Amazon Aktie: Jassy überzeugt Wall Street
Amazon übertrifft Erwartungen und erreicht dank überzeugender AWS-Erläuterungen eine Bewertung von drei Billionen Dollar. Die Cloud-Sparte treibt das Wachstum.

- Erstmals über drei Billionen Dollar Marktwert
- AWS-Wachstum übertrifft Analystenerwartungen
- Investitionsbudget auf 220 Milliarden erhöht
- UBS und Jefferies erhöhen Kursziele
Vier Tage nach den Zahlen ist die Euphorie um Amazon noch nicht verflogen. Am Montag kletterte die Aktie an der Nasdaq zeitweise um 4,58 Prozent auf fast 284 Dollar und hievte den Konzern damit erstmals über eine Marktkapitalisierung von drei Billionen Dollar. Was diesen Kurssprung von anderen Tech-Rallys unterscheidet: Es geht nicht nur um Zahlen, sondern darum, wie sie erklärt wurden.
Der Auslöser: eine Telefonkonferenz, die die Skepsis beendete
Am vergangenen Freitag hatte Amazon Quartalszahlen vorgelegt, die die Erwartungen klar übertrafen. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 1,97 Dollar, der Umsatz bei 200,61 Milliarden Dollar — beides deutlich über den Analystenschätzungen. Die Aktie schoss daraufhin um mehr als 15 Prozent nach oben, der stärkste Tagesgewinn seit über einem Jahrzehnt.
Getragen wurde die Rally vor allem von AWS. Die Cloud-Sparte wuchs schneller als erwartet, und Konzernchef Andy Jassy sprach von einer „bemerkenswerten“ Nachfrage, die sich sogar schon für 2028 abzeichne. Bemerkenswert war aber vor allem, wie er die gleichzeitig angehobenen Investitionspläne begründete: Das Investitionsbudget steigt von 200 auf 220 Milliarden Dollar, doch Jassy erklärte detailliert, warum sich das rechnet — neue Rechenzentren generierten praktisch sofort Umsatz und ließen sich über Jahrzehnte monetarisieren, ohne dass die Startinvestition wiederholt werden müsse.
Genau diese Erklärung soll laut Marktbeobachtern den entscheidenden Unterschied zu Konkurrenten gemacht haben. Alphabet erhöhte ebenfalls seine Investitionsausgaben, verlor nach den eigenen Zahlen aber an Wert — dem Management wurde vorgeworfen, den Zusammenhang zwischen Ausgaben und Rendite nicht überzeugend dargelegt zu haben. Microsoft blieb von solcher Kritik weitgehend verschont, da das Unternehmen über Azure und die KI-Assistenz Copilot bereits sichtbare Erträge aus seinen Investitionen zieht. Meta geriet dagegen in die Kritik, weil trotz aggressiv ausgebauter KI-Infrastruktur ein klarer Monetarisierungsplan fehlte.
Analysten ziehen nach, AWS baut Partnernetz aus
Die UBS erhöhte ihr Kursziel von 305 auf 318 Dollar und bestätigte die Kaufempfehlung. Analyst Stephen Ju sieht AWS auf dem Weg zu weiter beschleunigtem Wachstum und einer Ausweitung der Segmentmargen bis 2027. Bei Jefferies attestierte Brent Thill den drei großen Hyperscalern Amazon, Alphabet und Microsoft einen Wendepunkt beim Umsatzwachstum, getrieben von einem Nachfrageschub sowohl bei klassischen Cloud- als auch bei KI-Workloads.
Dass AWS operativ an Fahrt gewinnt, zeigt auch eine frisch angekündigte Kooperation mit dem Softwareanbieter Superblocks, der seine KI-Entwicklungsplattform künftig in AWS-Umgebungen wie Amazon Bedrock integriert — ein weiteres Beispiel dafür, wie sich das Ökosystem um die Cloud-Sparte verdichtet.
Im Ranking der Drei-Billionen-Dollar-Klasse liegt Amazon damit auf Platz fünf, hinter Nvidia mit knapp fünf Billionen Dollar sowie Alphabet und Apple mit jeweils rund 4,5 Billionen Dollar. Der Abstand nach oben bleibt groß — doch der Sprung in den exklusiven Club allein markiert für Amazon einen historischen Moment.
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