Amazon Aktie: Angriff auf Walmart

Amazon will sein US-Netz für taggleiche Lieferungen bis 2031 stark ausbauen, investiert Milliarden und erhöht zugleich die Löhne.

Die Kernpunkte:
  • Mehr als 1.000 Lieferzentren bis 2031 geplant
  • 6,8 Milliarden Dollar für Logistik vorgesehen
  • Amazon hebt US-Mindestlohn auf 20 Dollar
  • EU-Gebühr für Kleinpakete ab November geplant

Amazon plant den größten Umbau seines Logistiknetzwerks seit Jahren. Ein internes Projekt mit dem Namen „Project Mercury“ soll die Zahl der Same-Day-Fulfillment-Center von aktuell rund 85 auf mehr als 1.000 bis zum Jahr 2031 erhöhen. Ziel ist klar umrissen: Amazon will Walmart dessen wichtigsten Standortvorteil streitig machen — Tausende Filialen in unmittelbarer Kundennähe.

Die neuen, kleineren Zentren sollen in einem Radius von 16 Kilometern um 80 Prozent aller US-Prime-Abonnenten entstehen und jeweils rund 90.000 gängige Produkte vorrätig halten, von Lebensmitteln bis zu Medikamenten. Ergänzt wird das Konzept durch kompaktere Anlagen im Rahmen des sogenannten Orbital-Systems, die täglich etwa 75.000 verderbliche und eilige Bestellungen abwickeln sollen.

Für 2026 und 2027 sind rund 6,8 Milliarden Dollar an Investitionen vorgesehen, intern rechnet Amazon über zehn Jahre mit einem wirtschaftlichen Nutzen von 7,1 Milliarden Dollar. Das Unternehmen betont selbst, die Zahlen seien vorläufig.

Milliardeninvestition in die eigene Belegschaft

Parallel zur Logistik-Offensive schraubt Amazon auch bei den Personalkosten nach oben. Der Mindeststundenlohn für Vollzeitkräfte im operativen US-Geschäft steigt um einen Dollar auf 20 Dollar, der Durchschnittslohn nähert sich 24 Dollar.

Inklusive Zusatzleistungen wie Krankenversicherung, kostenloser Prime-Mitgliedschaft und Bildungsprogrammen soll die Gesamtvergütung künftig über 32 Dollar pro Stunde liegen — mehr als bei Walmart, Target oder Costco.

Neu ist zudem „Day 1 Financial“, ein lebenslanger Bankzugang über die First Tech Federal Credit Union, der ab Ende 2026 startet und 2027 breit verfügbar sein soll. Ab dem 1. Oktober erhalten Mitarbeitende außerdem einen unbegrenzten Rabatt von 10 Prozent auf Lebensmittel bei Amazon und Whole Foods online, im Whole-Foods-Laden sogar 20 Prozent.

Stromdeal mit Generac und regulatorischer Gegenwind aus Brüssel

Für Aufsehen sorgte am Mittwochabend auch eine Vereinbarung mit dem Stromaggregat-Hersteller Generac: Amazon erhielt Optionsscheine auf bis zu 340 Millionen Dollar in Generac-Aktien, als Gegenleistung für Backup-Generatoren, die künftig Amazons Rechenzentren absichern sollen.

Die Lieferungen im Volumen von 2,4 Milliarden Dollar sind für 2027 und 2028 vorgesehen — ein weiteres Signal, wie stark der Konzern seine KI- und Cloud-Infrastruktur physisch absichert.

Aus Straßburg kommt derweil Gegenwind für das Kerngeschäft: Das EU-Parlament hat einer neuen Bearbeitungsgebühr für Kleinpakete aus dem Online-Handel endgültig zugestimmt. Ab November soll die Abgabe greifen, die genaue Höhe legt die EU-Kommission erst noch fest. Betroffen wären neben Shein und Temu auch Amazons Marktplatzgeschäft in Europa.

Die kommenden Wochen dürften zeigen, wie viel vom „Project Mercury“ tatsächlich Investitionsrealität wird. Bis 2027 fließen zunächst die angekündigten 6,8 Milliarden Dollar in die Same-Day-Infrastruktur — der eigentliche Wettlauf mit Walmart um die letzte Meile beginnt damit erst.

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