Alphabet Aktie: Investitionen auf 195 bis 205 Milliarden
Warren Buffetts Firma stockt Alphabet-Aktien um 83 Prozent auf und beendet Verkaufsserie. Analysten sehen Signal für KI-Infrastruktur-Wette.

- Berkshire erhöht Alphabet-Anteil um 83 Prozent
- Erste Nettokäufe nach 14 Verkaufsquartalen
- Alphabet investiert massiv in KI-Infrastruktur
- Cloud-Wachstum von 82 Prozent im Quartal
Es gibt Momente, in denen ein einzelner Bilanzeintrag mehr über eine ganze Branche verrät als tausend Analystenkommentare. Der jüngste 13F-Bericht von Berkshire Hathaway ist so ein Moment.
Ausgerechnet in seinem letzten vollständigen Quartal an der Spitze des Konzerns hat Warren Buffetts Team die Alphabet-Position um 83 Prozent aufgestockt – auf rund 106 Millionen Aktien im Wert von etwa 37,9 Milliarden Dollar. Google-Mutter Alphabet ist damit die drittgrößte Beteiligung des Hauses, hinter Apple und American Express, aber vor allem anderen.
Das ist bemerkenswert, weil Berkshire vierzehn Quartale in Folge per saldo Aktien verkauft hatte. Mit fast 20 Milliarden Dollar Nettokäufen im zweiten Quartal 2026 endete diese Serie abrupt – und Alphabet war der mit Abstand größte Posten dabei. Hinzu kam eine private Kapitalbeteiligung von 10 Milliarden Dollar im Juni, direkt bei Alphabet platziert. Wer nach einem Symbol für den Umbruch in der Kapitalallokation der amerikanischen Konzernwelt sucht, findet es hier.
Wenn der vorsichtigste Investor der Welt auf KI-Infrastruktur setzt
Berkshire war nie das Haus, das auf Technologiehypes sprang. Umso mehr Gewicht hat diese Aufstockung. Sie fällt zusammen mit Alphabets eigener Kapitaloffensive: Der Konzern hat seine Investitionsguidance für 2026 auf 195 bis 205 Milliarden Dollar angehoben – von 91 Milliarden Dollar im Jahr zuvor. Das ist keine Randnotiz, das ist eine Verdopplung binnen Jahresfrist, finanziert auch über frisches Fremdkapital: 56 Milliarden Dollar an neuen Schulden, 50 Milliarden Dollar an Aktienplatzierungen allein in der ersten Jahreshälfte, dazu eine Anleihe über 25 Milliarden Dollar, die im August platziert wurde.
Parallel dazu wächst das Geschäft, das diese Investitionen rechtfertigen soll, tatsächlich rasant. Google Cloud legte im zweiten Quartal um 82 Prozent zu, auf 24,8 Milliarden Dollar Umsatz. Der Auftragsbestand kletterte auf 513,9 Milliarden Dollar – von 462,3 Milliarden Dollar im Quartal zuvor.
Der Gesamtkonzern verzeichnete 24 Prozent mehr Umsatz auf 119,8 Milliarden Dollar, das operative Ergebnis stieg um 30 Prozent auf 40,8 Milliarden Dollar. Wer Alphabet vorwirft, Geld zu verbrennen, muss diese Zahlen erklären.
Und doch: Der freie Cashflow rutschte im zweiten Quartal auf minus 5,9 Milliarden Dollar. Das ist die Kehrseite der Wette. Wer heute in Rechenzentren, Chips und Energieverträge investiert, zahlt heute – und hofft, dass die Erträge morgen kommen. Berkshire scheint diese Wette mitzugehen, ebenso wie Stanley Druckenmiller, der im selben Quartal eine neue Alphabet-Position im Wert von 120 Millionen Dollar aufbaute.
Zwischen Kartellrecht und Konkurrenzdruck
Ganz reibungslos verläuft die Geschichte nicht. Ein US-Bundesgericht in Virginia entschied vor wenigen Tagen, Google habe seine Marktmacht bei Werbeservern und Ad-Exchanges illegal monopolisiert – ein Sieg für das amerikanische Justizministerium, gegen den Google Berufung einlegen will.
In San Francisco ordnete ein Gericht zudem an, dass Google Nutzern das Installieren konkurrierender App-Stores auf Android nicht länger erschweren darf, mit Frist zum 20. August. In Frankreich hat eine Allianz von Presseverlagen Beschwerde gegen Googles KI-Übersichten eingelegt, weil diese laut Schätzungen der Medienaufsicht Arcom bis zu 38 Prozent des Traffics kosten.
Das ist die Ambivalenz, die Alphabet gerade prägt: ein Unternehmen, das mit Gemini 3.7 Flash technologisch nachlegt und dessen Cloud-Sparte explodiert, während gleichzeitig Gerichte in mehreren Ländern seine Marktstellung infrage stellen. Kann ein Konzern gleichzeitig der aggressivste Investor der KI-Ära und der meistverklagte Tech-Gigant sein? Die Zahlen legen nahe: ja, zumindest vorerst.
An der Börse hat sich das zuletzt in einer gewissen Nervosität niedergeschlagen. Der Kurs notiert mit 299,00 Euro rund 15 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 350,75 Euro, das erst im Mai erreicht wurde. Über zwölf Monate steht dennoch ein Plus von 71 Prozent zu Buche – ein Hinweis darauf, dass der Markt die langfristige These trägt, auch wenn er die kurzfristigen Kosten der Investitionsoffensive nervös quittiert.
Für Anleger bleibt die eigentliche Frage keine juristische, sondern eine unternehmerische: Zahlt sich der größte Kapazitätsaufbau der Firmengeschichte schneller aus, als die Barmittel schwinden? Berkshire hat seine Antwort mit 37,9 Milliarden Dollar unterschrieben. Der Rest des Marktes beobachtet noch.
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