Alphabet Aktie: Reicht die KI-Entspannung?

UBS sieht weniger KI-Konkurrenzsorgen, während BofA bei Google Search unter der Markterwartung bleibt und Alphabets Investitionen im Fokus stehen.

Die Kernpunkte:
  • UBS-Kursziel steigt auf 380 US-Dollar
  • Einstufung Neutral bleibt unverändert
  • BofA-Umfrage sieht ChatGPT bei Zusatzbudgets vorn
  • Alphabet erwartet 200 Milliarden Dollar Investitionen

UBS hat gestern das Kursziel für Alphabet leicht angehoben, hält aber an der Einstufung „Neutral“ fest. Analyst Stephen Ju erhöhte seine Zielmarke von 379 auf 380 US-Dollar. Seine Begründung beschreibt die Lage vor den nächsten Quartalszahlen: Sorgen über die Konkurrenz durch KI und ChatGPT lassen nach, klare kurzfristige Kurstreiber fehlen jedoch.

Weniger KI-Sorgen reichen nicht für Kaufempfehlung

Die Anpassung fällt entsprechend zurückhaltend aus. UBS bewertet die nachlassenden Befürchtungen zur KI-Suchkonkurrenz positiv, leitet daraus aber keine Kaufempfehlung ab. Das unveränderte Urteil begrenzt damit die Signalwirkung des höheren Kursziels.

Für Anleger sind dabei zwei Fragen zu trennen: Wie widerstandsfähig bleibt Googles bestehendes Suchgeschäft? Und wohin fließen zusätzliche Werbebudgets? Eine Entspannung bei der ersten Frage bedeutet nicht automatisch, dass Alphabet auch bei der zweiten die stärkste Position einnimmt.

Genau hier setzt eine Umfrage von BofA an. Sie liefert einen Gegenpunkt zur entspannteren Einschätzung von UBS, ohne bereits einen tatsächlichen Umsatzverlust für Google zu belegen.

ChatGPT konkurriert um zusätzliche Werbegelder

BofA befragte für eine Research-Notiz vom 7. Oktober insgesamt 117 Werbetreibende und Agenturen. Für die stärkste Steigerung ihrer Werbeausgaben nannten 26 Prozent ChatGPT und 19 Prozent Google Search.

Diese Antworten betreffen die geplante Budgetentwicklung, nicht die absolute Größe der Werbegeschäfte. Sie sind deshalb kein Beleg dafür, dass ChatGPT Google bereits bei den Werbeerlösen überholt. Sie zeigen vielmehr, dass zusätzliche Ausgaben stärker umkämpft sein könnten.

Für das dritte Quartal 2026 erwartet BofA bei Google Search ein Umsatzwachstum von rund 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Wall-Street-Prognose liegt bei 15 Prozent.

BofA rechnet damit weiterhin mit Wachstum, bleibt aber unter der breiteren Markterwartung. Für die Einordnung der kommenden Zahlen wird deshalb nicht nur entscheidend sein, ob die Suche zulegt. Ebenso wichtig ist, ob Alphabet die Erwartungen an das Wachstum erfüllt.

Quartalszahlen müssen Investitionen einordnen

Alphabet veröffentlicht seine Zahlen zum dritten Quartal 2026 am 28. Oktober. Der Bericht ist der nächste konkrete Termin, an dem Anleger die Einschätzungen zum Suchgeschäft mit der tatsächlichen Entwicklung abgleichen können.

Daneben steht das Cloud-Geschäft im Fokus. Im zweiten Quartal 2026 stieg dessen Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 82 Prozent; die operative Marge betrug 36 Prozent.

Die starke Entwicklung bildet einen wichtigen Hintergrund für Alphabets Ausbau der Infrastruktur. Sie beantwortet allerdings noch nicht die Frage, wie schnell sich die hohen Ausgaben in zusätzlichen Erlösen niederschlagen.

Alphabet erwartet für 2026 Investitionen von rund 200 Milliarden US-Dollar, fast vollständig für Rechenzentren. Die TPU-Umsätze sollen laut Unternehmen bis Jahresende anziehen; der Großteil wird für 2027 erwartet.

Damit liegt die Hürde für eine überzeugendere Börsenperspektive klar: Alphabet muss die Widerstandsfähigkeit der Suche und die wirtschaftlichen Erträge des KI-Ausbaus belegen. Das leicht höhere UBS-Kursziel nimmt diesen Nachweis nicht vorweg.

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