Amazon Aktie: Citi bleibt Fan trotz FTC-Klage
Citi bestätigt Amazons Kaufempfehlung trotz FTC-Vorwürfen. AWS und Werbung wachsen weiter, während die Nachfrageentwicklung offen bleibt.

- FTC klagt wegen interner Werbeaufschläge
- Citi sieht Kursschwäche als Einstiegschance
- AWS wächst im zweiten Quartal um 37 Prozent
- Werbegeschäft legt um 26 Prozent zu
Eine Klage der US-Handelsaufsicht wegen mutmaßlich verdeckter Werbeaufschläge hat den Kurs zuletzt belastet. Citi lässt sich davon nicht beeindrucken und hält Amazon weiter für den Top-Pick unter den Technologiewerten.
FTC wirft Amazon jahrelange Preistricks vor
Die FTC und Generalstaatsanwälte aus 22 US-Bundesstaaten reichten Ende August Klage gegen Amazon ein. Der Vorwurf: Der Konzern habe über sieben Jahre hinweg unangekündigt einen internen Preisaufschlag in seine Werbeauktionen eingebaut. Der Anteil der Fälle, in denen Werbetreibende exakt ihr eigenes Gebot zahlen mussten, sei von 30 bis 40 Prozent im Jahr 2021 auf rund 80 Prozent bis 2024 gestiegen.
Amazon weist die Vorwürfe zurück und nennt die Klage „misguided“. Der Konzern verweist darauf, dass die inflationsbereinigten Kosten pro Klick zwischen 2019 und 2024 unverändert geblieben seien, während die Konversionsraten im gleichen Zeitraum kräftig zugelegt hätten. Nach Bekanntwerden der Klage gab die Aktie nach, konnte sich zuletzt aber wieder stabilisieren.
Citi sieht Kaufgelegenheit, Analysten bleiben bullish
Citi-Analyst Ronald Josey bekräftigte seine Buy-Einstufung mit einem Kursziel von 350 US-Dollar und wertet die jüngste Kursschwäche als Einstiegschance. Als Treiber nennt er die weiter robuste Werbenachfrage sowie ein sich beschleunigendes AWS-Wachstum durch den KI-Boom. Der breitere Analystenkonsens aus 40 erfassten Häusern fällt mit 39 Kauf- und nur einer Halte-Einstufung klar positiv aus, die Kursziele reichen von 250 bis 400 US-Dollar.
Gestützt wird der Optimismus durch operative Fortschritte bei AWS. Die Cloud-Sparte ging eine Kooperation mit Cognition ein, um den KI-Assistenten Devin einzusetzen, und sicherte sich einen milliardenschweren Liefervertrag mit Generac für Notstromaggregate.
Im Rahmen der Partnerschaft mit Nvidia sollen 2027 und 2028 mehr als zwei Millionen Grafikprozessoren zum Einsatz kommen. Belastend wirkt dagegen, dass der Zugang zu einer AWS-Einrichtung in Bahrain wegen kriegsbedingter Schäden nicht wiederhergestellt werden kann.
Auch beim Ausbau der physischen Infrastruktur tut sich etwas: Für ein Rechenzentrum in Ohio setzt AWS künftig auf mit einer emissionsarmen Technologie hergestelltes Aluminium in den Elektrokabeln — ein Baustein auf dem Weg zum selbstgesteckten Ziel der Klimaneutralität bis 2040.
Im zweiten Quartal 2026 wuchs AWS um 37 Prozent auf eine annualisierte Umsatzrate von 169 Milliarden US-Dollar, das Werbegeschäft legte um 26 Prozent zu. Ob sich Werbekunden angesichts der FTC-Klage tatsächlich von der Plattform abwenden oder Citis Einschätzung einer unveränderten Nachfrage bestätigt, dürfte sich spätestens zum für den 29. Oktober vorläufig angesetzten nächsten Zahlentermin zeigen.
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