Amazon Aktie: 210 Milliarden Dollar Capex erwartet
Amazon-Aktie fällt nach Ankündigung einer Senatsuntersuchung zu China-Verknüpfungen und wegen steigender KI-Investitionen. Der freie Cashflow schrumpft drastisch.

- Kursrutsch von über vier Prozent
- Senatsausschuss prüft China-Vorwürfe
- KI-Investitionen belasten Cashflow massiv
- Quartalszahlen am 30. Juli erwartet
Die Aktie von Amazon musste am Donnerstag einen deutlichen Rücksetzer verkraften, wobei das Papier mit einem Minus von 4,42 % bei 205,30 € aus dem Handel ging. Zwei wesentliche Faktoren belasteten die Stimmung der Marktteilnehmer: Eine neue Untersuchung des US-Senats bezüglich mutmaßlicher chinesischer Einflussnahme auf den Amazon-Marktplatz sowie wachsende Sorgen über die massiven Investitionsausgaben im Bereich der künstlichen Intelligenz. Der jüngste Kursrutsch vergrößert den Abstand zum 52-Wochen-Hoch vom 5. Mai 2026 auf nunmehr -13,76 %.
Senatsuntersuchung wegen chinesischer Einflussnahme
Ein Ausschuss des US-Senats für Kleinunternehmen (Small Business Committee) hat eine Untersuchung gegen Amazon eingeleitet. Hintergrund sind Vorwürfe, wonach chinesische Akteure unzulässigen Einfluss auf den Marktplatz des E-Commerce-Riesen ausüben könnten. Berichten zufolge haben republikanische Mitarbeiter des Ausschusses „überzeugende Beweise“ für Fahrlässigkeit seitens des Unternehmens gefunden. Im Kern geht es um einen mutmaßlichen Bestechungsmarkt, bei dem Amazon-Mitarbeiter in China Vorteile an Verkäufer vergeben haben sollen.
Dies ist für den Konzern von erheblicher Bedeutung, da Dritthanbieter mittlerweile rund 60 % des gesamten Absatzvolumens auf der Plattform ausmachen. Amazon bestreitet die Vorwürfe und sieht sich bereits mit weiteren wettbewerbsrechtlichen Herausforderungen und Klagen wegen täuschender Praktiken konfrontiert. Parallel zu den regulatorischen Problemen gab das Unternehmen am 22. Juli zudem personelle Einschnitte bekannt und entließ Mitarbeiter in der Sparte für künstliche allgemeine Intelligenz (AGI).
Investitionsboom belastet den freien Cashflow
Zusätzlich zur regulatorischen Unsicherheit lasten branchenweite Bedenken hinsichtlich der Rentabilität von KI-Investitionen auf dem Sektor. Nachdem der Konkurrent Alphabet seine Prognosen für die Investitionsausgaben (Capex) deutlich angehoben hatte, gerieten die Kurse der sogenannten „Magnificent Seven“ unter Druck. Analysten der Bank of America rechnen damit, dass Amazon seine eigenen Investitionsplanungen für das Jahr 2026 auf bis zu 210 Milliarden USD erhöhen könnte.
Diese enormen Summen spiegeln sich bereits in der Bilanz wider: Der operative Cashflow wird fast vollständig von den Investitionsausgaben aufgezehrt. In den vergangenen zwölf Monaten (TTM) sank der freie Cashflow um 95 % auf nur noch 1,2 Milliarden USD. Dennoch halten Experten die Ausgaben für notwendig, um die Kapazitäten der Cloud-Sparte AWS auszubauen. Laut Analyst Justin Post von der Bank of America bleibe die Aktie mit einem Kursziel von 310 USD ein Kaufkandidat, da das Wachstum bei AWS und die Margenentwicklung im Einzelhandel weiterhin positiv zu bewerten seien.
Fokus auf das kommende Quartalsergebnis
Die Anleger blicken nun mit Spannung auf den 30. Juli 2026, wenn Amazon seine Ergebnisse für das zweite Quartal vorlegen wird. Im Fokus stehen dabei insbesondere das Wachstum der Cloud-Sparte AWS, das zuletzt im ersten Quartal bei 28 % lag, sowie die Prognosen für die zweite Jahreshälfte. Morningstar beziffert den fairen Wert der Aktie auf 280 USD und stuft das Unternehmen trotz der aktuellen Unsicherheiten als moderat unterbewertet ein.
Analysten von Wedbush bestätigten unterdessen ihr „Outperform“-Rating mit einem Kursziel von 293 USD. Sie erwarten eine anhaltende Stärke im Cloud-Bereich und solide Margen im Kerngeschäft, mahnen jedoch, dass der Fokus der Investoren in den kommenden Monaten verstärkt auf dem Verhältnis zwischen Investitionshöhe und Cashflow-Generierung liegen dürfte. Die Marktteilnehmer spekulieren zudem darüber, ob Amazon im Zuge der Zahlenbekanntgabe neue Kooperationen zur Erweiterung der KI-Kapazitäten verkünden wird.
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