Amazon Aktie: Q2-Bilanz Donnerstag nach US-Schluss

Amazon legt Quartalszahlen vor: AWS-Wachstum und KI-Investitionen von 200 Milliarden Dollar stehen im Mittelpunkt der Analysten.

Die Kernpunkte:
  • Quartalszahlen am Donnerstag erwartet
  • AWS-Wachstum als zentraler Treiber
  • Kapitalausgaben von 200 Milliarden Dollar
  • Aktie unter 200-Tage-Durchschnitt gefallen

Am morgigen Donnerstag nach US-Börsenschluss richtet sich der Blick der internationalen Finanzmärkte auf Seattle. Der E-Commerce- und Cloud-Gigant Amazon legt seine Bilanz für das zweite Quartal 2026 vor. Die Veröffentlichung gilt als richtungsweisend für den gesamten Technologiesektor, da Anleger vor allem auf Fortschritte im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) und die damit verbundenen Investitionskosten achten. Analysten erwarten im Konsens ein Ergebnis von 1,82 US-Dollar je Aktie bei einem Umsatz von rund 197 Milliarden US-Dollar.

AWS als Ertragsmotor und KI-Profiteur

Das Herzstück des Konzerns bleibt das Cloud-Geschäft Amazon Web Services (AWS). Für das abgelaufene Quartal prognostizieren Experten einen Segmentumsatz von mindestens 40,5 Milliarden US-Dollar, was einem Zuwachs von 31 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entsprechen würde. Die Analysten der Bank of America zeigen sich mit einer Schätzung von 33 Prozent Wachstum sogar noch optimistischer. Getrieben wird diese Entwicklung maßgeblich durch die steigende Nachfrage nach Rechenleistung für KI-Anwendungen.

Ein wesentlicher Faktor für das Momentum in der Cloud-Sparte ist die enge Verzahnung mit KI-Startups. So sicherte sich AWS erst kürzlich einen mehrjährigen Vertrag mit Recursive Superintelligence im Wert von 410 Millionen US-Dollar. Auch die Kooperation mit Anthropic, die ein potenzielles Volumen von 100 Milliarden US-Dollar umfasst, soll die Auslastung der Rechenzentren langfristig sichern. Gleichzeitig treibt Amazon die Entwicklung eigener Hardware voran: Die Chip-Sparte rund um die Trainium-Serie verzeichnet laut Medienberichten bereits eine jährliche Umsatzrate von über 20 Milliarden US-Dollar.

Marktdruck durch massive Kapitalausgaben

Trotz der Wachstumsfantasie agieren Anleger im Vorfeld der Zahlen vorsichtig. Die Aktie notiert aktuell bei 201,40 Euro, was einem Rückgang von 0,79 Prozent gegenüber dem Vortag entspricht. Damit gerät das Papier technisch unter Druck und liegt mit 0,61 Prozent knapp unter seinem 200-Tage-Durchschnitt. Vom 52-Wochen-Hoch, das am 5. Mai bei 238,05 Euro markiert wurde, ist der Titel derzeit rund 15,40 Prozent entfernt.

Besorgnis löst bei Investoren vor allem das Ausmaß der Investitionen aus. Amazon plant für das Gesamtjahr 2026 Kapitalausgaben in Höhe von 200 Milliarden US-Dollar – eine Steigerung von 52 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zur Finanzierung dieser massiven Infrastrukturprojekte hat der Konzern unter der Leitung von CEO Andy Jassy erst Anfang Juli Anleihen im Wert von 25 Milliarden US-Dollar am Markt platziert. Die Skepsis rührt daher, dass Konkurrenten wie Alphabet zuletzt trotz solider Geschäftszahlen abgestraft wurden, da der Markt die Rentabilität der extrem hohen KI-Ausgaben hinterfragte.

Strategischer Umbruch in Logistik und Handel

Parallel zum Fokus auf die Cloud vollzieht sich im Kerngeschäft E-Commerce ein struktureller Wandel. Der Logistikpartner UPS hat sein Amazon-Volumen zuletzt deutlich von 13 auf 9 Prozent seines Gesamtumsatzes reduziert, um sich auf margenstärkere Bereiche zu konzentrieren. Amazon selbst experimentiert unterdessen mit neuen physischen Formaten und plant Berichten zufolge die Eröffnung größerer Kaufhäuser in den USA, in denen vor allem Eigenmarken prominent präsentiert werden sollen.

Die Analystenzunft bleibt für die langfristige Entwicklung dennoch überwiegend zuversichtlich. Sebastian Lingnau von der Erste Group Bank hob seine Schätzung für das Ergebnis je Aktie im Geschäftsjahr 2027 auf 10,11 US-Dollar an. Das durchschnittliche Kursziel der Experten liegt derzeit bei 313,43 US-Dollar, wobei die Mehrheit der beobachtenden Häuser die Aktie weiterhin zum Kauf empfiehlt. Ob dieser Optimismus gerechtfertigt ist, wird maßgeblich davon abhängen, ob Amazon morgen eine überzeugende operative Marge für AWS ausweisen kann, die zuletzt bei 37,7 Prozent lag.

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