte das Ergebnis derzeit verzerren.
Der Markt bleibt gespalten
Technisch befindet sich die Aktie in einer Seitwärtsphase. Der RSI von 42,3 Punkten signalisiert neutrale Dynamik – der Markt sucht offenbar noch einen klaren Auslöser für die nächste Richtung. Mit einem Abstand von 6,25 Prozent zum 50-Tage-Durchschnitt von 313,00 Euro bleibt der Kurs unter kurzfristigem Druck, während er sich mit 4,16 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 281,74 Euro noch in einem längerfristig intakten Aufwärtstrend hält.
Ein Teil der Analysten hält an „Buy“-Einstufungen fest und verweist auf die Profitabilität der Cloud-Sparte. Andere Stimmen mahnen zur Vorsicht. Sie sehen das branchenweite Ausgabentempo der großen Technologiekonzerne kritisch und stellen die Frage, wann sich die KI-Investitionen tatsächlich auszahlen.
Routinegeschäft in der Führungsebene
Abseits der großen Zahlen gab es auch einen kleineren, aber transparenten Vorgang: Marsida Saraci, seit Juni 2026 Principal Accounting Officer bei Alphabet, verkaufte am 29. Juli 449 Aktien zu einem gewichteten Durchschnittspreis von rund 333,20 Dollar. Der Verkauf erfolgte im Rahmen eines im Mai 2025 aufgesetzten 10b5-1-Handelsplans – einer im Voraus festgelegten, automatisierten Verkaufsvereinbarung. Saraci hält weiterhin direkte Anteile von 27.386 Class-C- und 3.660 Class-A-Aktien.
Die kommenden Quartale werden zeigen, ob sich die Cloud-Dynamik fortsetzt und den negativen Cashflow ausgleicht. Für das Gesamtjahr 2026 hat Alphabet mit der Anhebung auf bis zu 205 Milliarden Dollar bereits klargestellt: Am Ausgabentempo wird vorerst nicht gerüttelt.
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