Amazon Aktie: 100 Prozent Strafzoll-Drohung aus Washington
Schwächere Ausgaben pro Haushalt am Prime Day und neue US-Zolldrohungen gegen Digitalkonzerne setzen Amazon unter Druck.

- Prime Day mit sinkenden Durchschnittsausgaben
- US droht mit 100% Zoll auf Digitalsteuer
- EU kündigt entschlossene Reaktion an
- Quartalszahlen am 30. Juli erwartet
Amazon schloss die Woche mit einem Fragezeichen. Freitag legte die Aktie zwar 2,10 Prozent zu und beendete den Handel bei 203,90 Euro. Über sieben Tage steht dennoch ein Minus von gut vier Prozent. Zwei Ereignisse haben die letzten Handelstage geprägt: das Ende von Prime Day 2026 und eine neue geopolitische Drohung gegen US-Digitalkonzerne in Europa.
Prime Day: Starke Gesamtzahlen, schwächere Einzelkäufer
Der viertägige Prime Day endete am Freitag, dem 26. Juni. Amazon hat das Event erstmals seit fünf Jahren in den Juni vorgezogen — bislang war Juli der feste Termin.
Die Gesamtzahlen klingen beeindruckend. Am ersten Tag gaben US-Verbraucher über alle Händler hinweg 8,3 Milliarden Dollar aus — fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Das Marktforschungsunternehmen Adobe prognostizierte für alle vier Tage rund 26,3 Milliarden Dollar, ein Wachstum von etwa neun Prozent.
Soweit so gut. Auf Haushaltsebene sieht es anders aus.
Der durchschnittliche Haushalt gab 143,45 Dollar aus — gegenüber 156,37 Dollar im Vorjahr. Die mittlere Bestellgröße sank von 53,34 auf 47,66 Dollar. Knapp 70 Prozent aller gekauften Artikel kosteten weniger als 20 Dollar. Nur drei Prozent lagen über 100 Dollar.
Hinzu kommt: Die Kundenzufriedenheit mit den Angeboten fiel auf 59 Prozent, nach 68 Prozent im Vorjahr. Die Marketingfirma PMG beobachtete flachere Rabatte als 2025. Amazon selbst äußerte sich nicht zu konkreten Umsatzzahlen und erklärte lediglich, man sei „mit der positiven Kundenresonanz zufrieden“.
Digitale Steuer als neues Handelsrisiko
Kurz vor dem Wochenende kam die eigentlich beunruhigendere Nachricht. US-Präsident Donald Trump drohte mit einem Strafzoll von 100 Prozent auf Importe aus Ländern, die US-Digitalkonzerne mit einer sogenannten Digital Services Tax belasten. Rund die Hälfte der europäischen OECD-Mitglieder hat solche Steuern bereits eingeführt, angekündigt oder zumindest vorgeschlagen.
Diese Abgaben treffen gezielt große Plattformen ohne physische Präsenz im jeweiligen Land — also Unternehmen wie Meta, Alphabet und Amazon. Digitale Dienststeuern waren nicht Teil des EU-US-Handelsabkommens vom Mai, das die meisten Zölle auf EU-Exporte bei 15 Prozent gedeckelt hat. Sie bleiben ein offener Streitpunkt.
Die EU-Kommission reagierte scharf. Sprecher Olof Gill nannte einseitige Maßnahmen gegen digitale Steuern „ungerechtfertigt“ und kündigte an, die EU werde „schnell und entschlossen reagieren“. Die Steuer sei nicht diskriminierend, da sie für alle großen Konzerne unabhängig ihrer Herkunft gelte.
Unklar bleibt, auf welcher rechtlichen Grundlage Trump die Strafzölle verhängen könnte. Der Supreme Court hatte seine weitreichenden globalen Zölle früher in diesem Jahr gekippt.
Quartalszahlen am 30. Juli
Mit dem Ende von Prime Day rückt nun das Q2-Ergebnis in den Mittelpunkt. Amazon hat für das zweite Quartal einen Nettoumsatz zwischen 194 und 199 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt — unter der Annahme, dass Prime Day in den meisten großen Märkten im Q2 stattfindet. Das operative Ergebnis soll zwischen 20 und 24 Milliarden Dollar liegen.
Die Zahlen erscheinen am 30. Juli nach US-Börsenschluss. Im ersten Quartal hatte Amazon mit einem Gewinn je Aktie von 2,78 Dollar die Analystenerwartungen von 1,64 Dollar um fast 70 Prozent übertroffen.
Charttechnisch hält sich die Aktie knapp über der 200-Tage-Linie bei 199,98 Euro. Der Abstand beträgt weniger als zwei Prozent — ein dünnes Polster. Der RSI von 40,9 signalisiert leicht überverkaufte Bedingungen. Ob die Unterstützung hält, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie der Markt die Q2-Zahlen und den weiteren Verlauf des Digitalsteuer-Streits bewertet.
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