Amazon Aktie: Zoox erhält Genehmigung für kostenpflichtige Robotaxis

Amazon-Tochter Zoox startet kostenpflichtige Robotaxi-Dienste in US-Städten. Milliardeninvestitionen in KI und Infrastruktur belasten jedoch die Bilanz des Konzerns.

Die Kernpunkte:
  • Zoox startet kommerzielle Robotaxi-Dienste
  • Amazon investiert massiv in KI-Infrastruktur
  • AWS-Wachstum erreicht Rekordhoch
  • Schulden und Cashflow unter Druck

Amazon treibt seine Ambitionen im Bereich der autonomen Mobilität entscheidend voran. Die Konzerntochter Zoox hat von den US-Bundessicherheitsbehörden eine temporäre Ausnahmegenehmigung erhalten, um kostenpflichtige Robotaxi-Dienste mit speziell entwickelten Fahrzeugen anzubieten. Diese autonomen Transporter, die ohne klassisches Lenkrad und Pedale auskommen, haben laut Medienberichten bereits mehr als drei Millionen fahrerlose Meilen auf öffentlichen Straßen absolviert.

Zoox bringt autonome Flotte auf die Straße

Die erteilte Genehmigung erlaubt es Zoox, eine Flotte von jährlich bis zu 2.500 Fahrzeugen für einen Zeitraum von zunächst zwei Jahren zu betreiben. Nach dem Start in Las Vegas am 10. August erfolgt nun die Ausweitung auf San Francisco. Amazon hatte das Unternehmen im Jahr 2020 für rund 1,2 Milliarden US-Dollar übernommen und testet die Technologie derzeit zudem in weiteren US-Metropolen wie Austin und Miami.

CEO Aicha Evans bezeichnete diesen Schritt als maßgeblich für den Aufbau eines autonomen Ride-Hailing-Dienstes. Die Fahrzeuge weichen optisch deutlich von herkömmlichen Pkw ab und ähneln in ihrer Form eher kompakten Kabinen, in denen sich die Passagiere gegenüber sitzen. Die US-Behörden begleiten das Projekt mit verstärkter Aufsicht, während Zoox die Kommerzialisierung seiner jahrelangen Forschungsarbeit einleitet.

AWS-Wachstum und die Kehrseite der KI-Investitionen

Hinter der technologischen Expansion steht ein massiver finanzieller Aufwand, der die Bilanz des Mutterkonzerns prägt. Im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres stiegen die Investitionsausgaben (Capex) um mehr als 68 Prozent auf 54,21 Milliarden US-Dollar.

Für das Gesamtjahr 2026 prognostizieren die Analysten von J.P. Morgan Ausgaben in Höhe von rund 220 Milliarden US-Dollar für die gesamte Infrastruktur der fünf größten US-Hyperscaler, wobei Amazon einen erheblichen Teil für den Ausbau seiner Rechenzentren aufwendet.

Trotz eines starken Wachstums der Cloud-Sparte AWS, die zuletzt ein Umsatzplus von 36,7 Prozent verzeichnete – das schnellste Wachstum seit 18 Quartalen –, lastet der enorme Kapitalbedarf auf der Liquidität.

Der freie Cashflow (Free Cash Flow) rutschte im zweiten Quartal mit 7,6 Milliarden US-Dollar in den negativen Bereich. Parallel dazu verdoppelten sich die langfristigen Schulden nahezu auf 128,9 Milliarden US-Dollar gegenüber dem Stand zum Jahresende 2025.

Analysten stützen Wachstumskurs trotz hoher Kosten

An der Börse zeigt sich die Aktie am heutigen Montag stabil und notiert bei 221,95 Euro, was einem Zuwachs von 0,1 Prozent entspricht. Damit behauptet sich das Papier aktuell 1,8 Prozent über seinem gleitenden Durchschnitt der vergangenen 50 Tage. Experten sehen in den hohen Ausgaben notwendige Vorleistungen für die Marktführerschaft im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI).

Die Analysten von Citizens bekräftigten am heutigen Montag ihre Einstufung „Market Outperform“ mit einem Kursziel von 315 US-Dollar. Sie verwiesen dabei auf die starke Nachfrage nach Cloud-Dienstleistungen und die strategischen Beteiligungen an KI-Spezialisten wie Anthropic.

Auch das Analysehaus Rosenblatt bleibt optimistisch und traut dem Wert ein Kursziel von 335 US-Dollar zu, wobei insbesondere das erwartete AWS-Wachstum im kommenden Jahr als Kurstreiber angeführt wird.

Expansion der Infrastruktur in Europa

Neben der Robotik investiert Amazon massiv in die physische und digitale Infrastruktur auf dem europäischen Kontinent. Am Samstag wurde bekannt, dass in Brandenburg die European Sovereign Cloud entsteht, in die das Unternehmen bis zum Jahr 2040 rund 7,8 Milliarden Euro investieren will. Dieses Projekt soll eine physisch getrennte Datenhaltung ermöglichen, um strengen europäischen Datenschutzanforderungen gerecht zu werden.

Zusätzlich hat der Konzern am Donnerstag einen neuen Bulk-Lagerdienst namens AWD in Deutschland, Großbritannien und weiteren EU-Staaten gestartet. Dieser Dienst ermöglicht es Händlern, Waren außerhalb der üblichen Kapazitätsgrenzen von „Versand durch Amazon“ (FBA) einzulagern, wobei der Nachschub automatisiert gesteuert wird. Ziel dieser Logistik-Offensive ist es, die Effizienz der Lieferketten vor dem wichtigen Jahresendgeschäft weiter zu steigern.

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