AMD Aktie: 115 Prozent Plus seit Jahresanfang

AMD profitiert vom Trend zur KI-Inferenz und starkem Kundeninteresse an der neuen MI450-GPU. Analysten heben Kursziele an, sehen aber auch Risiken.

Die Kernpunkte:
  • Neues Allzeithoch bei 410 Euro
  • KI-Wandel hin zur Inferenz als Treiber
  • MI450-GPU weckt großes Kundeninteresse
  • Analysten erhöhen Kursziele deutlich

AMD hat an der Börse eine neue Liga erreicht. Der Kurstreiber ist nicht nur ein starkes Quartal, sondern eine größere Verschiebung im KI-Markt: Rechenlasten wandern vom Training hin zur Inferenz. Genau dort will AMD mit neuen Beschleunigern und Server-CPUs stärker angreifen.

Auf Eurobasis notiert die AMD-Aktie am Montag bei 410,45 Euro und markiert ein neues Hoch; seit Jahresanfang beträgt das Plus 115,23 Prozent. In den vergangenen Wochen kamen 39,16 Prozent hinzu.

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Warum die Bewertung kippt

Der wichtigste Punkt in der neuen AMD-Story ist der Wandel der KI-Nutzung. Evercore ISI sieht nach Channel Checks eine Bewegung hin zu Inferenz-Anwendungen, bei denen Kosten pro Token, Kapitalrendite und Gesamtbetriebskosten stärker zählen. Das spielt Anbietern alternativer Beschleuniger in die Karten.

Evercore blieb bei „Outperform“ und hob das Kursziel von 358 auf 579 Dollar. Der Schritt zeigt, wie stark sich die Erwartung an AMDs KI-Geschäft verändert hat.

Citi bleibt vorsichtiger, erhöhte das Ziel aber ebenfalls von 358 auf 460 Dollar. Die Bank nahm dabei ein breiteres CPU-Marktmodell auf, das klassische Server-CPUs, KI-Head-Nodes und agentische CPU-Anwendungen umfasst.

Auch im Server-CPU-Geschäft gewinnt AMD an Gewicht. Evercore verweist darauf, dass AMD im abgelaufenen Quartal 220 Basispunkte an Stückanteil hinzugewonnen hat.

Der geschätzte Anteil liegt damit bei rund 24 Prozent. Intel kommt auf 55 Prozent, Arm Holdings auf 17 Prozent.

MI450 wird zum Prüfstein

CEO Lisa Su bestätigte, dass erste Instinct-MI450-GPUs bereits an führende Kunden bemustert werden. Die Chips bleiben für Einsätze im Helios-Rack auf Kurs, Produktionslieferungen sollen in der zweiten Jahreshälfte starten.

Su sprach von stärkerem Kundeninteresse an der MI450-Serie und Helios. Führende Kundenprognosen lägen über den ursprünglichen Erwartungen, die Pipeline großer Deployments verbessere die Sichtbarkeit auf den Wachstumspfad.

Besonders wichtig: Die Nachfrage liegt bereits über dem, was AMD intern für 2027 geplant hatte. Die MI450 soll in großem Umfang sowohl für Training als auch für Inferenz eingesetzt werden, wobei die größten Installationen auf der Inferenzseite erwartet werden.

Citi verweist außerdem auf Branchenkontakte, wonach AMD möglicherweise Anthropic als Kunden für die nächste MI450-Generation gewonnen hat. Eine Ankündigung könnte auf AMDs Advancing-AI-Veranstaltung im Juli folgen.

Agentische KI verändert die CPU-Rechnung

AMD argumentiert, dass agentische KI die Architektur im Rechenzentrum verändert. Beim klassischen Chatbot-Modell lag das CPU-zu-GPU-Verhältnis häufig bei 1 zu 4 bis 8.

Bei agentischer KI beschreibt AMD eine Verschiebung in Richtung 1 zu 1. In manchen Fällen könnte der CPU-Anteil sogar höher liegen.

Damit rückt EPYC stärker in die KI-Erzählung. AMD erwartet, dass der adressierbare Markt für Server-CPUs jährlich um mehr als 35 Prozent wächst und bis 2030 auf über 120 Milliarden Dollar steigt.

Die Cloud-Daten stützen diese These. EPYC-basierte Instanzen legten im Jahresvergleich um nahezu 50 Prozent auf mehr als 1.600 zu.

AMD zielt nicht nur auf Rechenzentren. Ryzen AI Halo soll Modelle mit bis zu 200 Milliarden Parametern lokal ausführen können; Vorbestellungen beginnen im Juni 2026, unterstützt von bis zu 128 Gigabyte einheitlichem Systemspeicher.

Im dritten Quartal will AMD die Entwicklerplattform mit Ryzen AI Max PRO 400 weiter ausbauen. Vorgesehen sind bis zu 192 Gigabyte Unified Memory und 160 Gigabyte VRAM.

Die Gegenrechnung bleibt relevant

Die Rekordjagd hat eine Kehrseite. HSBC rechnet für 2026 mit Server-CPU-Umsätzen von 11,8 Milliarden Dollar und liegt damit unter dem Konsens von 13,3 Milliarden Dollar.

Der Grund sind Kapazitätsgrenzen. Bessere Sichtbarkeit bei Foundry-Kapazitäten könnte erst spät im Jahr entstehen, was eine kräftigere Umsatzbeschleunigung in das Geschäftsjahr 2027 verschieben würde.

Auch die Exportkontrollen belasten. Die US-Beschränkungen rund um die MI308 kosteten AMD im Geschäftsjahr 2025 netto etwa 440 Millionen Dollar.

Hinzu kommt der Druck bei Speicherpreisen. Gaming- und Client-Umsätze könnten in der zweiten Jahreshälfte nachgeben, während der MI450-Hochlauf kurzfristig auf die Marge drückt. Finanzchefin Jean Hu machte klar, dass das neue Produkt zunächst unter dem Konzerndurchschnitt startet.

Das durchschnittliche Zwölfmonatskursziel liegt derzeit bei 472,17 Dollar. Die Spanne reicht von 225 bis 625 Dollar.

Auffällig bleibt das Stimmungsbild: 41 Analysten empfehlen den Kauf, Verkaufsvoten gibt es nicht. Der nächste konkrete Prüfstein ist AMDs KI-Veranstaltung im Juli. Kommt dort ein großer MI450-Kunde auf die Bühne, hätte die Rekordbewertung einen deutlich greifbareren Fundamentanker.

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