Alphabet Aktie: Gemini-Zugang gefordert?
Google geht gegen zwei EU-Beschlüsse vor; Piper Sandler erhöht das Kursziel und sieht Chancen für Tensor-Chipverkäufe.

- Google legte Berufung gegen EU-Vorgaben ein
- Auflagen betreffen Gemini und Suchdatenzugang
- Piper Sandler hob das Kursziel an
- Chipumsätze könnten 2028 über 100 Milliarden Dollar erreichen
Die Alphabet-Tochter Google wehrt sich juristisch gegen weitreichende Vorgaben der Europäischen Union für künstliche Intelligenz und die eigene Suchmaschine. Wie Reuters berichtet, hat das Unternehmen beim Gericht der Europäischen Union in Luxemburg Berufung gegen zwei Regulierungsanordnungen auf Basis des Digital Markets Act eingelegt.
Die Brüsseler Vorgaben verlangen unter anderem, dass der Konzern konkurrierenden Anbietern generativer KI wie OpenAI Zugang zu Diensten seines KI-Modells Gemini einräumt.
Am Markt zeigte sich die Alphabet-Aktie am Dienstag davon unbeeindruckt. Das Papier notierte mit 301,25 Euro nahezu unverändert bei einem leichten Minus von 0,1 Prozent.
Streit um Schnittstellen zu Gemini und Suchverläufe
Gegenstand der gerichtlichen Auseinandersetzung sind zwei Beschlüsse, welche die EU-Kommission im Juli erlassen hatte. Neben der Öffnung von Schnittstellen für rivalisierende KI-Entwickler fordern die Regulierer, dass Google Drittanbietern von Suchmaschinen gleichwertigen Zugang zu seinen umfangreichen Suchdaten gewährt.
Nach den aktuellen Plänen sollen die Verpflichtungen für den Suchdatenaustausch ab Januar 2027 greifen, während Änderungen auf dem Betriebssystem Android Nutzern innerhalb von zwölf Monaten die Aktivierung alternativer KI-Assistenten per Sprachbefehl ermöglichen sollen.
Google begründet den Gang vor das EU-Gericht mit gravierenden Sicherheitsbedenken. Oliver Bethell warnte vor irreversiblen Schäden für Anwender. Das Unternehmen führt an, dass die Weitergabe von Suchverläufen selbst bei Anonymisierungsversuchen das Risiko einer Reidentifizierung persönlicher Anfragen berge.
Zudem gefährde eine erzwungene Interoperabilität die Integrität und Sicherheit mobiler Android-Geräte sowie schützenswerte Geschäftsgeheimnisse. Die EU-Kommission hält dem entgegen, dass die getroffenen Anordnungen robuste Vorkehrungen zum Schutz der Privatsphäre und der Gerätesicherheit enthalten.
Unterstützung erhält die Brüsseler Behörde von der alternativen Suchmaschine DuckDuckGo, die den festgelegten Rahmen für den Datenschutz als tragfähig einstuft.
Wachsender Druck durch europäische Gesetze
Für den Technologiekonzern reiht sich die juristische Gegenwehr in eine Serie regulatorischer Herausforderungen auf dem europäischen Kontinent ein. Zudem führte die Durchsetzung des Digital Markets Act in getrennten Verfahren bereits zu finanziellen Sanktionen der Kommission, die dem Konzern Verstöße bei der Selbstbevorzugung und im App-Vertrieb vorwarf.
Aus den USA erfährt der Digitalkonzern dabei politische Flankierung: Die Trump-Regierung kritisierte die Vorgaben des europäischen Digitalgesetzes zuletzt als diskriminierend gegenüber US-Technologieunternehmen.
Analysten blicken auf Hardware-Chancen
Ungeachtet der juristischen Hürden in Europa verweisen Marktbeobachter auf das operative Potenzial der konzerneigenen Technologien. Das Analysehaus Piper Sandler bestätigte seine Einstufung mit „Overweight“ und hob das Kursziel von 395 auf 400 US-Dollar an.
Die Analysten begründeten ihren Schritt mit optimistischen Erwartungen für externe Verkäufe von Tensor Processing Units. Nach ihren Schätzungen könnten die Erlöse mit diesen spezialisierten Chips bis 2028 ein Volumen von mehr als 100 Milliarden US-Dollar erreichen.
Ob die Klage in Luxemburg den Zeitplan der EU-Behörden stoppen kann, bleibt nun Gegenstand des Verfahrens. Bis zu einer Entscheidung des Gerichts muss Alphabet darlegen, wie die geforderten Schnittstellen ohne Gefährdung europäischer Nutzerdaten implementiert werden können.
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