Alphabet Aktie: Jeff Dean geht nach 27 Jahren

Google restrukturiert KI-Sparte, Chefwissenschaftler Dean geht. Alphabet plant 25-Milliarden-Anleihe und kämpft gegen britische Sammelklage.

Die Kernpunkte:
  • Jeff Dean verlässt Google
  • 25-Milliarden-Anleihe geplant
  • Sammelklage in Großbritannien
  • Aktie fällt nach Umbau

Google hat seine Künstliche-Intelligenz-Sparte neu aufgestellt und damit für Unruhe unter Anlegern gesorgt. Chefwissenschaftler Jeff Dean verlässt das Unternehmen nach 27 Jahren, DeepMind-Chef Demis Hassabis rückt zum Chairman des Bereichs auf und wird zugleich Chief Scientist von Alphabet. Nach Bekanntwerden der Personalentscheidungen am Mittwoch brach die Alphabet-Aktie um rund 4 Prozent ein.

Dean gründet mit Discovery Loop eine gemeinwohlorientierte Gesellschaft, die maschinelles Lernen sowie wissenschaftliche und technische Forschung automatisieren soll. Mit ihm wechseln die früheren Google-Mitarbeiter Sanjay Ghemawat, Oriol Vinyals und Quoc Le zu dem Start-up. Alphabet steigt als Gründungsinvestor ein und stellt Cloud-Rechenkapazität für das neue Vorhaben bereit.

Koray Kavukcuoglu übernimmt als SVP die operative Führung von Google DeepMind und berichtet künftig direkt an Konzernchef Sundar Pichai. Pichai hatte zuletzt eingeräumt, dass Googles Fähigkeiten im Bereich Coding und agentenbasiertes Programmieren noch Nachholbedarf haben. Das Training des Nachfolgemodells Gemini 4 habe begonnen, nachdem sich Gemini 3.5 Pro verzögert hatte.

Milliarden-Anleihe trotz Umbaus

Parallel zum Personalkarussell treibt Alphabet seine Finanzierungsstrategie für den KI-Ausbau voran. Über eine zehnteilige Anleihe mit Laufzeiten zwischen zwei und 40 Jahren will der Konzern bis zu 25 Milliarden Dollar einsammeln, wie Bloomberg berichtete. Das Papier trägt die Bonitätsnoten Aa2/AA+ und soll die für 2026 geplanten Investitionen von 195 bis 205 Milliarden Dollar absichern sowie bestehende Schulden ablösen. Es ist bereits die dritte große Anleiheemission des Jahres, nach einem rund 32 Milliarden Dollar schweren Deal im Februar mit einer 100-jährigen Sterling-Tranche und einem Sechs-Tranchen-Eurobond über mindestens 9 Milliarden Euro im Mai. Medienberichten zufolge sammelte Google für die jüngste Emission Orders von 115 Milliarden Dollar ein – ein Vielfaches des tatsächlich platzierten Volumens.

Rechtsstreit in Großbritannien

Zusätzlich beschäftigt ein Kartellverfahren in Großbritannien den Konzern. Das Competition Appeal Tribunal wies Googles Antrag zurück, eine Sammelklage zu blockieren. Nach Angaben der Klägeranwälte sind rund 880.000 britische Firmen von der Klage betroffen, die Google vorwirft, seine Marktmacht bei Online-Werbung, mobilen Betriebssystemen, App-Verteilung und Suchwerbung missbraucht zu haben. Der Streitwert könnte sich auf bis zu 5 Milliarden Pfund, umgerechnet 6,7 Milliarden Dollar, belaufen. Ein Google-Sprecher bezeichnete die Klage als spekulativ und opportunistisch und kündigte an, das Urteil nicht zu akzeptieren.

Auch im Bereich KI-Software bleibt Google aktiv: Der Konzern verhandelt Medienberichten zufolge mit dem Programmier-Start-up Mechanize über eine Technologielizenz und die Übernahme von Personal, in einem Deal mit einem Volumen von mehr als 1,5 Milliarden Dollar. Es wäre bereits der dritte sogenannte Reverse-Acqui-Hire von Google innerhalb von zwei Jahren, nach vergleichbaren Vereinbarungen mit Character AI und Windsurf.

Kurs bleibt volatil

Schon am Montag hatte die Aktie zwischenzeitlich 5,1 Prozent zugelegt, nachdem Analysten von Morgan Stanley Anleger über die Finanzierbarkeit des KI-Ausbaus beruhigt hatten. Starker operativer Cashflow, Eigen- und Fremdkapitalfinanzierung, Leasingstrategien, eigene Chips und Effizienzgewinne in der Infrastruktur würden die Kapitalausgaben absichern und den Druck auf den freien Cashflow abfedern, hieß es. Die Erholung zeigt, wie stark die Finanzierungsfrage die Kursbewegungen derzeit prägt – noch vor dem Personalumbau und der Anleiheplatzierung.

An der Börse spiegelt sich die Gemengelage aus Umbau, Finanzierungsbedarf und Rechtsrisiken in einer verhaltenen Entwicklung. Zum Handelsschluss am Freitag notierte die Alphabet-Aktie bei 307,00 Euro, ein Minus von 1,13 Prozent auf Tagesbasis. Auf Sicht von zwölf Monaten steht dennoch ein Kursplus von 82,17 Prozent – ein Beleg dafür, wie stark die KI-Rally der vergangenen Jahresfrist den Wert getragen hat, auch wenn Personalwechsel, Finanzierungsbedarf und Rechtsstreit zuletzt für Nervosität sorgten.

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