Alphabet Aktie: Jeff Dean verlässt Google
Alphabet verliert Top-KI-Forscher, platziert eine 25-Milliarden-Dollar-Anleihe und verzeichnet fallende Kurse. Berkshire erhöht sein Engagement.

- Jeff Dean verlässt Google
- 25-Milliarden-Anleihe platziert
- Berkshire hält 106 Mio. Aktien
- Kursverlust von 2,6 Prozent
Alphabet erlebt einen der tiefsten personellen Einschnitte seiner jüngeren Geschichte in der Forschungsabteilung – und sichert sich gleichzeitig frisches Kapital in gewaltigem Umfang. Beide Entwicklungen fallen in eine Phase, in der die Aktie nach den jüngsten Kursgewinnen wieder unter Druck geraten ist.
Personalwechsel an der KI-Spitze
Jeff Dean, seit 27 Jahren bei Google und zuletzt Chief Scientist des Konzerns, verlässt das Unternehmen. Gemeinsam mit Sanjay Ghemawat gründet er Discovery Loop, eine Public-Benefit-Gesellschaft mit Fokus auf KI für Wissenschaft und Ingenieurwesen. Google beteiligt sich an dem neuen Unternehmen.
Mit Dean wechseln laut Medienberichten auch der DeepMind-Vizepräsident Oriol Vinyals und Google-Brain-Mitgründer Quoc Le zu Discovery Loop; weitere leitende Forscher aus DeepMind und Google Brain sind demnach in den vergangenen Monaten zu Anthropic und OpenAI abgewandert.
Als Reaktion auf den Abgang ordnet Alphabet die Führungsstruktur neu: Demis Hassabis gibt seinen Posten als CEO von Google DeepMind ab und wird Chairman von DeepMind sowie Chief Scientist von Alphabet.
Koray Kavukcuoglu übernimmt als SVP von Google DeepMind und berichtet künftig direkt an Konzernchef Sundar Pichai. Der Umbau signalisiert, dass Alphabet seine KI-Forschung enger an die Konzernspitze bindet, während der Wettbewerb um Spitzenkräfte mit Anthropic und OpenAI zunimmt.
Milliardenschwere Anleihe und Buffetts Aufstockung
Parallel zum Führungswechsel hat Alphabet Mitte August eine Anleihe über 25 Milliarden US-Dollar platziert, aufgeteilt auf zehn Tranchen mit Laufzeiten bis 2066. Die Emission traf laut Bloomberg auf eine Nachfrage von rund 115 Milliarden Dollar – ein Volumen, das nur von den Deals von Oracle im Februar und Amazon im März übertroffen wurde.
Die Finanzierung fällt in eine Phase, in der Alphabet sein Investitionsbudget für das laufende Jahr auf 195 bis 205 Milliarden US-Dollar angehoben hat und im zweiten Quartal 2026 erstmals einen negativen freien Cashflow von 5,9 Milliarden Dollar auswies.
Dass institutionelle Investoren die Aktie trotz der hohen Ausgaben nicht meiden, zeigt eine aktuelle Pflichtmitteilung: Berkshire Hathaway hält nach der jüngsten 13F-Offenlegung 106 Millionen Alphabet-Aktien der Klassen A und C im Wert von rund 36,6 Milliarden Dollar. Damit ist Alphabet mittlerweile die drittgrößte Position im Aktienportfolio von Warren Buffetts Holding, hinter Apple und American Express, aber vor Coca-Cola.
Kursbild bleibt angeschlagen
Die Aktie schloss am Freitag bei 299,00 Euro, ein Minus von 0,5 Prozent auf Tagessicht. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 2,6 Prozent zu Buche, über 30 Tage summiert sich der Verlust auf 7,7 Prozent.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 350,75 Euro, erreicht im Mai, trennen das Papier inzwischen 15 Prozent. Der RSI von 45,7 deutet auf eine neutrale bis leicht angeschlagene Marktstimmung hin, ohne dass eine Überverkauft-Situation vorliegt.
Regulatorischer Gegenwind aus Frankreich
Zusätzlichen Druck erzeugt eine Beschwerde der französischen Verlegerallianz APIG bei der Wettbewerbsbehörde Autorité de la concurrence. Der Vorwurf: Google verletze mit der KI-Overviews-Funktion die Leistungsschutzrechte französischer Verlage, nachdem das Unternehmen bereits 2022 mit 500 Millionen Euro wegen ähnlicher Verstöße belegt worden war.
Laut Daten der Medienaufsicht Arcom verzeichnen Verlage durch AI Overviews Besucherrückgänge von 33 bis 38 Prozent. Google wies die Vorwürfe zurück und erklärte, französische Verlage über Vergütungsbedingungen informiert zu haben.
Die Europäische Kommission hatte bereits im Dezember 2025 eine formelle Kartelluntersuchung eingeleitet, ob Google Verlags- und YouTube-Inhalte ohne angemessene Entschädigung für KI-Anwendungen genutzt hat.
Trotz der operativen Wachstumsdynamik bei Cloud und Suche bleibt Alphabet damit an mehreren Fronten gefordert: bei der Bindung von KI-Spitzenkräften, bei der Finanzierung der ausufernden Investitionen und im Umgang mit europäischen Regulierern.
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