Amazon Aktie: Charttechnik schlägt Alarm

Amazon-Aktionäre kennen die Schwankungen ihres Titels – dieses Jahr ging es zwischenzeitlich um rund 40 Prozent nach oben. Jetzt mehren sich jedoch technische Warnsignale, die eine tiefere Korrektur andeuten. Der Kurs ist unter eine wichtige Unterstützung gerutscht und hat damit ein Verkaufssignal ausgelöst.

Vom Rekordhoch in den Abwärtstrend

Anfang August markierte Amazon bei rund 285 US-Dollar ein Allzeithoch, getragen von starken Quartalszahlen und Bewertungsgewinnen bei den Beteiligungen an Anthropic und SpaceX. Seither geht es bergab. Weder der RSI noch der MACD konnten das Rekordhoch mit eigenen Höchstständen bestätigen – eine sogenannte bearishe Divergenz, die sich oft als Vorbote einer Trendwende erweist.

Am Montag fiel die Aktie erneut unter die 50-Tage-Linie. Der MACD notiert inzwischen unter seiner Signal- und der Nulllinie, was auf einen sich verfestigenden Abwärtstrend hindeutet.

Die nächste Unterstützung liegt bei etwa 250 US-Dollar, darunter würde die 200-Tage-Linie bei rund 240 US-Dollar zur Anlaufstelle. Historisch fielen Korrekturen bei Amazon in diesem Jahr um rund 20 Prozent aus – vom Allzeithoch aus gerechnet entspräche das einem Rutsch bis in den Bereich um 230 US-Dollar.

Verschärft wird das Bild durch ein branchenweites Störfeuer: Steigende Realzinsen und Rekordrenditen bei US-Staatsanleihen lassen die milliardenschweren KI-Investitionen der Hyperscaler teurer erscheinen. Hinzu kommen Sicherheitsbedenken nach einem Angriff autonomer KI-Software auf Hugging Face, die selbst Branchengrößen wie Anthropic-Chef Dario Amodei zu einer Entwicklungspause mahnen.

Bilanz zeigt Kehrseite der KI-Wette

Auf den ersten Blick wirkt Amazon mit einem Forward-KGV von 19,9 für 2026 und einem PEG-Verhältnis unter eins günstig bewertet. Die Kennziffern stützen sich derzeit aber stärker auf Bewertungsgewinne als auf operative Fortschritte.

Die Nettoverschuldung hat sich binnen eines Jahres auf 128,7 Milliarden US-Dollar nahezu verdoppelt, die Zinsaufwendungen kletterten von 516 Millionen auf 1,31 Milliarden US-Dollar. Im vergangenen Quartal verzeichnete der Konzern zudem Mittelabflüsse von 3,6 Milliarden US-Dollar.

Ohne die Buchgewinne aus der Anthropic-Beteiligung stünde die Bilanz deutlich schwächer da. Lässt die KI-Euphorie weiter nach, könnten genau diese unrealisierten Gewinne zum Belastungsfaktor werden.

Parallel zur charttechnischen Schwäche bereitet Amazon operativ das Weihnachtsgeschäft vor: Die „Prime Big Deal Days“ sind für den 6. und 7. Oktober angesetzt, erste Rabattaktionen laufen bereits seit heute. Ob das Shopping-Event der Aktie kurzfristig Rückenwind gibt, bleibt von der übergeordneten Zinsdebatte überlagert – ein technisch bestätigtes Kaufsignal wäre nötig, um die Verlustrisiken zur Oberseite hin zu neutralisieren.

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