Amazon Aktie: Chips raus aus der Bilanz
Der Konzern sondiert eine Finanzierung über externe Investoren; Prime-Preise und die ausgesetzte Zusammenarbeit mit 21 Air sorgen ebenfalls für Schlagzeilen.

- Nvidia-Chips sollen in Zweckgesellschaft wechseln
- Rückmiete durch Amazon ist vorgesehen
- Prime-Preiserhöhung von 2022 gekippt
- Zusammenarbeit mit 21 Air vorerst ausgesetzt
Amazon will sich offenbar von einem Teil seiner teuersten KI-Hardware trennen, ohne sie wirklich aus der Hand zu geben. Der Konzern lotet aus, Nvidia-Chips im Wert von rund 8 Milliarden Dollar an externe Investoren zu übertragen und sie anschließend zurückzumieten. Die Aktie schloss zuletzt bei 248,23 Dollar, nachbörslich lag sie leicht im Plus.
Chips in einer Zweckgesellschaft
Nach den bekannt gewordenen Plänen sollen tausende Grace-Blackwell-Chips in eine eigene Zweckgesellschaft wandern. Die Prozessoren stehen in mehr als einem Dutzend US-Rechenzentren in fünf Bundesstaaten, darunter Nevada und Virginia. Amazon hat sie gekauft oder geleast. Die Gesellschaft würde sich über Schulden bei externen Investoren finanzieren und die Chips an Amazon vermieten.
Eine Beteiligung von bis zu 10 Prozent an dem Vehikel soll Investoren zusätzlich angeboten werden. Amazon hat in den vergangenen Wochen offenbar Interesse sondiert. Eine offizielle Bestätigung des Konzerns liegt bislang nicht vor.
Das Ziel: eine schlankere Bilanz. Marktbeobachter sehen darin einen Trend unter den großen Cloud-Anbietern, die den enormen Kapitalbedarf für KI-Rechenzentren weniger über die eigene Bilanz stemmen wollen. Amazon selbst plant in diesem Jahr Investitionen von über 200 Milliarden Dollar, der Großteil fließt in die Cloud-Sparte AWS.
Gegenwind aus Karlsruhe und Miami
Abseits der Finanzierung gab es weitere Nachrichten. Der Bundesgerichtshof kippte die Preiserhöhung bei Prime aus dem September 2022. Die Klauseln verstoßen gegen das Transparenzgebot. Amazon kündigte an, den Beitrag vorübergehend für Kunden anzupassen, deren Mitgliedschaft vor dem 15. September 2022 begann. Schon gezahlte Gebühren sind Gegenstand eines gesonderten Verfahrens.
Zudem liegt der vorläufige Untersuchungsbericht zum Absturz eines Frachtflugzeugs vor, das 21 Air im Auftrag von Amazon Air betrieb. Bei dem Unglück in Miami am 6. September starben fünf Menschen.
Die Piloten kannten die Windverhältnisse nicht, die Fluglotsin oder der Fluglotse gab sie bei der Landefreigabe nicht durch. Die Maschine setzte zu schnell auf, Bremsklappen und Schubumkehr blieben ungenutzt. Amazon hat die Zusammenarbeit mit 21 Air vorerst ausgesetzt.
Neue Kindle-Reihe
Auf der Produktseite stellte Amazon eine überarbeitete Kindle-Familie vor. Das neue Standardmodell kostet ab 149,99 Dollar, der Paperwhite ab 199,99 Dollar. Der Farbleser Colorsoft startet bei 289,99 Dollar. Für die Konzernzahlen dürfte das Geschäft kaum ins Gewicht fallen.
Wichtiger bleibt die Chip-Konstruktion: Ob Investoren die Zweckgesellschaft annehmen und zu welchen Konditionen, entscheidet darüber, wie viel Entlastung die Bilanz tatsächlich erfährt.
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