Amazon Aktie: Die Chip-Finanzierung!

Amazon erwägt eine kreditfinanzierte Chip-Ausgliederung; ab 7. Oktober verteuert AWS ausgewählte reservierte GPU-Instanzen um mindestens 15 Prozent.

Die Kernpunkte:
  • Leasingmodell für KI-Chips wird geprüft
  • Unverbindliche Gespräche mit möglichen Geldgebern
  • 2026 sind 220 Milliarden Dollar Ausgaben geplant
  • AWS erhöht ausgewählte GPU-Tarife ab 7. Oktober

Der anhaltende Boom bei künstlicher Intelligenz stellt selbst die finanzstärksten Technologiekonzerne vor gewaltige Herausforderungen. Um den rasant steigenden Kapitalbedarf für Rechenzentren und Spezialprozessoren zu steuern, prüft Amazon Medienberichten zufolge eine ungewöhnliche Finanzierungsstruktur.

Der Online- und Cloud-Konzern erwägt demnach, Nvidia-KI-Chips der Grace-Blackwell-Generation im Wert von rund 8 Milliarden US-Dollar in eine Zweckgesellschaft auszugliedern und anschließend zurückzumieten.

An der Börse ging das Papier am Freitag mit einem Plus von 1,1 Prozent bei 223,40 Euro aus dem Handel. Auf Jahressicht verzeichnet der Titel damit ein Plus von 13 Prozent, bleibt mit einem Abstand von zehn Prozent jedoch unter seinem im August erreichten 52-Wochen-Hoch.

Zweckgesellschaft soll teure KI-Hardware finanzieren

Wie die Financial Times berichtet, sollen externe Investoren das geplante Spezialvehikel überwiegend über Kredite finanzieren. Amazon könnte im Gegenzug eine Beteiligung von bis zu 10 Prozent an der Gesellschaft abgeben. Die Transaktion betrifft nach Branchenschätzungen zwischen 114.000 und 133.000 hochentwickelte Beschleunigerchips, die bereits in mehr als einem Dutzend Rechenzentren in fünf US-Bundesstaaten installiert sind.

Ziel der Überlegungen ist es, die Konzernbilanz zu entlasten und einen kapitalärmeren Ansatz bei der Infrastruktur zu verfolgen. Bislang sind die Gespräche mit Geldgebern allerdings unverbindlich, und das Unternehmen hat die Verhandlungen nicht offiziell bestätigt.

Die Notwendigkeit alternativer Finanzierungswege wird durch die schiere Dimension der Investitionen unterstrichen: Für das Gesamtjahr 2026 rechnet Amazon mit Ausgaben von rund 220 Milliarden US-Dollar, die vor allem in den Ausbau der Cloud-Sparte AWS und neue Halbleiter fließen.

Margendruck führt zu höheren Tarifen für Cloud-Kunden

Die enormen Hardware-Aufwendungen schlagen sich zunehmend in den Cashflows nieder. In den zwölf Monaten bis Ende Juni 2026 verbuchte der Konzern bei den Sachinvestitionen einen Anstieg um 64 Prozent auf rund 169 Milliarden US-Dollar, was zu einem negativen Free Cashflow von minus 7,6 Milliarden US-Dollar führte. Zeitgleich stiegen die langfristigen Verbindlichkeiten zur Jahresmitte auf 133,0 Milliarden US-Dollar.

Parallel zur Bilanzsteuerung setzt Amazon nun an der Preisschraube für Cloud-Kunden an. Ab dem 7. Oktober hebt AWS die Tarife für ausgewählte reservierte Nvidia-GPU-Instanzen in US-Regionen um mindestens 15 Prozent an.

Ausgenommen von diesem Schritt bleiben bestehende Reservierungen, reguläre On-Demand-Kapazitäten sowie Amazons eigene Trainium-Prozessoren. Damit gibt der Konzern einen Teil der drastisch gestiegenen Infrastrukturkosten direkt an die gewerblichen Nutzer weiter.

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