Amazon Aktie: AWS-Backlog gegen Regulierungsdruck

Amazon-Aktie vor Quartalszahlen: AWS-Auftragsbestand von 485 Mrd. Dollar steht gegen wachsenden regulatorischen Druck der FTC.

Die Kernpunkte:
  • AWS-Auftragsbestand erreicht 485 Milliarden Dollar
  • FTC-Untersuchung des Werbegeschäfts droht
  • Quartalszahlen Ende Juli als entscheidender Kurstreiber
  • RSI signalisiert überverkaufte Marktlage

Amazon-Aktien schließen am Freitag bei 204,10 Euro. Das sind 14,26 Prozent unter dem Rekordhoch von 238,05 Euro aus dem Mai. Trotzdem steht für das Jahr noch ein Plus von 3,63 Prozent zu Buche.

Die Wall Street konzentriert sich jetzt auf einen einzigen Termin: die Zahlen zum zweiten Quartal, die Ende Juli erwartet werden. Der Report könnte zum wichtigsten Ereignis des Sommers werden. Der 14-Tage-RSI liegt bei 38,2 und signalisiert eine überverkaufte Marktlage. Der Kurs notiert unter dem 50-Tage- und dem 100-Tage-Durchschnitt, hält sich aber knapp über der 200-Tage-Linie.

Die entscheidende Frage: Zahlt sich das Cloud-Investment aus?

Ein Faktor wird über die nächste Kursbewegung entscheiden: Kann AWS beweisen, dass sein beschleunigtes Wachstum und der wachsende Auftragsbestand schnell genug in Profitabilität münden? Nur so lässt sich der massive Kapitalaufwand rechtfertigen, der aktuell den freien Cashflow belastet.

Amazon selbst hat für das zweite Quartal einen Umsatz zwischen 194 und 199 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt. Diese Spanne gibt Investoren einen konkreten Maßstab, an dem sie die Wachstumsdynamik ablesen können. Bestätigt das Management seine Zuversicht bei der Monetarisierung der Infrastruktur, dürfte das den Ton für die nächste Kursrichtung setzen. Signalisiert es dagegen weiteren Margendruck, könnte das genauso gut ins Gegenteil kippen.

Bullisches Szenario: Ein Backlog, der weiterwächst

Die optimistische Sichtweise stützt sich auf die Auftragspipeline von AWS. Analysten verweisen auf einen Auftragsbestand von 485 Milliarden Dollar als Grund, ihre langfristigen Wachstumsprognosen kräftig anzuheben.

KeyBanc bestätigt sein Overweight-Rating, hebt das Kursziel an und erhöht die AWS-Wachstumsprognose auf 31 Prozent im Jahresvergleich. Die Bank argumentiert, kurzfristiger Margendruck spiegle vor allem Amazons Anstrengungen wider, sich als wichtiger Lieferant knapper KI-Rechenkapazität zu positionieren.

Die hauseigenen Chips liefern ein weiteres Argument für die Bullen. Trainium und Graviton erzielen zusammen über 20 Milliarden Dollar Jahresumsatz. Für Trainium liegen bereits Umsatzzusagen über 225 Milliarden Dollar vor, darunter ein Großauftrag von Anthropic und eine separate Vereinbarung mit OpenAI. Bestätigt das Management, dass sich dieser Auftragsbestand tatsächlich in Umsatz verwandelt, könnte das durchschnittliche Analysten-Kursziel von 275,32 Euro erreichbar erscheinen — ein Aufwärtspotenzial von knapp 35 Prozent gegenüber dem Freitagsschluss.

Bärisches Szenario: Kapitalaufwand und wachsender Regulierungsdruck

Die Risikoseite ist ebenso konkret. Der freie Cashflow leidet spürbar unter dem Ausbau der KI-Infrastruktur, und der Markt reagiert bereits empfindlich auf jedes Anzeichen, dass die Rendite hinter den Ausgaben zurückbleibt.

Neben der Bilanz wächst auch der regulatorische Druck. Die US-Handelsaufsicht FTC hat Berichten zufolge eine mögliche Beschwerde gegen Amazons Werbegeschäft vorbereitet — im Rahmen einer laufenden Untersuchung, die damit zur dritten großen Front der Behörde gegen den Konzern wird. Die FTC könnte den Fall noch in diesem Sommer per Klage oder Vergleich lösen, eine finale Entscheidung braucht aber die Zustimmung der Kommissare.

Parallel dazu läuft bereits das bestehende Monopolverfahren rund um den Amazon-Marktplatz. Rechtsbeobachter erwarten hier einen Prozessbeginn Anfang 2027. Beide Verfahren stecken noch in der Untersuchungs- beziehungsweise Vorprozessphase — nichts ist entschieden. Trifft eine formelle FTC-Beschwerde aber zeitlich mit den Quartalszahlen zusammen, könnte die Summe der offenen Fragen zusätzlich auf die Stimmung drücken.

Ausblick: Zahlen und Chartmarken im Blick

Die überverkaufte Lage laut RSI und der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt eröffnen Raum für eine Erholung. Bestätigt AWS eine Wachstumsbeschleunigung und beruhigt das Management die Sorgen um die Kapitalrendite, könnte eine Erleichterungsrally den Kurs zurück Richtung 100-Tage- oder 200-Tage-Durchschnitt tragen — und bei anhaltend positiver Backlog-Story mittelfristig sogar einen erneuten Test des Rekordhochs vorbereiten.

Signalisiert das Management dagegen weiteren Margendruck, oder verdichtet sich die FTC-Werbeuntersuchung zu einer formellen Beschwerde, droht der Kurs weiter Richtung 200-Tage-Durchschnitt bei 202,35 Euro oder darunter abzurutschen. Der nächste konkrete Prüfstein steht damit fest: die Quartalszahlen, erwartet in den letzten Julitagen. Sie werden zeigen, ob der AWS-Auftragsbestand tatsächlich in die Profitabilität übersetzt, die den aktuellen Investitionskurs rechtfertigt — und ob der wachsende Regulierungsdruck in der zweiten Jahreshälfte zum größeren Kursrisiko wird.

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