Amazon Aktie: Nettogewinn schießt auf 62,6 Milliarden
Amazon verdreifacht Nettogewinn dank Anthropic-Bewertung, sieht sich aber Klagen und einer vorsichtigen Umsatzprognose gegenüber.

- Nettogewinn steigt um 245 Prozent
- Anthropic-Beteiligung treibt Buchgewinn
- Klage wegen Marktmacht in New Jersey
- Umsatzprognose verfehlt Analystenerwartungen
Ein Nettogewinn, der sich mehr als verdreifacht. Eine Marktkapitalisierung, die erstmals die Marke von drei Billionen Dollar überspringt. Und mittendrin ein Bundesstaat, der Amazon wegen angeblichen Machtmissbrauchs verklagt. Wer sich die vergangenen zwei Wochen bei Amazon ansieht, bekommt ein Unternehmen präsentiert, das gleichzeitig Rekorde feiert und sich gegen handfeste Vorwürfe verteidigen muss. Für mich ist genau diese Gleichzeitigkeit der eigentliche Kern der Geschichte – nicht die einzelne Schlagzeile.
Ein Quartal mit zwei Gesichtern
Die operativen Zahlen für das zweite Quartal, das Ende Juni endete, waren solide: Der Umsatz kletterte um 20 Prozent auf 200,6 Milliarden Dollar, nach 167,7 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal. AWS wuchs um 37 Prozent auf 42,2 Milliarden Dollar – die schnellste Rate seit 2021 und deutlich über den von Analysten erwarteten 31 Prozent. Das operative Ergebnis stieg von 19,2 auf 27,5 Milliarden Dollar. Das ist ein starkes Cloud-Geschäft, keine Frage.
Der Ausblick auf das dritte Quartal fiel dagegen verhaltener aus: Amazon rechnet mit Umsätzen zwischen 197 und 202 Milliarden Dollar, während von LSEG befragte Analysten im Schnitt 204,1 Milliarden Dollar erwartet hatten. Das Management erklärte die Lücke mit dem verschobenen Prime Day, der dieses Jahr bereits im Juni stattfand – ohne diesen Effekt läge das Wachstum nach eigenen Angaben rund 400 Basispunkte höher. Das mag stimmen, doch es zeigt auch: Der Konzern muss inzwischen aktiv erklären, warum seine Guidance unter dem Konsens liegt. Verschärft wird der Kapitalbedarf durch steigende Speicherpreise, wegen denen Amazon sein Investitionsbudget für dieses Jahr von zunächst 200 auf 220 Milliarden Dollar angehoben hat.
Die Anthropic-Wette treibt den Buchgewinn
Der eigentliche Ausreißer der Bilanz ist nicht das operative Geschäft, sondern eine Beteiligung. Der Nettogewinn schoss von 18,2 auf 62,6 Milliarden Dollar hoch – ein Plus von 245 Prozent. Der Großteil davon stammt nicht aus dem Kerngeschäft, sondern aus der Neubewertung des Anthropic-Anteils, der die sonstigen Erträge von 1,1 auf 53,4 Milliarden Dollar katapultierte. Wandelanleihen im Wert von 97,9 Milliarden Dollar und nicht stimmberechtigte Vorzugsaktien von 92,5 Milliarden Dollar summieren sich auf ein Gesamtpaket von 190,4 Milliarden Dollar.
Das ist beeindruckend, aber eben ein Buchwert, kein Cashflow. Zumal die Verbindung keine Einbahnstraße ist: Anthropic ist vertraglich verpflichtet, AWS als primären Cloud-Anbieter zu nutzen und Milliarden für Amazons eigene Trainium-Chips auszugeben – ein Konstrukt, das Kapitalintensität in Umsatz zurückverwandelt. Sollte Anthropic wie geplant im Oktober an die Börse gehen, nach einer Finanzierungsrunde im Mai mit einer Bewertung von 965 Milliarden Dollar und einem angepeilten IPO-Wert von mindestens einer Billion Dollar, könnte Amazons 21-Prozent-Anteil laut Medienberichten mehr als 210 Milliarden Dollar wert sein. Für Amazon-Aktionäre wäre das der Moment, in dem sich diese Wette endgültig auszahlt – oder eben nicht, falls der Markt die KI-Bewertungen neu einordnet.
Regulatorischer Gegenwind nimmt zu
Parallel dazu häufen sich rechtliche Baustellen. Die Generalstaatsanwältin von New Jersey, Jennifer Davenport, verklagte Amazon wegen angeblichen Missbrauchs seiner Marktmacht gegenüber Drittanbieter-Zustellern – nach Angaben ihrer Behörde die erste sogenannte Monopsonie-Klage eines US-Bundesstaates überhaupt. Amazon weist die Vorwürfe als „nicht faktenbasiert“ zurück. Dazu kommt eine Klage von Warner Bros. Discovery, die Amazon vorwirft, eine Marketing-Managerin unter laufendem Vertrag abgeworben zu haben. Beides sind noch offene Verfahren, keine Urteile – aber sie zeigen, dass Amazons Größe zunehmend selbst zum Streitgegenstand wird.
Auf der anderen Seite expandiert das Unternehmen munter weiter: Die Robotaxi-Tochter Zoox darf nach einer Freigabe der US-Verkehrsbehörde nun kommerziell bis zu 2.500 Fahrzeuge pro Jahr einsetzen und startet zahlende Fahrten in Las Vegas, mit Miami und Austin als nächsten Zielen. JPMorgan-Analyst Douglas Anmuth bekräftigte am Dienstag sein Kaufrating und riet institutionellen Anlegern zum Einstieg, mit Verweis auf AWS als verlässlichen Wachstumsmotor. Auch Mizuho Securities vergab am 4. August ein frisches Kaufrating.
Unterm Strich
Der Kurs notiert aktuell bei 236,00 Euro und damit 5,22 Prozent unter seinem erst am 3. August erreichten 52-Wochen-Hoch von 249,00 Euro – nach einem Anstieg von 10,67 Prozent binnen 30 Tagen. Das spricht dafür, dass der Markt die Rekordzahlen honoriert hat, sich seither aber etwas beruhigt. Für mich überwiegen die operativen Argumente: AWS liefert echtes Wachstum, und die Anthropic-Beteiligung könnte sich zu einem handfesten Vermögenswert entwickeln. Die Rechtsstreitigkeiten und die verhaltene Guidance sind jedoch keine Randnotizen, sondern Signale dafür, dass Amazons nächste Wachstumsphase nicht mehr reibungslos verlaufen dürfte.
Amazon-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Amazon-Analyse vom 7. August liefert die Antwort:
Die neusten Amazon-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Amazon-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 7. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Amazon: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...




