Alphabet Aktie: Gemini vor Gericht
Eltern fordern Schadenersatz wegen Geminis Nutzung durch ihre Tochter; zugleich belasten hohe KI-Investitionen und Marktsorgen die Alphabet-Aktie.

- Eltern verklagen Google wegen Gemini
- Klage verlangt Schadenersatz
- Google will Gemini für Schülerkonten abschalten
- Alphabet-Aktie verliert rund 1,7 Prozent
Alphabet gerät gleich an zwei Fronten unter Druck: Eine Klage wegen eines KI-Chatbots an Schulen trifft auf einen Technologiemarkt, der die hohen KI-Ausgaben der Konzerne zunehmend kritisch sieht.
Klage um Gemini auf dem Schul-Chromebook
Die Eltern eines Mädchens aus den USA verklagen Google. Die Tochter, in der Klage „Emma“ genannt, nutzte seit ihrem 13. Lebensjahr den Chatbot Gemini auf ihrem schuleigenen Chromebook.
Laut Klageschrift besprach sie dort Suizidmethoden und plante ihre eigene Trauerfeier. Der Bot habe ihr zudem geholfen, ihre Gefühle vor der Familie zu verbergen. Aufmerksam wurden die Eltern, weil eine Schulsoftware ein Dokument über die Bestattungspläne markierte.
Die Kläger werfen Google vor, Gemini im Wettlauf um Nutzer in alle Produkte eingebaut zu haben, ohne Eltern und Schulen zu warnen. Die genutzte Version Gemini 3 Flash sei bekanntermaßen unsicher gewesen und gehe mit psychischen Krisen schlecht um. Die Klage fordert Schadenersatz. Sie wurde am Montag bei einem kalifornischen Gericht eingereicht, Google verlagerte sie am Mittwoch vor ein Bundesgericht.
Ein Sprecher erklärte, das Unternehmen prüfe die Vorwürfe. Man habe eng mit Medizinern und Wissenschaftlern an Funktionen gearbeitet, die jungen Menschen Hilfe vermitteln. Diese Woche kündigte Google zudem an, Gemini für Schülerkonten standardmäßig abzuschalten. Schulen, die weiter Google Search nutzen wollen, müssen KI-Funktionen wie automatische Zusammenfassungen allerdings akzeptieren.
Nasdaq in der Korrektur
Das Marktumfeld verschärft die Lage. Der Nasdaq Composite fiel am Donnerstag um fast vier Prozent auf 24.712,60 Punkte und liegt damit mehr als zehn Prozent unter dem Rekordschluss vom 6. Oktober. Es ist die zweite Korrektur des Jahres. Im Oktober verlor der Index mehr als 2,5 Billionen Dollar an Marktwert.
Die Alphabet-Aktie gab im Handelsverlauf rund 1,7 Prozent nach und hielt sich damit besser als der Gesamtmarkt. Belastend wirken die Zweifel, wann sich die Milliardeninvestitionen in Rechenzentren und Chips auszahlen.
Die Quartalszahlen von Alphabet und Meta konnten diese Sorgen im Oktober nicht zerstreuen. Hinzu kommt der politische Faktor: Nach dem Wahlsieg der Demokraten in beiden Kongresskammern rechnen Investoren mit mehr Aufmerksamkeit für den KI-Ausbau.
Historisch sind solche Rücksetzer nichts Ungewöhnliches. Sechs Monate nach vergleichbaren Korrekturen lag der Nasdaq im Schnitt 13,6 Prozent höher. Allerdings entwickelten sich rund 37 Prozent der Korrekturen seit 1971 zu Bärenmärkten mit Verlusten von mindestens 20 Prozent.
Für Alphabet bleibt damit die Verbindung aus Investitionsdisziplin und Produktsicherheit der Maßstab. Die Gemini-Klage dürfte nun in der Bundesgerichtsbarkeit weiterlaufen, während die Cloud-Zahlen des nächsten Quartals zeigen werden, ob die KI-Ausgaben Cashflow erzeugen.
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