Alphabet Aktie: Kapitalausgaben-Prognose auf 205 Milliarden
Alphabet erhöht Kapitalausgaben auf 205 Milliarden Dollar und finanziert KI-Ausbau mit Kapitalerhöhung und Anleihen. Cloud-Wachstum bleibt stark.

- Kapitalausgaben auf 205 Milliarden erhöht
- 80-Milliarden-Kapitalerhöhung angekündigt
- Cloud-Umsatz wächst um 82 Prozent
- Erste Yen-Anleihe in Planung
Manchmal erzählt eine einzige Woche mehr über eine Aktie als ein ganzes Quartal. Bei Alphabet war es diese: Erst ein Rekordhoch, getrieben von Warren Buffetts Nachfolger Greg Abel, der mit Berkshire Hathaway weitere 17 Milliarden Dollar in den Konzern steckte. Dann eine Kapitalerhöhung über 80 Milliarden Dollar. Und schließlich die Ernüchterung, als klar wurde, wie teuer der KI-Boom wirklich wird.
Am Freitag schloss die Alphabet-Aktie bei 295,60 Euro, ein Plus von 1,3 Prozent zum Vortag. Auf Jahressicht steht immer noch ein Plus von 72 Prozent zu Buche – eine Zahl, die daran erinnert, wie sehr der Markt diesen Konzern in den vergangenen zwölf Monaten neu bewertet hat. Und doch liegt der Kurs mittlerweile 16 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch. Zwischen Euphorie und Zweifel liegt bei Alphabet derzeit nur eine Ankündigung.
Wenn Wachstum zur Belastung wird
Die eigentliche Geschichte dieser Tage ist keine Erfolgsmeldung, sondern eine Kostenfrage. Alphabet hat seine Kapitalausgaben-Prognose für 2026 auf bis zu 205 Milliarden Dollar angehoben – zuvor war von maximal 190 Milliarden die Rede. Die Aktie reagierte darauf mit einem Rücksetzer von 7 Prozent, wie eine Analyse von Barron’s zeigt.
Für 2027 hat der Konzern bereits angekündigt, dass die Investitionen „deutlich höher“ ausfallen sollen. Das ist die paradoxe Lage, in der sich derzeit alle großen KI-Hyperscaler befinden: Je erfolgreicher das Cloud-Geschäft wächst, desto hungriger wird der Kapitalbedarf.
Und Google Cloud wächst tatsächlich beeindruckend. Der Umsatz legte im zweiten Quartal um 82 Prozent zu, der Auftragsbestand liegt bei über 460 Milliarden Dollar. Erstmals generierten auch die hauseigenen TPU-Chips direkt Umsatz – ein Detail, das langfristig wichtiger sein könnte als die Wachstumsrate der Cloud-Sparte selbst, weil es zeigt, dass Alphabet nicht mehr nur Nutzer von Fremd-Hardware ist, sondern selbst zum Anbieter wird.
Schulden, Anleihen, ein Optionsschein
Wie finanziert man einen derartigen Investitionsappetit? Alphabet fährt gleich mehrgleisig. Neben der Kapitalerhöhung über 80 Milliarden Dollar – 30 Milliarden über ein Aktienangebot, 40 Milliarden über ein ATM-Programm, 10 Milliarden von Berkshire Hathaway selbst – hat der Konzern am Freitag eine Unternehmensanleihe über 3,5 Milliarden Dollar mit 4,875 Prozent Kupon und Fälligkeit 2031 begeben, bewertet mit Aa2 von Moody’s. Zusätzlich plant Alphabet die erste Yen-Anleihe seiner Geschichte, um die KI-Infrastruktur auch außerhalb des Dollarraums zu finanzieren. Erst vergangene Woche kamen bereits 17 Milliarden Dollar in Euro und kanadischen Dollar hinzu.
Bezeichnend auch: Alphabet bezahlt seine Chip-Lieferanten inzwischen teilweise nicht mehr nur in bar. Für Bestellungen bei Marvell erhielt der Konzern einen Optionsschein über knapp 59 Millionen Aktien, umgerechnet rund 7 Prozent an Marvell, zu einem Ausübungspreis von 206,58 Dollar.
Die Ausübung würde Alphabet 12,2 Milliarden Dollar kosten – ein cleverer Schachzug, der zeigt, wie eng Cloud-Riesen und Chip-Zulieferer inzwischen miteinander verflochten sind. Wer bezahlt hier eigentlich wen?
Rechtliche Nebenschauplätze bleiben
Während die große Finanzierungsgeschichte die Schlagzeilen dominiert, laufen im Hintergrund weiter rechtliche Auseinandersetzungen. Ein US-Bezirksrichter lehnte am Samstag den Antrag von Google, Meta und TikTok ab, das kalifornische Jugendschutzgesetz SB 976 während des Berufungsverfahrens auszusetzen.
Das Gericht sah keinen irreparablen Schaden durch die Regeln zu personalisierten Feeds. Kein Beben für die Bilanz, aber ein weiteres Beispiel dafür, dass Alphabet an mehreren regulatorischen Fronten gleichzeitig kämpft.
Die Analystenmehrheit bleibt trotz der jüngsten Kursschwankungen optimistisch, mit Kurszielen, die deutlich über dem aktuellen Niveau liegen. Doch die Diskrepanz zwischen Rekordwachstum bei Cloud und TPU-Umsätzen auf der einen und explodierenden Investitionssummen auf der anderen Seite wird die Debatte um Alphabet in den kommenden Quartalen prägen. Der Konzern wettet auf die Zukunft der künstlichen Intelligenz – die Frage ist, wie teuer diese Wette am Ende wirklich wird.
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